Jülich - „Erzählcafé“: Die Geschichte der Jülicher SPD

„Erzählcafé“: Die Geschichte der Jülicher SPD

Von: jago
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Erzählungen, Erinnerungen und Anekdoten: Karl-Heinz Chardin nahm die Besucher beim „Erzählcafé“ des SPD- Ortsvereins Jülich mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der SPD nach dem Krieg.

Jülich. „Als ich das Angebot zu diesem Vortrag gemacht habe, wusste ich noch gar nicht, was ich mir damit antue“, verriet der ergraute Genosse Karl-Heinz Chardin schmunzelnd zu Beginn seiner Erinnerungen an den Werdegang der SPD im schwarzen Jülich nach dem Krieg.

Zur Begrüßung der etwa 30 Gäste, die der Einladung des Jülicher SPD-Ortsvereins zum „Erzählcafé“ in das Café „Pasqualini“ gefolgt waren, verdeutlichte der Ortsvereinsvorsitzende Marco Maria Emunds die Diskrepanz „zwischen den Wenigen, die viel haben und den Vielen, die nichts haben“. Folglich liege die wirkliche Herausforderung der Sozialdemokratie noch vor den Genossen.

Man müsse auf dem Weg des Werbens für die eigene Idee wissen, wo man herkomme, leitete der Junggenosse zu den Erinnerungen seines Parteifreunds und Altgenossen Chardin über. Jahrgang 1932, waschechter Muttkrat, Sozialdemokrat zunächst auf Geheiß des Vaters und später aus tiefer Überzeugung, so stellte sich der Erzähler vor und ließ bereits in diesen knappen Aussagen erkennen, wie spannend, lehrreich und auch amüsant seine Reminiszenzen sich gestalten würden.

Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge erinnerte Chardin zunächst an die Verhältnisse um die 1900er-Jahrhundertwende, in denen beispielsweise ein Graf Eulenberg die Bemühungen um soziale Gerechtigkeit als eine „ an socialdemokratische Tendenzen anknüpfende Aufhetzung der ärmeren Klassen gegen die Wohlhabenden“ brandmarkte. In der Jülicher Region galt das damalige Bahnausbesserungswerk als Stammzelle des 1918 gegründeten SPD-Ortsvereins. Etwa 80 Prozent der Mitglieder waren dort beschäftigt, entsprechend eng war der Zusammenhalt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich Jülicher Genossen am 17. Februar 1946 im „Schützenhof“ zur ersten Versammlung, und sich als Ortsverein neu zu organisieren. Damals trafen sich die der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“ zugehörigen jungen Jülicher in einer Nissenhütte, die eher ein Provisorium als eine wirkliche Herberge war. Chardin erinnerte sich, wie stolz er war, als er 1948 erstmals mit zum Plakatekleben eingeteilt worden war.

Die Wahlwerbung zu den vielen folgenden Kommunalwahlen zog sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen. Besonders die Plakat-Slogans machten deutlich, wie erbittert, aber auch wie kreativ und manchmal unter die Gürtellinie gehend um jede Stimme gekämpft wurde.

Als sich zum Beispiel die Genossen 1956 aufmachten, die vielen Bauzäune mit ihren Plakaten zu bestücken, staunte man nicht schlecht, dass man diese als von der CDU gemietet und mit dem Vermerk „Bekleben verboten“ vorfand. Die Bevölkerung amüsierte sich laut Chardin köstlich über die daraufhin von der SPD als Kommentar angebrachten Spruchbänder „Genehmigt – SPD“.

Der lokal geprägte Rückblick war ebenfalls ein Spiegel der bundesdeutschen Politik, so mochte nicht nur Chardin die Parteinahme der Kirche nicht, die sich regelmäßig in Hirtenbriefen vor den Wahlen äußerte und ihre Schäflein mahnte, das Kreuzchen nicht bei den Sozialdemokraten zu machen.

Insgesamt gestaltete sich der Vortrag als eine kleine Zeitreise in das politische Leben und Wirken aktiver Sozialdemokraten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Voller Einsatz war gefragt, auch wenn man am nächsten Morgen um sechs Uhr am Arbeitsplatz sein musste, gingen die vielen Parteisitzungen oft bis tief in die Nacht und man blieb bis zum Ende, erzählte Chardin. „Wir stehen auf den Schultern von Riesen“, würdigte der gerade angetretene Parteichef Marco Emunds dankend das Erbe, das Chardin und seine Mitstreiter dem Jülicher Ortsverein übergeben haben.

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