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Evangelische Gemeinde Jülich schließt den Hort

Von: Antonius Wolters
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„Für uns als Kirchengemeinde war die Schließung alternativlos“: Pfarrer Dr. Udo Lenzig vor dem Familienzentrum „Die kleinen Strolche“ im Jülicher Nordviertel, zu dem bislang auch ein Hort gehörte, der Ende Juli ausläuft. Foto: Wolters

Jülich. „Nichts ist so konstant wie die Veränderung“: Dieses Zitat von Gertrud Gärtner, Leiterin des Familienzentrums „Die kleinen Strolche“, beschloss im April 2012 einen Artikel unserer Zeitung zum damaligen Umbau der Einrichtung. Darin hatte Gärtner auch die Hoffnung geäußert, den zum Familienzentrum gehörenden Hort „noch lange aufrecht erhalten zu können“.

Die Sache mit der konstanten Veränderung hat sich jüngst wieder als richtig erwiesen, die Hoffnung auf den Erhalt des Hortes hingegen nicht, denn er wird zum Ende des Kindergartenjahres geschlossen.

„An allen Ecken und Enden ist es zu eng, da musste sich etwas ändern“, begründet Pfarrer Dr. Udo Lenzig den einstimmigen Beschluss des Presbyteriums, der Mitte Januar auf Empfehlung des Kita-Ausschusses getroffen wurde. Grund für die drangvolle Enge an der Röntgenstraße 17 im Jülicher Nordviertel war auf Wunsch des Kreisjugendamtes 2013 die Einrichtung einer dritten Kita-Gruppe, womit das Familienzentrum an seine (räumlichen) Grenzen kam, denn die Einrichtung ist ursprünglich für drei Gruppen ausgelegt. Seit 2008 nimmt die Kita auch Kinder unter drei Jahren auf.

So kam es, dass die Evangelische Kirchengemeinde als Träger der Einrichtung 2012 räumlich unter anderem mit einem Wickelraum aufstockte. Diese größeren Kapazitäten wurden aber durch die dritte Kita-Gruppe mehr als aufgefressen, und die Gemeinde stand vor der Entscheidung, ob sie weiteres Geld in die Hand nimmt, um erneut auszubauen und den vorhandenen Hortbereich zu renovieren. Man entschied sich aber für ein Zurück zur Dreizügigkeit, zumal zwischenzeitlich die offenen Ganztagsgrundschulen (OGS) im Stadtgebiet Jülich kontinuierlich ausgebaut worden sind und den Bildungspolitikern des Landes NRW daran gelegen ist, die räumliche und fachliche Verbindung von Schule und Hort zu verstärken.

In dieses OGS-Umfeld mochte der Hort des Familienzentrums nicht mehr recht passen. Nachlassende Anmeldezahlen und „ein nicht unwesentlicher Renovierungsstau im Hortbereich, den die Kirchengemeinde zurzeit finanziell nicht bewältigen kann“, wie es in einem Schreiben ans Kreisjugendamt heißt, lautete letztlich das K.o.-Kriterium. Die Hort-Schließung „ist für uns als Kirchengemeinde alternativlos“, betont Pfarrer Lenzig, dass die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen worden sei. In genanntem Schreiben mit einer noch längeren Liste an Argumenten wurde der Kreis über den Beschluss unterrichtet, den das Jugendamt übrigens bereits zu einem früheren Zeitpunkt empfohlen hatte.

Betroffen von der Schließung sind rund 15 Kinder und drei Mitarbeiterinnen, die sich die beiden Stellen im Hortbereich teilen. Sie werden aber vom Familienzentrum übernommen, Kündigungen schließt Lenzig aus.

„Man konnte nicht erwarten, dass die Eltern mit Applaus reagieren“, hat Lenzig gewisses Verständnis für den Widerstand der Erziehungsberechtigten. Um Lösungen bei der Suche nach Betreuungsplätzen zu finden, ist die Gemeinde im Gespräch mit Kreis, Stadt und Schulen. Zudem gebe es, so der Geistliche, kurz vor Toresschluss ein Bonbon: Die Betreuung der Hortkinder während der Sommerferien sei „garantiert“.

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