Jülich - Erziehungspädagogin plädiert für Bildungspartnerschaft

Erziehungspädagogin plädiert für Bildungspartnerschaft

Von: ptj
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Kurzweilig und lehrreich: Gemeinsam mit dem Publikum erarbeitet Prof. Sigrid Tschöpe-Scheffler, was wichtig ist in Erziehungsfragen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Zum Einstieg in ihr kurzweiliges und Mut machendes Referat spielte die namhafte Erziehungspädagogin und Autorin Prof. Sigrid Tschöpe-Scheffler zunächst mit dem Publikum im PZ des Mädchengymnasiums. Wie Jörg Pilawa bat sie zum „großen Erziehungstest“ mit nur einer richtigen Antwort.

Es ging um das elterliche Verhalten in der Eingewöhnungsphase des dreijährigen Sprößlings im Kindergarten. Vier alternative Antwortmöglichkeiten zielten auf das richtige Verhalten im Umgang mit dem schreienden Kind ab. Erwartungsgemäß fanden sich unter den Schülerinnen, Lehrerinnen/Erzieherinnen und (Groß)eltern Befürworter für jede Antwort.

Bauchgefühl und Verstand

Im Gegensatz zu den so genannten „Elterntrainern“ der TV-Sendung lautete das Fazit der Pädagogin: „Keine Situation ist wie die andere, man muss immer den Kontext sehen.“ So sei es nicht in jeder Situation möglich, die ersten Male beim Kind zu bleiben, und „nicht jedes Kind braucht es“.

Ein zweites (Gegen-) Beispiel war die „Super Nanny“ mit ihrem Beziehungsdreieck aus Opfer, Täter und Retter, die laut Autorin „Gott sei Dank abgesetzt ist.“ Wie Autorin und Publikum gemeinsam herausarbeiteten, gab es nicht die eine richtige Erziehung. „Bauchgefühl und Verstand ist die richtige Mischung“. Klar ist allerdings auch: „Je hilfloser und ausgelieferter sich Menschen fühlen, desto eher sind sie bereit, schnelle, fremde Lösungen zu übernehmen“.

Nun kamen die „fünf Säulen einer guten Erziehung“ ins Spiel, die Tschöpe-Scheffler schon in den 90ern mit ihren Studenten an der FH Köln als Lehr- und Lernforschungsprojekt erarbeitet hatte. Diese Säulen sind aber Idealvorstellungen, deren bildhafte Schattenbildung für die täglichen Fehler eines jeden Menschen im Leben stehen.

Die Säulen, die nur gemeinsam zum Tragen kommen, heißen Liebe und emotionale Wärme, gegenseitige Achtung und Respekt, Kooperation, Struktur und Verbindlichkeit und allseitige Förderung. Denn Disziplin gehe zum Beispiel nicht ohne Liebe und Achtung.

Die Säulen fußen wiederum auf Originaltexten von Klassikern der Pädagogik wie Janusz Korczak, Vorreiter der Kinderrechte, oder des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Wie anschließende Projekt-Interviews mit Passanten auf der Hohe Straße in Köln belegten, „gibt es ein Wissen in uns, dass mit diesen fünf Säulen arbeitet“.

Erziehungsexperten für ihr Kind seien Mutter und Vater selbst, die täglich beobachten, ausprobieren und irren, aber durch ihre authentische Antwortfindung und somit Verantwortung auch selbst wieder „in ihre eigene Kraft kommen“. Wichtig ist: „Auch, wenn du einen Fehler machst, ist dein Kind nicht gleich traumatisiert“.

Tschöpe-Scheffler betonte die Wichtigkeit der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Erziehern und Lehrern in der heutigen „institutionalen Kindheit“, die der früheren familiären Kindheit gewichen ist. Besonderen Wert legt die Pädagogin auf die Balance, etwa zwischen der nötigen Autonomie einerseits und „Bindung, Beheimatung und Wurzeln“ andererseits.

Interessant war ihre Überlegung: „Was bringt Sie zum Aufblühen?“ Denn das eigene Wohlbefinden wirkt sich massiv auf die Familie aus. Stichworte aus dem Publikum waren Interaktion, Lesen, Musik und körperliche Betätigung. Das nach dem Konzept des sogenannten „Flourishing“ nach Barbara Fredrickson wichtigste Verb „helfen“ fiel nicht. Zuspruch, Mitgefühl zeigen und Unterstützung anbieten stärke am meisten. „Habe Mut zu dir selbst. Geh deinen eigenen Weg“, zitierte die Pädagogin abschließend den großen Korczak, der die Pädagogik in erster Linie als „Lehre vom Menschen“ bezeichnete.

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