Erdfälle in Gevelsdorf und Ameln haben die Verwaltung aufgeschreckt

Von: ahw
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Titz. Duchlöchert wie ein Schweizer Käse sind stellenweise die äußerst fruchtbaren Böden der Jülicher Börde. Der Grund ist der so genannte ländliche Kleinbergbau, der bis zu 7500 Jahre zurückliegt.

Zu diesem Thema und den wahrlich versteckten Gefahren referierte unlängst Professor Dr. Renate Gerlach, Archäologin in Diensten des Landschaftsverbandes Rheinland, vor dem Titzer Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt. Löcher und Schächte haben unsere Vorfahren gegraben, um an Löss, Lehm und Mergel - Sedimentgestein aus Ton und Kalk - zu gelangen. Als weitere „Bodenschätze” kamen später noch Sand und Kies dazu.

Gruben unzureichend verfüllt

Da in der Regel die Gruben später verfüllt wurden und die Abbauplätze auch nicht kartiert sind, geht davon eine latente Gefahr aus. So ereignete sich im September 2010 ein so genannter Erdfall auf einem Privatgrundstück in Gevelsdorf, wo eine drei Meter tiefe Grube mit einem Durchmesser von mehreren Metern entstand. Im vergangenen März brach eine weitere Materialabbaugrube in Ameln neben der Pfarrkirche St. Nikolaus zusammen, die rund zehn Meter tief senkrecht in den Boden getrieben, aber nicht ordentlich verfüllt worden war.

In beiden Fällen hatte die fatale Kombination von Wasser und Löss zum Einsturz geführt - einmal durch die Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund, im zweiten Fall durch einen undichten Teich, der samt Koikarpfen von dem entstandenen Loch förmlich verschlungen wurde.

Nach anhaltenden Regenfällen werden ähnliche „Phänomene der Lösslandschaft” aus dem gesamten Bördenbereich berichtet, wo die Mergelsgruben vor dem Aufkommen von Kunstdünger dazu dienten, den Ackerboden durch gezielte Kalkgaben zu verbessern. Dazu waren enorme Mengen an Mergel notwendig. Der wurde mittels drei bis sechs Meter tiefer Schächte und davon abgehenden Kavernen abgebaut, um der weit verbreiteten „Mergel-Pflicht” zu genügen. So zeigte Prof. Gerlach ein Foto von Adolf Krichel aus Hasselsweiler, einem der letzten Mergelbrunnenbauer.

Sogar bis zu 20 Meter tief waren die so genannten Sandbrunnen, die ebenfalls in der Region gegraben wurden.

Bisher kaum erforscht

Zu dieser sehr frühen bergbaulichen Tätigkeit gibt es nur sehr wenige zeitgenössische Aufzeichnungen oder neuere Forschungen, erläuterte die Archäologin.

Die Bezirksregierung Arnsberg sei als Bergamt zwar im Prinzip für diesen alten Bergbau zuständig, habe sich jedoch bei einer Tagung von Fachbehörden zu den Erdfällen im Titzer Rathaus nicht zuständig für die Erkundung vermuteter Mergelsgruben erklärt.

„Uns ist unheimlich geworden”, erläuterte Beigeordneter Christian Canzler den Tenor der Titzer Fachtagung und die Tatsache, dass man auf Zufallsfunde angewiesen sei. Wegen der möglicherweise fatalen Folgen, die Oberflächenteiche auslösen können, stellt er sich beispielsweise eine Anzeigepflicht für solche Mini-Gewässer vor. Dafür müsste allerdings der Landesgesetzgeber in Aktion treten.

Zudem hält er es für sehr sinnvoll, bei der Ausweisung von Neubaugebieten dort zunächst das Gelände gründlich sondieren zu lassen.
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