„Erdbeben” in der Linnicher CDU

Von: Volker Uerlings
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Vor dem Linnicher Rathaus und
Vor dem Linnicher Rathaus und derzeit bei der CDU verärgert außen vor: Bürgermeister Wolfgang Witkopp und Beigeordneter Hans Josef Corsten (r.). Foto: Jonel

Linnich. Die Linnicher CDU wird von einem politischen Erdbeben erschüttert. Vier namhafte Christdemokraten aus der Stadt lassen ihre Mitgliedschaft bis Jahresende ruhen und drohen offen mit ihren Parteiaustritten.

Zu dem Quartett gehören Bürgermeister Wolfgang Witkopp, die Ratsherren Peter Leufen und Bernd Lohmann sowie der Beigeordnete und Kämmerer der Stadt, Hans Josef Corsten. Sie alle nehmen Anstoß an einer „Zeitung der CDU für unsere Ortschaften”, deren Herausgeber die eigene Fraktion im Stadtrat ist.

Die besagte Schrift thematisiert unter anderem den Linnicher Haushalt als auch die Hallenbad-Sanierung. Von „Trickserei ohne Ende” ist zu lesen, auch von „Hochstapelei”. An einigen Stellen entspricht der Inhalt übrigens der Haushaltsrede des Linnicher CDU-Fraktionschefs Hans-Willi Dohmen, obschon sich andere Mitglieder federführend um die Druckschrift kümmern. Das brüskierte Quartett sieht die Berichte in der eigenen Zeitung als „vorläufigen Höhepunkt” einer „Kampagne gegen Ratsvertreter und Verwaltungsführung der Stadt”. Witkopp, Corsten, Leufen und Lohmann würden „verunglimpft, beschimpft und diskreditiert”. Der Brief an den CDU-Kreisverband liegt unserer Zeitung vor.

Durch die Kritik an Etat und Finanzen fühlt sich - natürlich - auch Kämmerer Corsten unmittelbar angesprochen. „Das ist total unterhalb der Gürtellinie und entspricht nicht den Tatsachen”, sagte der Beigeordnete im Gespräch mit unserer Zeitung. Er bestätigte auf Nachfrage den „Warnschuss” von vier Unions-Mitgliedern aus Linnich mit der Androhung, aus der Partei auszutreten. Corsten: „Ich möchte hören, ob das die Gesamtmeinung der CDU Linnich ist - oder die eines Einzelnen.”

Das Quartett hat die Kreispartei in Düren am Wochenende in Kenntnis gesetzt. Die Linnicher Auseinandersetzung machte dann auch gleich beim „Mitgliedertag” der Union die Runde...

Auch in der Schulfrage ist die Linnicher Partei offenbar tief gespalten, denn in der erwähnten Zeitung wird von „selbsternannten Sendboten” geschrieben, die „durch die Lande kreisen und triumphierend die Gesamtschule verkünden”. Das klingt kaum wie die Aufmunterung einer unterstützenden Parteibasis. Wie berichtet, prüfen Linnich und die Gemeinde Aldenhoven die Errichtung einer gemeinsamen Gesamtschule. Corsten, Leufen, Lohmann und Witkopp sehen das intensive Bemühen als „fast verzweifelten Versuch”, ein Schulangebot in der Sekundarstufe zu erhalten. Die Vorgehensweise der Linnicher Verwaltung werde obendrein von einem Gutachter gestützt, so das Quartett in seinem Brief. In den eigenen Reihen wird das offenbar nicht goutiert.

„Das Ganze ist nicht mehr erträglich”, wurde am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung auch Bürgermeister Wolfgang Witkopp deutlich. Er und auch der Beigeordnete Hans Josef Corsten seien zwar Wahlbeamte und beide Mitglieder der CDU, fühlten sich aber der Sacharbeit verpflichtet. „Aus den eigenen Reihen in dieser Art und Weise behandelt zu werden, musste irgendwann zu Konsequenzen führen”, sagte Witkopp weiter und verwies auf einige Äußerungen und Vorwürfe aus den eigenen Reihen auch schon vor Erscheinen der CDU-Zeitung.

Was aber muss passieren, damit das Quartett die Partei nicht verlässt? Darauf wollte Witkopp nicht antworten, denn das müsse in der Viererrunde besprochen werden.

Die miese Stimmung im Linnicher Rathaus scheint also nicht nur den Beschäftigten der Verwaltung sauer aufzustoßen, sondern auch Mitgliedern der größten Ratsfraktion (bislang 13 Mitglieder). Wie berichtet, hatte ein Gutachter letzte Woche nach einer Mitarbeiterbefragung davon gesprochen, dass die Stimmung innerhalb der Linnicher Stadtverwaltung die schlechteste sei, die ihm je untergekommen ist.

Um eine Stellungnahme bat unsere Zeitung auch den CDU-Fraktionschef Hans-Willi Dohmen. Der tat überrascht und gab an, von dem Schritt der „Parteifreunde” nichts zu wissen: „Ich habe keinen Brief erhalten.” Der Fraktionsvorsitzende erfahre das mal wieder als Letzter...

Nunmehr üben drei CDU-Mitglieder ihr Stimmrecht im Stadtrat bis auf Weiteres fraktionslos aus: Leufen und Lohmann sowie der Bürgermeister.
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