Es stürmen auch schon mal Leute zu Axel Fuchs ins Büro

Von: Volker Uerlings
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Bürgermeister Axel Fuchs ist in seinem Büro selten allein. Mit Bürgerschaft und Politik will er für Jülich Ideen sammeln und ein Handlungskonzept aufstellen, das die Stadt belebt. Foto: Uerlings

Jülich. Vor etwas mehr als einem Jahr riss Axel Fuchs die Arme hoch und wurde im Neuen Rathaus gefeiert. Der Finanzbeamte hatte am 27.September sehr deutlich die Stichwahl um das Jülicher Bürgermeisteramt gewonnen und damit einen neuen Job.

Heute sieht der 48-Jährige diesen Moment als den schönsten unter vielen schönen Augenblicken in den vergangenen gut zwölf Monaten. Am 21. Oktober ist er genau ein Jahr im Amt.

Im Gegensatz zu den meisten Kollegen in dieser Position war Fuchs ein Seiteneinsteiger ohne jeden parteipolitischen Hintergrund und Erfahrung in der Ratsarbeit. Durch den Besuch fast jeder Ausschuss- und Ratssitzungen über zwei Jahre vor der Wahl hat er sich vorbereitet. In dieser Woche zog er eine Zwischenbilanz und formulierte das ein oder andere Ziel deutlicher als zuvor.

Marktplatz befahrbar machen?

„Die Innenstadtbelebung ist ein ganz wichtiges Thema. Hier kommen wir nur weiter, wenn wir nicht tabuisieren“, sagt der Verwaltungsleiter und nickt auf die Nachfrage, ob er damit die Befahrbarkeit des Marktplatzes meine. Es müsse ja nicht so werden wie früher, aber „Denkverbote bringen uns nicht nach vorn“, fügt er im Wissen hinzu, dass er damit ein Reizthema anspricht, an dem sich seit Jahrzehnten die Geister scheiden. Diese Überlegung stehe aber nicht allein. Wie die Nachbarstadt Linnich brauche auch Jülich „ein IHK“, ein Integriertes Handlungskonzept, in dem die Ziele formuliert sind, die kurz- und mittelfristig erreicht werden sollen. Ganz davon abgesehen, werden die in einem IHK dargelegten Projekte vom Land ordentlich gefördert.

Natürlich weiß der frühere Finanzbeamte um die prekäre Haushaltslage der Stadt und die hohen Verbindlichkeiten. Aber Axel Fuchs lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er dennoch gestalten will. „Wenn ich immer nur die Haushaltslage betrachte, brauche ich mir über andere Projekte keine Gedanken zu machen. Wir haben 176 Millionen Euro Schulden. Ja. Aber wenn es nach mir geht, nehmen wir für bestimmte Maßnahmen Kredite auf, weil die Zinsen so günstig sind wie nie.“

Dienstleistungszentrum?

Wie will er das bewerkstelligen in einer Kommune mit Haushaltssicherung, die nur einen Wimpernschlag davon entfernt ist, finanziell fremdregiert zu werden? „Ich werde mit den Aufsichtsbehörden sprechen, und dann sehen wir, was in dieser Hinsicht möglich ist“, sagt er und lächelt, als ob er die (positive) Antwort schon kennt. Und wofür sollen weitere Kredite verwendet werden, lautet die fast noch wichtigere Frage. „Rathaus und Innenstadt“, nennt Axel Fuchs zwei Schlagworte, „ein Dienstleistungszentrum wäre schon eine feine Sache“.

Als Verwaltungsleiter hat er das Thema Innenstadt mit ihren Problemzonen und Leerständen bereits in besonderer Weise akzentuiert. Ein neues Amt (für Stadtmarketing und Kultur) erstellt unter anderem ein Leerstandskataster. „Die Leerstände werden auch über unsere Homepage angeboten, wenn die Besitzer das wollen“, erklärt er. Das erfordere natürlich viele Gespräche mit den Eigentümern. Die führt er manchmal selbst.

Das erklärt diesen Satz: „Die Zeit ist das größte Problem.“ Bis Anfang Oktober hatte er genau 1246 Termine. „Es stürmen auch schon mal Leute ins Büro, um ihre Anliegen loszuwerden“, erzählt der Bürgermeister, der genau das angeboten hat: „Meine Tür steht offen.“ Auch auf der Straße, im Supermarkt werde er oft und gerne direkt angesprochen. Daher weiß er aus persönlichen Kontakten wohl auch, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum in der Stadt ist. Das ist ein weiteres Thema, das Axel Fuchs akzentuiert. Das interkommunale Gewerbegebiet Merscher Höhe ist ein anderes. Hier seien die Partner „auf einem guten Weg, ich bin guter Dinge, dass der Zeitplan eingehalten wird“. Dann könnten die Bagger dort 2018 loslegen.

Dass Axel Fuchs in seinem Berufsleben nicht nur Finanzbeamter, sondern auch Personalratsvorsitzender war, kann und will er nicht leugnen. „Ich mag es nicht, wenn meine Leute zu Unrecht angegriffen werden“, antwortet er auf die Frage nach den nicht so schönen Momenten seiner Amtszeit. Dazu passt auch seine Reaktion auf den Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt, die der Stadt Jülich eine hohe und vielleicht zu hohe Personalquote attestiert.

„Es laufen hier nicht zu viele Leute rum, das kann ich sagen. Und es macht hier keiner Dienst nach Vorschrift“, lautet seine Erkenntnis nach einem Jahr tiefer Einblicke in die Verwaltung. Und eine Veränderung, die der zunehmenden Digitalisierung von Dienstleistungen in den Rathäusern Rechnung tragen wird, zeichne sich ab: „In den nächsten zehn Jahren verlassen uns 60 Prozent der Belegschaft“ aus Altersgründen. Da bieten sich Möglichkeiten, die Strukturen zu verändern.

Auch Axel Fuchs macht keinen Dienst nach Vorschrift, was dem Familienmenschen manchmal zusetzt. „Wir sehen uns nicht mehr so oft wie früher – aber immer noch gern“, sagt er mit Blick auf Ehefrau und Kinder. Das ist der vermutlich einzige Wermutstropfen in seiner Jahresbilanz, denn überrascht worden sei er nicht. Wie auch, wenn er von einem „Traumjob“ spricht?

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