Enrichment-Umbau in Jülich dank Hochtechnologie

Von: Antonius Wolters
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Hält auch höchsten Drücken stand und ist gleichzeitig doch leicht: Das Bild zeigt einen EMS-Mitarbeiter bei der Arbeit am Standort Jülich, in diesem Fall beim Wickeln eines Druckbehälters mit Carbonfasern. Foto: EMS
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Michael Sonnen ist Entwicklungsingenieur bei EMS und Spezialist für Verbundstoffe. Foto: EMS

Jülich. Nach Fukushima und dem von der Politik verordneten Auslaufen der Nuklearindustrie in Deutschland musste sich die Enrichment Technology Company (ETC), Marktführer bei Bau und Lieferung von Urananreicherungsanlagen, am Standort Jülich neu erfinden.

Dazu sind 2013 zwei Tochterunternehmen gegründet worden: Stornetic hat ein inzwischen erprobtes Verfahren im Bereich Stromspeicherung mit Potenzial entwickelt, das elektrische Energie als mechanische Energie speichert.

Standorte in Jülich und Almelo

Die zweite Tochter ist EMS, ein deutsch-niederländisches Engineeringunternehmen mit Standorten in Jülich und Almelo, das über mehr als 40 Jahre Erfahrung in Entwicklung, Konstruktion und Fertigung verfügt. Dazu kann das Know-how von mehr als 500 Ingenieuren und qualifizierten Fachleuten genutzt werden – davon gut 200 in Jülich.

EMS liefert spezifische Teile und Dienstleistungen beispielsweise für Energiewirtschaft, Druck- und Automobilindustrie sowie Luft- und Raumfahrt.

So nutzt EMS sein Fachwissen, um hochfeste und leichte Druckbehälter zu fertigen. Die spielen beispielsweise für alternative Antriebe eine wichtige Rolle, denn die Tage der Verbrennungsmotoren sind bekanntlich gezählt. Als Alternativen steht hier neben elektrischem Strom der Antrieb mit Brennstoffzellen zur Verfügung, die Wasserstoff als „Sprit“ nutzen. Um den im Fahrzeug mitzuführen, braucht es einen Tank, der fünf bis sieben Liter Wasserstoff fasst und hochfest ist, weil er unter hohem Druck steht, und gleichzeitig leicht sein muss, um das Fahrzeuggewicht in Grenzen zu halten. Faserverstärkte Kunststoffe sind hier erste Wahl, wobei „wir schon seit Anfang der 1980er Jahre mit Carbonfasern arbeiten“, sagt Michael Sonnen, der bei EMS als Entwicklungsingenieur arbeitet.

So seien bereits Ende der 1990er Jahre leichte Druckbehälter gebaut worden, etwa für Sauerstoffgeräte von Feuerwehrleuten, die in Vitrinen des Unternehmens ausgestellt sind. Dass es hier sinnvoll ist, das Gewicht möglichst gering zu halten, leuchtet unmittelbar ein.

„Wir waren der Zeit voraus“, sagt Sonnen, der mit seinen Kollegen dabei ist, neue Geschäfte in diesem Anwendungsfeld aufzubauen, beispielsweise mit Partnern aus der Automobilindustrie. Neben mobilen Anwendungen gibt es auch stationäre, um beispielsweise Wasserstoff im großen Stil zu speichern – etwa für Tankstellen-Lösungen, für die EMS ein modulares Konzept ersonnen hat. Ein entsprechender Container besteht aus knapp 200 Carbonflaschen, die jeweils 180 Liter Wasserstoff fassen und druckfest bis 700 Bar sind.

Jahrzehntelange Erfahrung im Bereich carbonfaserverstärkter Kunststoffe (CFK) zahlt sich auch bei der Fertigung von möglichst verwindungssteifen und gleichzeitig leichten Walzen für die Druck-, Folien- und Papierindustrie aus. „Wir haben alte Kundenkontakte aufleben lassen“, weist Sonnen darauf hin, dass Druckmaschinenhersteller MAN Roland früher schon aus Jülich beliefert worden ist.

Das sei von EMS reaktiviert worden. Kohlenstofffasern, die hier zum Wickeln von Kunststoffteilen verwendet werden, sind inzwischen kostengünstiger geworden. Das Unternehmen bezieht sie unter anderem aus dem benachbarten Kreis Heinsberg. Weitere Bereiche, für die Carbon und seine Eigenschaften interessant ist, sind die Luftfahrtindustrie, Maschinenbau und Sportartikel.

Weitere EMS-Spezialitäten betreffen die Fertigung, wo beispielsweise Elektronenstrahlschweißen, Wärmebehandlungen und Lötarbeiten oder das Kaltformverfahren für Aluminium, Edelstahl und andere Metalle greifen.

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