Jülicher Land - Fachtagung: Kindliche Sprache kreativ fördern

Fachtagung: Kindliche Sprache kreativ fördern

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Kinder haben heute oftmals weniger Sprachkompetenzen, wenn sie eingeschult werden. Die Sprachförderung in den Kindertagesstätten soll optimiert werden. Dazu gab es jetzt eine Tagung in Jülich. Foto: dpa
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BaSiK Bögen dokumentieren die Entwicklung des Kindes: Nicole Körfer-Mommertz, Leiterin der Kita „Unterm Regenbogen“ in Koslar, stellt sie vor. Foto: Mengel-Driefert

Jülicher Land. „Sprache ist die Grundvoraussetzung, um das Leben zu verstehen, dem Leben eine Bedeutung zu geben und das Leben zu gestalten“, sagt die Koslarer Kitaleiterin Nicole Körfer-Mommertz. Doch was passiert, wenn das Leben immer weniger Anreize zur mündlichen Kommunikation bietet, Fernsehen das Spiel mit den Bauklötzen und das Klettern im Wald ersetzt? Sprechen Kinder dann weniger?

„In der Tat ist unsere Sprachentwicklung rückläufig“, bestätigt Nicole Körfer-Mommertz. Insbesondere in der Schule wird festgestellt, dass die Kinder mit immer schlechteren Voraussetzungen eingeschult werden. Um dem entgegenzuwirken, organisierten die Leiterinnen der städtischen Kindertagesstätten in Jülich jüngst einen Fachtag „Alltagsintegrierte Sprachförderung“ im Andreashaus in Lich-Steinstraß. Über 100 ErzieherInnen aus dem Jülicher Land nahmen teil. Die Stadt Jülich führte die Veranstaltung durch.

Entwicklung im Spiel

Anlass sind die veränderten rechtlichen Richtlinien in NRW. Der Sprachtest Delfin 4 ist abgeschafft. Die Umsetzung alltagsintegrierter Sprachförderung ist in den Kitas seit August vergangenen Jahres verbindlich. Wie funktioniert das konkret und warum ist schon wieder alles anders?

Der Test sei von allen Beteiligten kritisiert worden, sagt Körfer-Mommertz. Auch die Sprachprogramme, die in einer separaten Förderstunde abgehalten wurden, hätten nicht den gewünschten Erfolg erzielt. In NRW habe man sich an Prof. Dr. Renate Zimmer gewendet, Autorin pädagogischer Fachliteratur, Direktorin des niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Direktorin des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaften an der Uni Osnabrück. Zimmer legte dar, dass eine positive Entwicklung immer über das Spiel entstehe.

Nun werden gezielte Sprachimpulse in das Spiel integriert. Das verlangt ein spezielles Wissen und Schulung der Fachkräfte. Aus diesem Grund organisierten die Leiterinnen der Jülicher Kitas den Fachtag, für den sie auch Renate Zimmer gewannen, die in Jülich über „Alltagsintegrierte Sprachbildung“ referierte. Weitere Referentinnen vertieften das Thema in unterschiedlichen Workshops.

Bewertungsbögen

Die neue Sprachförderung, die alle Kinder in NRW betrifft, geht mit unterschiedlichen Beobachtungsinstrumenten einher. Die städtischen Einrichtungen in Jülich nutzen die sogenannten BaSiK Bögen (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen). Renate Zimmer hat sie entwickelt. Die Beobachtungskriterien sind äußerst differenziert. Beobachtet werden Basiskompetenzen wie Mundmotorik, die Art, wie das Kind seine Umgebung und sich selbst wahrnimmt, das Sprachverständnis, der Wortschatz und vieles mehr. Die Bögen werden ausgewertet, die ErzieherInnen erhalten einen Überblick, wo das Kind seine Stärken und Schwächen hat.

Um Defizite gezielt angehen zu können, bietet ein Begleitbuch Anregungen für Sprachentwicklungsimpulse. Zum Beispiel: Hat das Kind Probleme mit der Mundmotorik, keinen richtigen Mundschluss, dann werden Zungenspiele und Pustespiele gespielt, dünne Strohhalme beim Trinken benutzt, einzelne Spaghetti gegessen. Nutzt ein älteres Kind beim Sprechen keine Präpositionen, kann die fehlende Grammatik im musikalischen Bewegungsspiel erfahrbar werden, in dem sich das Kind auf etwas, zwischen oder unter etwas stellt.

Der Einsatz von alltagsintegrierter Sprachförderung ist neu im Kita-Alltag, große Erfahrungsschätze gibt es noch nicht. Aber: „Wir merken, dass wir bewusster mit der Sprachentwicklung umgehen“, stellt Körfer-Mommertz fest und betont, dass – anders als vermutet – vermeintliche Auffälligkeiten oft altersgerecht, die Sorgen der ErzieherInnen dann unbegründet seien.

Insgesamt wird die Kompetenz der Erzieherinnen gesteigert, das Rad zwar nicht neu erfunden, aber bewusster eingesetzt. „Das geht, indem ich etwas gezielt einsetze, was ich schon vor 20 Jahren gemacht habe.“

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