Expertin aus Jülich als Begleiterin der Tour de France

Von: Volker Uerlings
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Am Sonntag ist die Jülicher Hauptverkehrsader vor dem Neuen Rathaus mit wenigen Ausnahmen autofrei. Jenny Wuppermann aus der Herzogstadt sitzt dann in einem Fahrzeug ihres Tour-de-France-Teams. Foto: Uerlings

Jülich. Jenny Wuppermann weiß, woher der Wind weht. Sie ist eine Strecke im Auto genau abgefahren, die sie eigentlich im Schlaf kennt. Die Jülicherin (34) wollte aber einfach wissen, was die Fahrer und Kollegen im Team Dimension Data (Südafrika), für das sie arbeitet, von ihrer Heimat am 2. Juli bei der Tour-de-France-Etappe zu sehen bekommen.

Und sie wollte als Fachfrau, die dem Radsport in unterschiedlicher Weise schon seit mehr als 15 Jahren zur Seite steht, ein Gefühl für diese Etappe bekommen, bei der sie im Begleitfahrzeug tatsächlich an ihrem Wohnzimmer vorbeifährt. In der flachen Bördelandschaft sind außerhalb der Siedlungen plötzliche Seitenwinde auf offener Strecke typisch. Das werden die Radprofis zu nutzen versuchen. „Die werden auf Kante gehen und versuchen, das Feld auseinanderzufahren.“

Es ist also gut möglich, dass das Hauptfeld in Jackerath, in Titz, in Mersch, in Jülich oder bei Aldenhoven Ausreißer(-gruppen) jagt auf dem Weg nach Lüttich. „Ich hoffe nur, dass es nicht regnet“, sagt die junge Frau, die am Sonntag ihren vorerst letzten Tag in Jülich hatte und nun mit der Tour de France vier Wochen lang reist.

Jenny Wuppermann hat die Realschule Am Aachener Tor besucht und nebenher bei der damals noch recht jungen Schoberer Radmesstechnik GmbH gejobbt. Das Jülicher Unternehmen hat ein damals ein einzigartiges System zur Leistungsdiagnostik bei Radrennfahrern eingeführt, das den Sport bis heute revolutioniert, weil es praktisch von jedem Meter Daten zur Leistung und zur Fitness liefert. Die junge Jülicherin erhielt Kontakt zu vielen Teams und Sportlern. Das animierte sie zu einer Ausbildung als Physiotherapeutin.

„Das Ziel war aber gar nicht der Radsport, das hat sich so ergeben.“ Bei ihrem ersten Job in Düren erreichte sie aber der Anruf eines Teamleiters, ob sie nicht im Begleittross mitarbeiten möchte. Das hat sie zunächst wieder nebenher getan, später in Vollzeit. Seit 2015 gehört sie zum Team Dimension Data, dessen bekanntester Fahrer der Sprinter Mark Cavendish ist.

Ihr Beruf beschränkt sich nicht nur auf die Betreuung von zwei Sportlern als Physiotherapeutin. In der Mannschaft machen alle neben ihrer eigentlichen Aufgabe fast alles. „Wir sind die Ersten, die morgens um sechs aufstehen, und gehen meist nicht vor Mitternacht ins Bett.“

Die Verpflegung der Sportler – auch und gerade während der Etappen – muss akribisch vorbereitet werden. Von daher ist es gar nicht selbstverständlich, dass sie durch Jülich fährt, denn die Verpflegungsfahrzeuge steuern entsprechende Stationen an (hier bei uns Titz) und fahren dann auf kürzestem Weg zum Etappenende, um wieder gerüstet zu sein, wenn die ausgelaugten Radsportler eintreffen.

Kürzester Weg: Das wäre dann über die Autobahn nach Lüttich. Aber Jenny Wuppermann hat ihr Team informiert und wird aller Voraussicht nach ausnahmsweise in einem der Fahrzeuge sitzen, die vor den Radprofis unterwegs sind. Auf der Neusser Straße unweit ihres Elternhauses in der Parallelstraße will sie dann ein bisschen langsamer fahren, um alle zu grüßen – allen voran die Omi (95), die am Sonntag ein Teamtrikot tragen wird.

„Sie ist mir sehr wichtig und kann sich gar nicht vorstellen, was ich da mache“, erzählt die 34-Jährige, die schon beim Gedanken daran sehr gerührt ist. Das sind im professionellen Leben der kommenden vier Wochen sicher seltene Momente. Ansonsten ist die Mission der Erfolg des Teams. Und der könnte durchaus auch bei der „Heimatetappe“

Jenny Wuppermanns herausspringen, denn „ihr“ Sprintexperte ist auch trotz längerer Erkrankung immer dafür gut. Er ist mit 30 Tour-Etappensiegen der in dieser Beziehung erfolgreichste Aktive. Warum? Die Jülicherin: „Der Mark Cavendish ist halt ein Fuchs.“

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