Erstaufnahmestelle für 1000 Flüchtlinge in Jülich

Von: Volker Uerlings
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Links dieser schmalen Straße auf der Merscher Höhe in Richtung Von-Schöfer-Ring soll eine große Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtung entstehen. Foto: Jansen

Jülich. In sechs Monaten – also mutmaßlich im Februar – soll auf der Merscher Höhe in Jülich eine der größten Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen in Betrieb gehen. Sie bietet 1000 Menschen Platz in Containern.

Das ist das erklärte Ziel der Bezirksregierung Köln, wie der Jülicher Bürgermeister Heinrich Stommel am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss informierte.

Eine vergleichbare Einrichtung findet man in der näheren Umgebung bislang nur in Köln-Chorweiler, die – ebenfalls für 1000 Personen konzipiert – nach Information der Bezirksregierung mit 820 Menschen belegt ist.

Ursprünglich war in Jülich das alte Fachhochschulgelände, das sich teilweise im Besitz des Landes befindet, von der Kölner Behörde ins Auge gefasst worden. Die Stadtverwaltung habe die Bezirksregierung „davon überzeugt“, dass das Gelände der ehemaligen Sendeanlage „besser geeignet ist als die Fläche der Alten FH“, erklärte Stommel.

Warum ist das so aus Sicht der Stadt, zumal ja für beide Bereiche große Pläne geschmiedet werden? In der selben Sitzung wurde dar­über informiert, dass sich die beiden Eigentümer des ehemaligen FH-Areals (Stadt und Land) über eine Aufteilung verständigt haben. Jülich könnte hier im Laufe des nächsten Jahres oder 2017 von seinem Teil die ersten Baugrundstücke veräußern.

Demgegenüber besteht auf der weitaus größeren Fläche der früheren Rundfunksendeanlage Merscher Höhe die Möglichkeit, dass eine Flüchtlingserstunterkunft eine zeitlang parallel zu den Planungen und ersten Arbeiten am interkommunalen Gewerbegebiet betrieben werden könnte.

Heinrich Stommel sagte, dass ein erster Ausbauabschnitt des Gewerbegebietes nicht beeinträchtigt würde – und zudem der Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung „auf rund drei Jahre befristet sein“ soll.

Die Unterkunft für 1000 Menschen ist als Containeranlage geplant. Zudem sind zwei „fliegende Bauten“, große Zelte, als Speisesäle vorgesehen, erfuhr unsere Zeitung. Nach mehreren Ortsterminen sei von Vertretern der Bezirksregierung, des Bau- und Liegenschaftsbetriebes des Landes und der Stadt eine Fläche südlich der alten Sender-Bürogebäude in Richtung Von-Schöfer-Ring ausgewählt worden, sagte Stommel.

Der Bürgermeister unterrichtete über finanzielle Folgen: „Sämtliche Kosten für die Schaffung der Infrastruktur, die Anschaffung der Container sowie die Kosten der Bewirtschaftung und Betrieb der Einrichtung gehen zu Lasten des Landes.“

Die Zahl der auf dem Gelände untergebrachten Flüchtlinge werde „auf das Kontingent der Stadt“ angerechnet. Bedeutet im Klartext, dass die Herzogstadt ab dem ersten Einzug und bis zur Kapazitätsgrenze von 1000 keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen muss. Das scheint auf den ersten Blick ein Vorteil in Form einer Atempause. Die Jülicher Sozialamtsleiterin Doris Vogel schränkte aber auf Nachfrage angesichts der großen Dynamik ein: „Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann ist das schnell passiert.“

Die Fachfrau im Rathaus strebt mit der Nachbareinrichtung einen „offenen Umgang“ an und wünscht sich, dass die Unterbringung der Flüchtlinge dort ebenso friedlich und weitgehend geräuschlos erfolgt wie bislang. Das liege aber nicht in der Hand der Jülicher Verwaltung oder des Sozialamtes, sondern des Betreibers der künftigen Erstaufnahmeeinrichtung.

André Kiese, Sprecher der Bezirksregierung Köln, sagte auf Anfrage, dass bislang nur „grobe Eckpunkte“ über die Erstaufnahmeeinrichtung in Jülich bekannt seien. Kiese: „Der Betreiber steht nicht fest. Die Container sind nicht bestellt. Die Flächen sind nicht aufbereitet.“ Alle Fragen sollen im Zusammenspiel mit der Stadt beantwortet werden. Das dürfte auch für Fragen zur Sicherheit des abgelegenen Standortes gelten. Kiese bestätigte indes, dass eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit geplant sei.

„Wir haben im Moment 50 Mietobjekte, zu denen wir ständig hinfahren müssen“, nennt Vogel eine Folge der gestiegenen Zahlen. Im Stellenplan des Sozialamtes sind genau 1,5 Stellen für die Bereiche Flüchtlinge/Asylbewerber vorgesehen – plus einer Sozialarbeiterin und 1,5 Hausmeisterstellen.

„Wir werden in Kürze Stellen für eine weitere Sozialarbeiterin und einen weiteren Hausmeister ausschreiben.“ Natürlich packen nicht nur 1,5 Beamte im Amt mit an, sondern mehr als ein halbes Dutzend. Aber die Problematik wird klar: Arbeitskraft wird knapp, Wohnraum auch. Inzwischen sind auch die eigentlich ausrangierten Wohncontainer in Güsten wieder zur Hälfte belegt...

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