Europaschule: Gastlehrerin Lo stellt ihre Heimat Taiwan vor

Von: Antonius Wolters
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Lisa, ein Deutscher Schäferhund, durfte beim Familienfoto der Eheleute Kall mit Gastlehrerin Hsiu-Ching Lo aus Taiwan nicht fehlen, die sich in Inden und Langerwehe sichtlich wohl fühlte. Foto: Wolters

Inden/Langerwehe. Die Europaschule Langerwehe hat geografisch ihren Blick um eine paar Tausend Flugmeilen geweitet, denn mit Hsiu-Ching Lo hospitiert drei Wochen lang eine Deutschlehrerin aus Taiwan in der Töpferstadt.

Frau Lo wohnt während ihrer Zeit in Deutschland bei Familie Kall in Inden/Altdorf und hat so – neben den üblichen Ausflugszielen wie Aachen und Köln – auch das vom Tagebau geprägte Indeland und die hier lebenden Leute kennengelernt.

Die Vermittlung in Deutschlands Westen erfolgte über ein Austauschprogramm des Sekretariats der Ständigen Konferenz der Kultusminister für Deutschlehrer, für das sich die zierliche Asiatin beworben hatte. So kam es, dass Lo fern der Heimat ihren 46. Geburtstag feierte. Aus diesem Anlass hatte der Gast kleine Scherenschnitte als Glücksbringer angefertigt, wie sie auch beim chinesischen Neujahrsfest im Februar verwendet werden. Nun schmücken sie den Tisch mit dem Plätzchenteller. Eine Geburtstagsfeier sei in Taiwan eher ungewöhnlich, berichtete Frau Lo, die das Beisammensein aber als „sehr gemütlich“ empfindet. Das Weihnachtsfest hat in Taiwan einen eher kommerziellen Beigeschmack, auch wenn Frau Lo als Protestantin eher zu einer Minderheit gehört. Das Land ist eher vom Buddhismus geprägt, auch wenn die westlichen Religionen steigenden Zulauf haben.

Bei ihren Gastgebern hat sie unter anderem einen großen Familien-Backtag mit Weihnachtsplätzchen erlebt und rheinische Spezialitäten wie Reibekuchen und Flönz probiert. Im Gegenzug tischte Lo Spezialitäten ihrer Heimat auf – so ein Austausch geht schließlich auch durch den Magen. Zudem begleitete sie ihre Gastgeber ins Indener Rathaus, wo beide Eheleute in der Kommunalpolitik engagiert sind, und wurde dort auch von Bürgermeister Ulrich Schuster willkommen geheißen, der später noch Infomaterial vorbeibringen ließ. „Ich bin beeindruckt, dass es so transparent ist“, sagte die Taiwanerin, die neben Deutsch auch das Fach Bürger und Gesellschaft unterrichtet, nach dem Besuch einer Ausschusssitzung.

„Sie arbeitet richtig hart“, äußert sich Gastgeberin Nicole Kall anerkennend über den Einsatz ihrer Kurzzeit Kollegin, die als eine Art Botschafterin Taiwans Schülern und Kollegium Kultur, Politik und Alltagsleben im ehemaligen Formosa vermittelt. „Die Schüler sind neugierig“, berichtete Nicole Kall davon, wie die Mädchen und Jungen ihren ewig lächelnden Gast mit Fragen gelöchert haben nach Haustieren, Sport, Politik und Schule. „Das füllte locker eine Doppelstunde.“ In allen Fächern hat Frau Lo vorgetragen und in einer Doppelstunde Hauswirtschaft auch den Kochlöffel geschwungen. Dem Vernehmen nach landeten die äußerst leckeren Reste anschließend in der Lehrerküche und wartenden Bäuche.

Zu ihrem Arbeitsaufenthalt gehörte es auch, beim Tag der offenen Tür der Europaschule einen eigenen Informationsstand über Taiwan zu betreuen. Wenn die wieder daheim ist – der Rückflug ist für Samstag gebucht und dauert insgesamt mehr als zwölf Stunden – wird Frau Lo über ihre Eindrücke berichten, die sie in Deutschland gewonnen hat, insbesondere das Schulsystem, das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern und den hiesigen Unterricht.

Dass der Gast so gut Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr, denn Lo hat bis 2008 elf Jahre in Bielefeld gelebt, studiert und an der pädagogische Fakultät der Universität promoviert mit der Bestnote summa cum laude.

„Die erste Woche war noch schwer“, brauchte die Pädagogin erst noch Zeit, um sich wieder in die deutsche Sprache einzuhören, doch später, etwa beim Ausflug ins Kabarett, hatte sie keine Probleme mehr, die Gags zu verstehen und lachte an den richtigen Stellen.

Hsiu-Ching Lo ist in der Nähe der Hauptstadt Taipeh im Norden aufgewachsen und lebt heute im Süden Taiwans, das bei der Größe Baden-Württembergs insgesamt rund 23 Millionen Einwohner zählt. Da Wald und bis zu knapp 4000 m hohe Gebirgszüge die Insel zu großen Teilen bedecken, ist die Einwohnerdichte entsprechend hoch. Bekannt ist Taiwan für seine IT-Industrie, Biotechnologie, Solarbranche und als Exporteur von Obst und Gemüse.

Als typisch deutsch empfindet der Gast Sauberkeit, Ordnung – und das kalte Wetter. Kein Wunder, Taiwans Klima ist subtropisch. Im Gegensatz zu den benachbarten Philippinen, die zuletzt durch die Naturgewalten arg gebeutelt worden sind, verfügt das Land durch seine Gebirgszüge im Osten über einen natürlichen Schutz vor Taifunen. Weitere Gefahren drohen durch die häufigen Erdbeben. Dagegen sieht Frau Lo die Nähe – an der kürzesten Stelle sind es gerade einmal 130 Kilometer – zu China nicht (mehr) als Bedrohung an. Da habe sie größere Sorgen um das viel weitläufigere Tibet.

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