Ermittlungen gegen Schloss Kellenberg-Erben eingestellt

Von: hfs.
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Das Wasserschloss Kellenberg in Barmen ist in weiten Teilen eine Brandruine und verfällt. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes als Besitzer will vorläufig nur die substanziell notwendigen Erhaltungsmaßnahmen vornehmen. Foto: Schiffer (2), Krömer (4)

Barmen. Es ist ruhig geworden in und um Schloss Kellenberg in Barmen. Dort, wo noch nicht vor allzu langer Zeit das Lachen und Lärmen der sieben Kinder der gräflichen Familie von und zu Hoensbroech zu hören war, herrscht Grabesruhe. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn der neue Eigentümer, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW, hat im Moment andere Sorgen, als das Schloss, das keines mehr ist, seiner angedachten Nutzung als Hotel- und Tagungsstätte zuzuführen. Denn weiterhin beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Wuppertal mit dem ihrer Meinung nach dubiosen Ankauf, der im Jahre 2009 über die Bühne ging.

Mit einem Großbrand, der vor 21 Jahren weite Teile von Schloss Kellenberg in Schutt und Asche legte, begann der Untergang des gräflichen Wasserschlosses, das von rund 18000 Quadratmeter Wald und Wiesen umgeben ist – und wo in früheren Zeiten, und daran erinnern sich noch viele alte Barmener Bürger, rauschende und große Feste gegeben wurden. Denn schließlich hatte der 2005 im Alter von 78 Jahren verstorbene Reinhart Graf von und zu Hoensbroech mit Maria Immaculata eine Ur-Ur-Enkelin der österreichischen Kaiserin Sissi geheiratet.

Noch heute hat die Erzherzogin von Österreich, so ihr Titel, Wohnrecht auf Schloss Kellenberg. „Wie, ob und wann die Gräfin dieses Wohnrecht ausübt, ist uns egal“, sagt Bernd Klass, Pressesprecher der BLB-Niederlassung Aachen. Denn der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat ihr im Kaufvertrag ein lebenslanges Wohnrecht auf „geschätzten“ 300 Quadratmetern Grundfläche in der Vorburg zugesichert. Obwohl, so sahen es jedenfalls die Planungen vor, nach dem Umbau des Schlosses gerade dort ein Restaurant gebaut werden sollte.

Dass die Gräfin dort tatsächlich noch wohnt, kann man sich als Betrachter des Anwesens kaum vorstellen. „Nein“, sagen Anwohner, „die Gräfin wohnt bei ihrem Sohn in der Schweiz.“ So dürfte das mit einem schweren Schloss gesicherte eiserne Tor im Turm schon lange nicht mehr geöffnet worden sein. Zuletzt wurde es möglicherweise beim Besuch des Untersuchungsausschusses des Landtages im Mai durch einen BLB-Vertreter aus Düsseldorf geöffnet, als die Politiker sich ein genaues Bild von der landeseigenen Immobilie machten, für die der BLB 3,1 Millionen Euro gezahlt hat. „Für einen Haufen Schutt“, wie seinerzeit der CDU-Landtagsabgeordnete Josef Wirtz erzürnt verkündete, als er vom Erwerb erfuhr.

Dass es bei diesem Ankauf unredlich zugegangen sei, von diesem Vorwurf sind zumindest die Erben und der von diesen eingesetzte Verwalter – es handelt sich um ein direktes Familienmitglied des Grafen Reinhart – mittlerweile befreit. „Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue und der Bestechung sind mangels Beweisen eingestellt worden. Es gibt keinerlei strafrechtliche Gesichtspunkte“, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal auf Anfrage dieser Zeitung. Denn schließlich sei es ja nicht strafbar, „bei einem Verkauf den bestmöglichen Preis zu erzielen.“ Auch wenn damit diese Akte geschlossen wurde, „die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen beim BLB laufen weiter“, sagte Staatsanwalt Meyer.

Ob das Schloss jemals seinen neuen Zweck als Tagungsstätte dienen kann, wird immer unwahrscheinlicher. „Wir führen nur noch wirklich dringend notwendige Reparaturarbeiten durch“, sagt Bernd Klass. Zum Beispiel, wenn es hineinregnen würde – durch ein Dach, das es seit 21 Jahren nicht mehr gibt. Denn nach dem Brand wurde es zum Bestandsschutz nur mit Dachpappe abgedeckt.

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