„Expedition Biber“: Auf den Spuren des Nagers

Von: ptj
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Auf der Suche nach Biberspuren: Im wissenschaftlichen Ferienworkshop „Expedition Biber“ geht es darum, den größten Nager Europas „positiv kennenzulernen“. Unser Bild zeigt einen Baum mit deutlichen Bissspuren. Foto: Jagodzinska

Barmen. Wo wohnt der Biber? Wo ist er sicher? Was passiert im Biberrevier mit dem Wasser? Das sind nur drei Fragen aus einem umfangreichen Fragenkomplex, dem 13 Kinder von sechs bis acht Jahren in einem spannenden zweitägigen Ferienworkshop im Science College Overbach auf den Grund gingen.

Die Workshop-Teilnehmer stammen aus dem näheren und weiteren Umfeld, sogar aus Kempen und Hürtgenwald. Bevor Diplom-Biologin Hildegard Coenen mit den Kindern auf den 2,5 Kilometer langen Biberpfad zog, bot sie eine Einführung ins Thema und stellte gleichzeitig fest, was die Kinder bereits über das größte Nagetier Europas wissen.

Der heimische Biber wurde vor 130 Jahren ausgerottet und in den 80er Jahren in der Nordeifel wieder angesiedelt. Heute ist der Bestand auf mehr als 400 Tiere angewachsen. Ein ausgewachsener Biber misst einschließlich der „Kelle“ (Schwanz) bis zu 1,20 Meter und wiegt bis zu 30 Kilo.

Wonach müssen wir schauen auf dem Biberpfad? „Auf Wasser, Dämme, gefällte Bäume und Pfotenabdrücke“ wussten die Kinder bereits. Für das leichtere Auffinden letzterer zeigte Coenen ihnen ausgegossene Abdrücke der Vorder- und Hinterpfoten. Die Hoffnung der Kinder, die nachtaktiven Nager beim Schwimmen beobachten zu können, dämpfte die Biologin sogleich.

Ausgerüstet mit Gläsern mit Schraubdeckeln für die Wasserproben, Lupengläsern, Keschern, Sieben und Gefäßen zum Fangen und Betrachten anderer Tiere, die im Biberrevier leben, zog die Gruppe in Gummistiefeln los zur wissenschaftlichen Exkursion. Erste Erkenntnisse auf dem Weg zum Barmener See waren Drahthosen zum Schutz vor Biberbissen am Stamm von Kopfweiden an einem Entwässerungsgraben. Sogleich war klar: „Der Biber wohnt direkt bei uns im Dorf“, was natürlich Vor- und Nachteile hat. Weil der Nager sein Revier aber im Umkreis von 20 Metern neben Gewässern hat, „zeigt er uns auch, wo wir zu nah am Gewässer sind“, wie Coenen herausstellte. In Barmen klappe das Zusammenleben mit dem Biber aber recht gut.

Beim Verlassen des Biberpfades über einen Trampelpfad zum See ermunterte Coenen die Kinder, still zu sein und zusammen zu bleiben. In der Brutzeit sitzen nämlich Vögel auf ihren Nestern und reagieren nervös auf Störungen, wie einige aufgeregt auffliegenden Gänse sogleich unter Beweis stellten. Am Ufer waren etliche gefällte Bäume zu sehen und ein dicker Baumstamm mit Bissspuren, den man nachträglich mit Draht gesichert hatte. Hilft das jetzt noch? Unwahrscheinlich, denn der Biber kann unterhalb des Drahts ungestört weiter nagen.

Warum fällt der Biber überhaupt Bäume? Natürlich zum Bau von Staudämmen und Biberburgen, aber auch zur Nahrungsaufnahme. Denn der schlaue Vegetarier frisst Blätter und Baumrinde. Durch seine ungewöhnliche Landschaftsgestaltung legt er Lichtungen an, und durch das einfallende Sonnenlicht gedeihen Kräuter und Gräser auf dem Waldboden. An den aufgestauten Teichen finden sich Libellen, Amphibien und seltene Reptilien ein. So verbessert der Nager Lebensräume und mehrt die Artenvielfalt.

Welche Ergebnisse erzielten die Kinder anschließend im Labor bei der wasserchemischen Analyse? „Der Biber filtert Nitrate und Phosphate aus dem Wasser“ und verbessert somit die Wasserqualität, fasste Coenen zusammen.

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