Fall Jülich: Bewusst getäuscht?

Von: Johannes Nitschmann
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Atom Auge
In der Informations-Affäre um angeblich 2285 vermisste Brennelementkugeln hat das Forschungszentrum (FZ) Jülich energisch Vorwürfe zurückgewiesen, gegenüber der Landesregierung widersprüchliche Darstellungen abgegeben zu haben. Foto: dpa

Düsseldorf. In der Informations-Affäre um angeblich 2285 vermisste Brennelementkugeln hat das Forschungszentrum (FZ) Jülich energisch Vorwürfe zurückgewiesen, gegenüber der Landesregierung widersprüchliche Darstellungen abgegeben zu haben.

Das FZ Jülich habe dem NRW-Wissenschaftsministerium bei der Beantwortung der Kleinen Anfrage des Landtagsabgeordneten Hans Christian Markert (Grüne) „zugearbeitet und alle Fragen im Ergebnis widerspruchsfrei beantwortet”, versicherte dessen Sprecherin Anne Rother auf Anfrage.

Zuvor hatte das Wissenschaftsministerium gegenüber unserer Zeitung behauptet, dass sich das FZ Jülich bei seinen Berichten über den Verbleib der in dem AVR-Versuchsreaktor insgesamt eingesetzten 290.705 Brennelementkugeln innerhalb von sieben Tagen widersprochen habe.

So sei die Zahl der bei Nachexperimenten zerstörten Kugeln zunächst mit 1689 und später mit 1988 beziffert worden. Zudem habe das FZ Jülich widersprüchliche Angaben über 62 unzerstörte Kugeln aus den Heißen Zellen gemacht. Schließlich beklagt das Ministerium, dass auf den dem FZ frühzeitig zugeleiteten Antwortentwurf an den Abgeordneten Markert „keine Rückmeldung” erfolgt sei.

In dieser Antwort hatte die Landesregierung am 30. März erklärt, dass über den Verbleib von 2285 Brennelementkugeln aus Jülich „keine abschließenden Aussagen getroffen werden” könnten. „Allem Anschein nach” sei ein Teil dieser Brennelementkugeln im Forschungsbergwerk Asse eingelagert worden. Diese Antwort hatte das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium als untere Atomaufsichtsbehörde offenbar ohne eigene Recherchen mitgezeichnet.

Atom-Buchführung korrekt

Inzwischen haben Bundes- und Landesbehörden bestätigt, dass der Verbleib der Reaktorkugeln korrekt in der Kernmaterial-Buchführung der FZ Jülich nachgewiesen sei. CDU und FDP werfen der rot-grünen Minderheitsregierung vor, mit der offenkundig falschen Beantwortung der Anfrage „aus politischem Interesse die Öffentlichkeit und den Landtag bewusst getäuscht zu haben”.
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