Experiment: Wie im Rausch über den Koslarer Übungsplatz

Von: ptj
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Alkohol am Steuer: Eine „Rauschbrille“ simuliert Beeinträchtigungen bei der Premiere eines „Experiments unter fast realen Bedingungen“ auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar. Foto: Jagodzinska

Koslar. Nacheinander bücken sich zwölf Probanden, um einen Schlüssel aufzuheben. Alle greifen ein ganzes Stück daneben, denn ihr Nähe-Distanz-Erleben ist erheblich beeinträchtigt, ihr Blickfeld verengt, ihr Gleichgewicht gestört. Sie tragen eine sogenannte „Rauschbrille“, die etwa 1,3 Promille Alkohol simuliert.

Die Szene spielte sich auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar ab und diente als Vorspiel eines „Experiments unter fast realen Bedingungen“, nämlich die eingeschränkte Fahrtauglichkeit durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen nachzuempfinden. Zu den weiteren Experimenten im Vorfeld zählte das Türmchenbauen mit Holzklötzen oder das Aufschließen einer Tür. Hier tendierten die nüchternen Teilnehmer dazu, durch ihre anderen Sinne die Beeinträchtigungen durch die Rauschbrille auszugleichen.

Anlass war die „Aktionswoche Alkohol“, die von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen“ (DHS) koordiniert wird. Zum sechsten Mal unterstützt die SPZ Sucht und Drogenberatung Düren die Aktionswoche mit auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittenen Angeboten. Ein Beispiel ist die „Rauschbrille im Klassenzimmer“ der Schirmerschule. Premiere war die Aktion auf dem Verkehrsübungsplatz, den die Verkehrswacht Jülich dafür kostenfrei zur Verfügung stellte.

„Wir wollen das mit den drei MPU-Vorbereitungskursen aus Jülich und Düren in der Sensibilisierungswoche mal ausprobieren“, sagte Inge Heymann, Leiterin der Drogenberatung. Seit über 15 Jahren bietet die Beratungsstelle gemeinsam mit der Dürener Endart-Fabrik MPU-Vorbereitungen an. Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) heißt im Volksmund „Idiotentest“.

So bestand die Probanden-Gruppe ausschließlich aus alkohol- und drogenauffälligen Kraftfahrern beiderlei Geschlechts. Ältester Teilnehmer war ein 56-jähriger, nach eigenen Worten seit einem Jahr „trockener“ Alkoholiker, bei dem es nach 20 Jahren „Klick“ gemacht und er sich seine Sucht eingestanden habe.

Besonders interessiert zeigte sich auch der Vorstand der Verkehrswacht, der gleich im Trio zugegen war. Um die Sicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten, stellte die Dürener Fahrschule Gülpen einen Automatik-Fahrschulwagen samt Fahrschullehrerin zur Verfügung, die Korrekturen während der Fahrt vornehmen konnte.

Als erste setzte sich eine Fahranfängerin aus der Gruppe ans Steuer, zunächst ohne „Rauschbrille“, um sich mit Fahrzeug und Parcours vertraut zu machen. Mit Aufsetzen der Brille verlor sie merklich an Selbstbewusstsein, ihre Reaktionszeit verlängerte sich, die Fahrt verlangsamte sich, immer wieder trat sie auf die Bremse.

„So betrunken war ich noch nie“, behauptete später ein Teilnehmer, nicht ganz unberechtigt. Alkoholkonsum beeinträchtigt alle Körperfunktionen, besonders die Wahrnehmung und Steuerung durch das Gehirn. Also muss die Brille stärker sein, um nur über eine optische Simulation Verwirrung, Gleichgewichtsstörung und mehr zu erreichen. Zeitgleich zu den „Rauschfahrten“ lud Verkehrswacht-Vorsitzender Hartmut Dreßen die Teilnehmer zu Reaktionstests in den Übungsraum. „Die Tests waren alle normal“ bekundete er.

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