Jülich - „Es wäre besser, wenn wir uns wandeln würden”

„Es wäre besser, wenn wir uns wandeln würden”

Von: Antonius Wolters
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Vor 100 Jahren wurde die St. M
Vor 100 Jahren wurde die St. Martinus in Kirchberg erweitert: Pfarrer Dr. Peter Jöcken (l.) und Gemeindereferent Ralf Cober. Foto: Wolters

Jülich. Ein gewisses Gottvertrauen, das ja auch im Beruf hilft, sollte schon vorhanden sein in der aktuellen Situation. Dr. Peter Jöcken ist Pfarrer in der GdG „Heilig Geist” Jülich und betreut dort die Weggemeinschaft Jülich-Südwest. Für die gesamte GdG sind drei Priester sowie die beiden hauptamtlichen Gemeindereferenten Beate Ortwein und Ralf Cober zuständig.

Verstärkung ist nicht in Sicht. Pfarrer Dr. Jöcken hätte also allen Grund zur Wehklage, doch sein Credo lautet vielmehr: „Man sollte Hoffnung haben.”

Der Seelsorger setzt sich im Gespräch mit unserer Zeitung für ein neues Kirchenverständnis ein, weg vom vorherrschenden Versorgungsdenken und einer Kirche als Servicebetrieb, der von der Taufe bis zur Beerdigung die passenden Angebote liefert.

Andere Situation erlebt

Die klerikale, priesterzentrierte Kirche sei, so Jöcken, erst im Mittelalter entstanden und vor allem von der Zentrale in Rom sei diese Struktur gepflegt worden. Bei seinen Reisen nach Afrika, Asien und Südamerika habe er eine völlig andere Situation erlebt, etwa wie zwei Priester rund 60 000 Gläubige betreuen mit der Hilfe ausgebildeter Katechisten, sprich Laien.

„Es ist vor allem für kleine Gemeinden schwierig, Ehrenamtler zu gewinnen”, berichtet Gemeindereferent Ralf Cober, der auf die Angebote der Region verweist, sich etwa zum Wortgottesdienstleiter oder für den Predigtdienst ausbilden zu lassen. „Wir begleiten die Katechisten selber und lassen keinen alleine.” Cober lässt keinen Zweifel, dass sich „Ehrenamtler für die Mithilfe engagieren müssen”.

Große liturgische Formenvielfalt

Pfarrer Jöcken macht sich auch stark für andere liturgische Formen des Gottesdienstes aus der Tradition der Kirche heraus, wie Andachten, Betstunden, Prozessionen oder Wortgottesdienste, mit oder ohne Kommunionfeier. „Die Kommunion will ja, dass auch wir uns wandeln”, sieht er die Aufforderung zum Umdenken der Gläubigen auch im übertragenen Sinne als vorgegeben an.

Für eine Gemeinde, die sich als Gemeinschaft begreife, sei es sinnvoller, eine Möglichkeit zu schaffen, sich regelmässig zu treffen und auszutauschen, als den sonntäglichen Gottesdienst ganz zu streichen. „Es ist gut, wenn man sich trifft”, sei auch sinnvoller, als zu besonderen Anlässen „einen auswärtigen Priester einzufliegen”.

Das bisherige europäische Versorgungsmodell mit vielen Priestern habe sich offensichtlich überlebt. Deshalb müsse die Kirche zurück zu den Wurzeln. Menschen, die zur Versammlung (Gottesdienst) kommen, um Gott zu loben und zu preisen. Dr. Jöcken: „Da kommen wir wieder hin.”
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