Erleichterung: Äthiopische Asylbewerberinnen bekommen Ausbildung

Von: ptj
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„Ich bin glücklich“: Kalisa Abajobir „liebt die Küche“. Sie beginnt eine Ausbildung als Hauswirtschafterin. Foto: Jagodzinska
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Hamida Mohammed fühlte sich in der Wäscherei des Altenzentrums wohler. Foto: Jagodzinska

Jülich/Inden. „Wir sind froh über die Ausbildungsplätze. Es war dringend, weil die Mädchen nur geduldet sind“. Dem engagierten Sprecherteam des Asylkreises Inden, Reiner Lövenich und Karoline Pinkert, fällt spürbar ein Stein vom Herzen. Die Rede ist von zwei ihrer Schützlinge, den der Gemeinde Inden zugewiesenen Asylbewerberinnen Hamida Mohammed (27) und Kalisa Abajobir (26), beide aus Äthiopien.

„Die beiden sind Extremfälle, weil sie nicht einfach abgelehnt, sondern als ‚offensichtlich unbegründet‘ abgelehnt wurden“, so Lövenich. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) glaubte ihnen im Anhörungsverfahren 2016 ihre Herkunftsgeschichte nicht – berechtigterweise.

Zwischen der Flucht der beiden Äthiopierinnen im Sommer 2015 und ihrer Ankunft im Dezember desselben Jahres in Inden waren sie von einem Vertrauten schlecht beraten worden und hatten Eritrea als Herkunftsland genannt – obwohl die Wahrheit sie nach Einschätzung Lövenichs weiter gebracht hätte.

Denn die beiden Frauen waren von ihren Familien verkauft, mehrere Jahre lang als moderne Sklavinnen im Haushalt reicher Araber tätig, unter anderem in Dubai. Die 18-stündigen Arbeitstage solcher Sklavinnen sind von Kindererziehung, Haushaltsführung und Gartenarbeit geprägt, oft mit (sexueller) Gewalt verbunden und werden nur sehr gering entlohnt. Hamida Mohammed und Kalisa Abajobir lernten sich im gemeinsamen Urlaub ihrer Arbeitgeber kennen und ihre Flucht gelang.

Nun haben sie die sechsmonatige Einstiegsqualifizierung (EQ) im Caritas-Alten- und Pflegezentrum St. Hildegard beendet und beginnen am 15. August gemeinsam eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Altenheim Marien-Linde in Aachen unter der Trägerschaft der Pfarrei St. Josef und Fronleichnam, während sie in Köln die Berufsschule besuchen.

Die EQ, eine Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit, dient als Brücke in die Berufsausbildung. Nach Bekunden der Asylkreis-Sprecher war sie nur möglich wegen der guten Zusammenarbeit der Caritas als Arbeitgeber und Ausbilder, der Finanzierung durch die „Agentur für Arbeit“ und der Genehmigung durch die Ausländerbehörde Düren, „von der letztendlich alles abhängt“.

Bei der Vermittlung nutzte Lövenich bestehende Verbindungen und wandte sich bei der Arbeitsplatzsuche zunächst an den Vorsitzenden des Caritasrates, Thomas Müller. Zur Ermöglichung der Einstiegsqualifizierung folgte eine Begehung des Altenzentrums durch die Landwirtschaftskammer, in deren Bereich die Hauswirtschaft fällt.

„Die beiden waren im Praktischen 1a. Die Arbeit war ihnen nicht unbekannt, beide waren schnell im Team integriert. Nur mit dem Sprechen der deutschen Sprache tun sie sich ein bisschen schwer“, fasste Ute Maurischat zusammen, die im Altenzentrum zuständig für die Qualifikation der Asylbewerberinnen war und immer mal wieder ein Vokabel-Training in die Arbeit einfügte...

In äthiopischen Dörfern gehen Mädchen nur so lange zu Schule, wie ihre Mütter sie als Arbeitskräfte entbehren können. Sie werden auch als solche verkauft oder jung (zwangs)verheiratet. Die Zwangsheirat mit einem wesentlich älteren Mann erwartete auch eine der beiden jungen Frauen. Ihr Vater hatte im Gegenzug bereits ein Stück Land erhalten. Kontakte zu den Herkunftsfamilien bestehen nicht mehr.

„Ich bin glücklich. Ich kann auch hier die Sprache lernen, wenn ich die Ausbildung mache“, sagte Kalisa Abasobir, die mit Hamida Mohammed und einer weiteren Asylbewerberin in einer Sozialwohnung der evangelischen Kirche in Inden wohnt. Kalisa, deren Muttersprache die afroasiatische Sprache Oromo ist, fühlte sich in der Wäscherei des Altenzentrums wohler als in der Küche.

Hamida, die von Hause aus die äthiosemitische Sprache Amharisch spricht, „liebt die Küche“. „Wir müssten eigentlich eine Integrationsfirma für den Asylbereich gründen“, betonte Karoline Pinkert. Zudem mangele es an Dolmetschern, einer Busverbindung nach Inden und nicht zuletzt an Geld.

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