Jülich - Europas schnellster Computer in Jülich gestartet

Europas schnellster Computer in Jülich gestartet

Von: hfs.
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Symbolisch legten sie den „Hebel” um: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (v.l.), FZJ-Chef Achim Bachem und Forschungsministerin Annette Schavan schalteten den schnellsten Rechner in Europa frei. Foto: hfs.

Jülich. Dass Nordrhein Westfalen den Anspruch erhebt, Innovationsland Nummer 1 in Deutschland zu werden, wird immer dann herausgestellt, wenn nationale Ereignisse in den Vordergrund rücken. Im Forschungszentrum Jülich (FZJ) war es am Dienstag sogar ein Europa- wenn nicht ein Weltthema: Die Inbetriebnahme des schnellstens Supercomputers in Europa.

Der wird es, da sind sich die Wissenschaftler einig, schon bald auf Platz zwei oder drei der Weltrangliste schaffen.

„Wir in Jülich nutzen zurzeit die energieeffizienteste Computer-Technologie”, sagte Prof. Thomas Lippert, Direktor des Supercomputing Centre. In dem wurden am Dienstag gleich drei Supercomputer für die europäische Forschung eingeweiht.

„Ich habe es mir abgewöhnt, über solche Zahlen nachzudenken”, meinte NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers beim Festakt, an dem auch Prof. Annette Schavan teilnahm, Bundesministerin für Bildung und Forschung. „Eine Rechenleistung von einer Billiarde Operationen in der Sekunde sind einfach unvorstellbar.” Doch diesen Durchsatz vermag der Supercomputer namens Jugene zu bewältigen.

Der wurde fast auf den Tag vor einem Jahr auf dem Campus in Jülich installiert. Jetzt erhielt er Verstärkung, denn der zweite Rechenkoloss mamens „Juropa” schafft 207 Billionen Rechnungen pro Sekunde. Und der dritte im Bunde im Computerzentrum wurde speziell für die europäische Fusionsforschung entwickelt. Mit diesem wollen die Fusionsforscher die komplexen Mechanismen in der 100 Millionen Grad heißen Fusionsmaterie, dem Plasma, im Innern eines Fusionsreaktors besser verstehen.

„Für solche Simulationen sind Supercomputer ein unverzichtbares Instrument für die Wissenschaft”, wusste Rüttgers, als er die Frage nach dem Sinn von Supercomputern beantwortete. Finanziert werden die Rechner von zahlreichen Institutionen, Firmen und Ländern in Europa. Betrieben wird er auf dem Gelände des FZJ vom so genannten Gauss-Zentrum, dem Zusammenschluss der drei nationalen Höchstleistungszentren in Stuttgart, Garching und Jülich.

„Mit der heutigen Inbetriebnahme belegt Deutschland seinen Führungsanspruch im Supercomputing”, ergänzte Annette Schavan. Jürgen Rüttgers sagte in Richtung der vielen Ehrengäste, dass man den Jülichern nun mit dem Supercomputer ein Instrument in die Hand gegeben habe, mit der wissenschaftliche Utopien schnell in die Realität umgesetzt werden können. „Das Forschungszentrum wird mit seiner exzellenter Forschung einen großen Teil dazu beitragen.”

Dass das FZJ mit „Jugene” den Standort Europa sichert, einen unabhängigen Zugang zu einer entscheidenden Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts sichert, unterstrich Vorstandschef Prof. Achim Bachem. Er dankte insbesondere dem Bund und dem Land NRW für die „langjährige Unterstützung und dem finanziellen Einsatz”, denn mit den Ländern Baden-Württemberg und Bayern stellen sie bis 2015 insgesamt 400 Millionen Euro für den weiteren schrittweisen Ausbau des Höchstleistungsrechners zur Verfügung.

Forscher aller Fachrichtungen nutzen den Superrechner, um zu klären, wie sich zum Beispiel das Klima wandelt, die Atmosphäre sich verändert, wie neue Halbleiter funktionieren oder wie Brennstoffzellen zu verbessern sind.

„Computersimulationen liefern der modernen Wissenschaft häufig den entscheidenden Wissensvorsprung, sind für innovative Wirtschaftsbereiche ein wichtiger Wettbewerbsvorteil”, sagte die Ministerin beim Gang entlang der 72 Telefonzellen großen Schaltkästen, in denen die drei Computer rechnen, Simulationen entwerfen.

Die können zum Beispiel so komplex sein, dass auch der Supercomputer „Jugene” einmal ein dreiviertel Jahr ununterbrochen rechnen musste, bis er die Antwort parat hatte.
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