Erste Bilanz: Bürgerbus auch als Sightseeingtour

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Bürger fahren Bürger – zum einjährigen Bestehen trafen sich die Mitglieder im Neuen Rathaus, wo auch Bürgermeister Axel Fuchs zum Jubiläum gratulierte. Foto: Stadt Jülich/Stein
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Mit dem ersten Jahr zeigte sich der Vereinsvorsitzende Klaus Krüger (links) zufrieden. Foto: Uerlings

Jülich. Seit einem Jahr ist der Bürgerbus Jülich im Einsatz. Nach 365 Tagen zieht der Vereinsvorsitzende Klaus Krüger eine erste Bilanz.

Ein Jahr Bürgerbus: Welche Erwartungen hatten Sie und was hat Sie überrascht?

Krüger: Wir haben erwartet, dass der Betrieb gut startet mit einem reibungslosen Verlauf und täglichem Fahrerwechsel. Das hat sich natürlich erfüllt. Wir haben auch wie erwartet Fahrgäste, auch wenn es mehr sein könnten. Der Betrieb ist also wie erwartet sichergestellt. Überrascht hat mich, dass sich nach der großangelegten Abfrage einige Haltestellen als nicht so sinnvoll erwiesen haben.

Beispielsweise war gewünscht, dass große Supermärkte angefahren werden, genutzt wurde es nicht entsprechend der großen Nachfrage. Überrascht hat mich tatsächlich auch, dass eine Fahrt mit dem Bürgerbus auch schon mal als Sightseeingtour gebucht wird.

Wie viele Personen haben Sie in dem Jahr befördert? Wie viele Kilometer sind Sie gefahren?

Krüger: Wir hatten insgesamt rund 2700 Fahrgäste, sind 32.000 Kilometer und dabei jede Haltestelle etwa 1600 mal angefahren. Den typischen Bürgerbus-Fahrgast gibt es nicht. Der Fahrgast aus dem Nordviertel, der zum Markt möchte, ist ebenso dabei wie die Rentnerin mit Rollator, die zu einer Bekannten am anderen Ende der Stadt muss.

Bewohner von Seniorenheimen besuchen sich gegenseitig, aber auch Eltern schicken ihre Kinder mit dem Bürgerbus zur Musikschule oder zum Sportverein. Befördert haben wir zu 18 Prozent Schwerbehinderte – was zeigt, dass hier enormer Bedarf ist. Schwerbehinderte mit entsprechendem Ausweis werden im Bürgerbus wie in allen anderen Nahverkehrsmitteln kostenlos befördert. Die Fahrgeldausfälle werden von der Bezirksregierung erstattet.

Wenn Sie Schwerbehinderte befördern, was bieten Sie an?

Krüger: Wir bieten Hilfe beim Einsteigen an. Rollstühle können wir nicht mitnehmen, aber Rollatoren und zusammenklappbare Rollstühle passen. Das Bemerkenswerte an den Schwerbehindertenfahrten ist, dass wir da ja keine Einnahmen haben, erst rückwirkend nach zwei Jahren kann das mit den Trägern abgerechnet werden. Aber schließlich geht es ja auch nicht um Profit, sondern darum, dass Bürger Bürger fahren.

Sind die Plätze regelmäßig besetzt?

Krüger: Nein, wie überall im Nahverkehr üblich gibt es Spitzenzeiten, so z.B. zu Marktzeiten, aber eben auch Leerfahrten. Morgens bei Fahrten zum Arzt sind oft Plätze besetzt.

Suchen Sie noch Fahrer?

Krüger: Ja, nicht so aktiv wie am Anfang, aber alle sind herzlich willkommen. Unser fester Fahrerstamm freut sich über jeden weiteren Interessenten.

Wozu dient eine Mitgliedschaft?

Krüger: Eine Mitgliedschaft im Bürgerbusverein dient der Unterstützung des Vereins, das Angebot aufrechterhalten zu können. Derzeit sind wir 55 Mitglieder, davon 36 Fahrerinnen und Fahrer. Wir sind auf Stadtfesten und mit Infoständen unterwegs, um für unsere Arbeit zu werben. Da kann man sich von der Arbeit des Vereins überzeugen, Fragen stellen – und natürlich auch jederzeit einen Mitgliedsantrag ausfüllen!

Wir freuen uns über jeden Menschen, der unser ehrenamtliches Engagement mit einem Mitgliederbeitrag von nur zwei Euro pro Monat teilt. Dazu gehören neben den Mitgliedern die Sponsoren, ohne die der Bus nicht fahren könnte.

Kann man den Bürgerbus auch außerhalb der Fahrlinie buchen?

Krüger: Nein, wir sind nach wie vor als Bürgerbus an die lizenzierte Linie gebunden.

Was kostet eine Fahrkarte? Wo kann man Fahrscheine erwerben?

Krüger: Die einfache Fahrt kostet 1,50 pro Fahrt, für 2,50 Euro fährt man hin und zurück, Kinderfahrkosten kosten 0,70 und 1,20 Euro, gezahlt wird im Bus.

Kann man nur an den ausgewiesenen Haltestellen ein- und aussteigen?

Krüger: Ja, das ist im Konzept so vorgeschrieben.

Wie finanziert sich der Verein?

Krüger: Wir finanzieren uns über den Verkauf der Tickets, Werbung auf dem Bus, Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Den im Haushalt der Stadt Jülich festgeschriebenen Defizitausgleich haben wir bisher nicht in Anspruch nehmen müssen.

Suchen Sie noch Sponsoren?

Krüger: Natürlich suchen wir die immer, denn die Kosten steigen in der Zukunft ganz sicher. Erhöhte Betriebskosten entstehen meistens nach ein, zwei Jahren und die müssen gedeckt werden.

Was erwartet den Fahrgast 2017?

Krüger: Es wird zukünftig ein Zehnerticket und ein Tagesticket geben. Vor allem aber wird die Route neu ausgerichtet. Statt im Kreis führt diese nun in Kleeblattform insgesamt viermal in das Zentrum. Der Vorteil sind mehr Flexibilität und kürzere Fahrtzeiten für den Gast, da der Bus häufiger im Zentrum ist. Der Fahrgast braucht so unter Umständen ausgehend vom Zentrum nicht einen Großteil der Tour fahren, um wieder an seinem Ausgangspunkt anzukommen, sondern kann den Teil der Tour nutzen, der unmittelbar vom Zentrum zu seinem Ziel führt.

Außerdem wird der Bürgerbus demnächst jeden Samstag und nicht mehr nur jeden 1. und 3. Samstag im Monat unterwegs sein. Der Besuch des Wochenmarktes am Samstag hat sich als beliebtes Fahrtziel herausgestellt. Gestartet wird mit der neuen Route, sobald die Lizenz der Bezirksregierung vorliegt. Geändert wurde aber nicht nur die Route, es wurden auch die Haltestellen überdacht. Einige werden wegfallen wie am TZJ, in der Victor-Gollancz-Straße oder am Aldi. Neu dazu kommen die Heckfeldstraße, Wallgraben/Berliner Straße, Nordstraße am Stadtteilzentrum, Linnicher Straße, der Propst-Bechte-Platz, die Poststraße, die Lohfeldstraße, Ulmenweg/Eschenweg, Matthiasplatz und Breslauer Straße.

Die Änderungen sind belegt durch unsere konsequent geführten Statistiken. Wir erfassen ja mit unserem technischen System alle Ein- und Ausstiege, da lässt sich faktisch belegt jederzeit ablesen, wie viele Menschen wann und zu welcher Zeit den Bus nutzen. Im Sommer haben die Menschen ja andere Ziele und Bedürfnisse als im Winter. Wir beobachten das also immer weiter und werden die Routenführung und auch Haltestellen stets weiter optimieren und den Wünschen anpassen – natürlich immer im Rahmen des Möglichen, also außerhalb der Routen und Zeiten des ÖPNV.

Warum wird nur innerhalb der Stadtmauern befördert?

Krüger: Die Route wurde in Ergänzung des ÖPNV entwickelt. Die umliegenden Dörfer sind durch Buslinien und Sammeltaxi im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien abgedeckt, auch wenn sie nicht immer allen Wünschen der Dorfbewohner entsprechen. So gern wir würden, wir dürfen nicht, denn diese Routen sind in den ÖPNV eingebunden und damit für den Bürgerbus tabu. Zwar war das in der Planung ursprünglich auch eines der Denkmodelle, aber die Gesetzeslage ist eine andere.

Woran erkenne ich denn die Bürgerbushaltestellen?

Krüger: Die sind selbstverständlich an einem schönen großen blauen Buchstaben „B“ für Bürgerbus an den Haltestellen zu erkennen.

Kann ich mit Kinderwagen oder Rollator mitfahren?

Krüger: Natürlich. Kinderwagen sind erlaubt, sollten aber klappbar sein. Kinder sind als Fahrgäste herzlich willkommen – bis zu einem Alter von sechs Jahren fahren sie sogar kostenfrei mit!

Und wo finde ich die Fahrpläne?

Krüger: Natürlich auch an den Haltestellen, aber sie liegen auch in vielen Geschäften der Innenstadt aus, in der Tourist-Information, in Arzt-Praxen, bei Bäckern, im Park, im JUFA, an den Infotheken der Rathäuser, im Krankenhaus und natürlich sind sie auch auf der Homepage der Stadt Jülich unter www.juelich.de/buergerbus einsehbar und zum Download abrufbar.

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