Erdmännchengehege hat schon eine Mauer

Von: Otto Jonel
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Noch gibt die Mauer im Erdmän
Noch gibt die Mauer im Erdmännchengehege Rätsel auf. Parkchefin Dr. Dorothee Esser, Grabungstechniker Riza Smani, Tierpfleger Sven Fischer und Grabungstechniker Hans Lüdtge hoffen auf Aufklärung in den nächsten Tagen Foto: Jonel

Jülich. Mit Elan begonnen, gehen die Bauarbeiten zum späteren Erdmännchen-Gehege im Jülicher Brückenkopfzoo jetzt gerade betulich vonstatten. Eigentlich gar nicht.

Denn Riza Smani und Hans Lüdtge, die mit Schaufel und Spitzhacke zarte Bröckchen aus dem Erdwall abtragen, sind keine Bauarbeiter. Sie sind Grabungstechniker beim Landschaftsverband Rheinland und im Auftrag der Amtes für Bodendenkmalpflege, Nideggen. Ihr Auftrag ist es, den archäologischen Entdeckung zu untersuchen, der bei der Ausschachtung des Geheges gemacht wurde: Eine dicke Mauer aus Feldbrandsteinen. Die könnte aus der Zeit stammen, als der Brückenkopf Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurde.

Unmittelbar mit der Entdeckung des Mauerstücks wurden die Bauarbeiten an dem späteren Gehege eingestellt und die Stadtverwaltung informiert. Der Bagger wich dem weit zierlicherem Gerät, mit denen Archäologen vorsichtig ins Erdreich dringen. Erster Fachmann vor Ort war der Jülicher Museumsleiter Marcell Perse. Er stellte den Erstbefund. Nahezu zeitgleich wurde das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege in Nideggen informiert, von wo aus sich die beiden Grabungstechniker auf den Weg nach Jülich machten.

Vornehmliche Aufgabe der beiden ist es, den Fund aufzunehmen, zu dokumentieren, zu fotografieren und vor allem einzumessen. Letzteres ist insofern bedeutsam, um den die Mauer eventuell in Beziehung zu setzen zu anderen Bauwerken.

Die Mauer weist einige Eigentümlichkeiten auf. Der fünf Ziegelsteine breite Sockel der Mauer ruht auf einer Kiesschicht. Rein optisch gleicht der Stein dem Material, aus dem der Brückenkopf gebaut wurde. Auffällig ist, dass die Mauer nicht durchgängig ist. Sie verläuft zunächst einige Meter parallel zum Zooweg, knickt dann im rechten Winkel ab, um nach zwei Metern wieder parallel zu dem Weg zu verlaufen. Allerdings besteht zwischen dem abknickenden Mauerrest und dem dann rechtwinklig dazu verlaufenden Stück keine Verbindung. Ob diese beiden Mauerstücke zusammengehören, ist eine der zu klärenden Fragen. „Das Problem ist, dass es keine Kartierung gibt”, erklärt Park-Geschäftsführerin Dr. Dorothee Esser. Man ist also auf Vermutungen angewiesen. „Es könnte sich um eine Feldbrandziegelei handeln aus der Bauzeit des Brückenkopfs.” Denkbar ist allerdings auch, dass die Mauer zu einem Bauwerk aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehört. Zu dieser Zeit wurde ebenfalls mit ähnlichem Material gebaut.

Aufschluss werden die Untersuchungen der Techniker vor Ort und in den Einrichtungen des Bodendenkmalamtes geben.

„Abhängig von dem, was uns die Denkmalpflege empfiehlt, werden wir entscheiden, wie wir mit dem Fund umgehen”, sagt Geschäftsführerin Dr. Esser. Zumindest derzeit ist nicht daran gedacht, die Mauer komplett freizulegen, die möglicherweise unter dem Erdwall hinter den Volieren Richtung Rur verläuft. Offen damit noch, ob das Fundstück in den Gehegebau integriert wird.

Zu einer spürbaren Verzögerung des Gehegebaus kommt es durch diesen archäologischen Fund wohl nicht, schätzt Dorothee Esser. Während des „Herbstleuchtens” sollten die Bauarbeiten an dem Gehege ohnehin für zwei Wochen ruhen. Die beiden Grabungstechniker aber werden in der kommenden Woche ihre Feinarbeit fortsetzen.

Groß genug für eine stattliche Erdmannfamilie:

Das Gehege für die Erdmännchen soll eine Länge von elf Metern haben und ursprünglich sieben Meter breit sein. Die Breite wird sich durch den Mauerfund eventuell etwas verringern. Das habe allerdings keinen Einfluss auf die Unterbringung der Tiere, sagt Tierpfleger Sven Fischer, da das Gehege flächenmäßig großzügig bemessen sei.

Quasi in das Gehege hinein ragt die Sitzbank, von der aus man durch die Plexiglaswand, die das Gehege zur Publikumsseite begrenzt, buchstäblich einen Rundumblick hat.

Der Bau des Geheges soll rechtzeitig zur Eröffnung der Parksaison am 1. März 2013 vollendet sein. Einziehen werden zunächst vier Erdmännchen. Sie sollen sich fleißig zur Gruppenstärke vermehren.

Informationen über Tierpatenschaften beim Brückenkopf-Verein unter www.brueckenkopf-park.de/zoo.

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