Jülich - Exkursion auf die Sophienhöhe: Natur vom Reißbrett mit hoher Wertigkeit

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Exkursion auf die Sophienhöhe: Natur vom Reißbrett mit hoher Wertigkeit

Von: ptj
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Exkursion auf die Sophienhöhe: Zu den reizvollen Sonderbiotopen zählt der Inselsee. Links im Hintergrund ist Ökologe Gregor Eßer zu sehen, der die Exkursion leitet. Foto: Jagodzinska
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Am „Höller Horn“ wurde gezielt „tertiärer“ nährstoffarmer Sand, toniges Material und Kies verkippt. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Standortvielfalt gleich Artenvielfalt“, betonte Ökologe Gregor Eßer, Leiter der „Forschungsstelle Rekultivierung“, die wiederum eine Kooperation der Rekultivierungsabteilung der RWE Power AG und des Kölner Büros für Faunistik ist.

Anlass war eine Exkursion auf die Sophienhöhe mit der Leader-Region „Rheinisches Revier an Inde und Rur“ – auf Wunsch der Teilnehmer der Auftaktveranstaltung im Juli zum Thema „Umwelt- und Naturschutz in der Region“.

Sie wollten Rekultivierungsmaßnahmen näher in Augenschein nehmen. Ansprechpartner Marco Johnen erhofft sich nun von der Befahrung neue Ideen für das innovative EU-Projekt zur Förderung ländlicher Räume.

Die Exkursion erwies sich als „spannend“, wie Teilnehmer mehrfach betonten. Ein Bus transportierte die Gruppe zunächst um die Sophienhöhe herum und dann in luftige Höhen, von den jüngsten Aufforstungen im Osten zu den ältesten im Westen. Die Teilnehmer passierten den „neuralgischen Punkt“ zwischen Innen- und Außenkippe und „simulierten einen Zeitstrahl von 30 Jahren“ durch Wald, Wiesen, Freiflächen, Landmarken mit Wiedererkennungswert und „Extrembiotope, die wichtig sind für die Biodiversität“.

Naturbelassen

Zu den auffallendsten Sonderbiotopen zählt der zweithöchste Punkt auf der Sophienhöhe, das „Höller Horn“. Hier steht ein Holzturm mit Wetterfahne in einer dünenartigen Sandlandschaft. Im Rahmen der Sukzessionsforschung wurden gezielt „tertiärer“ nährstoffarmer Sand, toniges Material und Kies verkippt, ansonsten blieb der etwa 17 Hektar große Bereich naturbelassen.

„Bisher haben wir rund 1500 Hektar Wald rekultiviert. Am Ende aller Tage werden wir 3500 Hektar wiederhergestellt haben, etwas mehr, als wir tagebaumäßig in Anspruch genommen haben“, betonte Eßer. Zehn Prozent der Anpflanzungen seien „nicht standortheimische Gehölze“ ebenfalls wichtig zur Förderung der Biodiversität, aber auch für die Freizeit und Erholung.

Eßer hob die Schaffung neuer Lebensräume für geschützte Tiere wie die Bechsteinfledermaus hervor, die „an alte Eichen gebunden ist“. Deshalb habe der Bergbautreibende „Altwälder gesichert, die nicht an den Tagebau gebunden sind, und 600 Hektar große Parklandschaften kreieren“. „Wir haben hier bestimmt das höchste Haselmausvorkommen in ganz NRW“, führte er fort und öffnete einen der rund 1000 hölzernen Kurbelkästen, in denen die Haselmaus „extrem sicher“ sei.

Ferner habe man Restpopulationen des fast ausgestorbenen Europäischen Flußkrebses „hier auf die Gewässer verteilt“, in denen deshalb nicht geangelt werden darf. Aus dem Tagebauvorfeld „bausteinartig umgesiedelt“ und mit Honig angefüttert wird die Rote Waldameise. Folienschichten um die Ameisenpyramiden schützen die Population vor Kälte.

„Marterpfähle“

„Nahezu ausgestorben“ waren auch Bäume wie die Elsbeere und der Speierling, die auf der rekultivierten Abraumhalde wachsen. Auch in den recht jungen Anpflanzungen sah man tote Baumstämme wie Marterpfähle in den Himmel ragen. Das sind Stämme alter Bäume aus der Vorfeldrodung, die als „halbnatürliche Höhlen“ Spechten und Insekten Lebensraum bieten, die auf Totholz angewiesen sind.

„Rekultivierung ist eine Toolbox. Wir schaffen Möglichkeiten“, stellte Gregor Eßer mit besonderem Nachdruck heraus.

Erwähnenswert sind auch die rund 20 „größeren Seen“ auf der Sophienhöhe, an denen sich etwa Kreuz- und Wechselkröte, Springfrosch oder Rohrweihe angesiedelt haben. „Viele Wiesenflächen können durchaus optimiert werden“, sagte Eßer, der sich zudem sehnlichst „eine Steilwand wünscht“. Wegen fehlender natürlicher Steilufer wurde für das Brüten des Eisvogels bereits eine künstliche „Eisvogelwand“ errichtet.

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