Kreis Düren - Elsbeere: Die Rückkehr eines wertvollen Baumes

Elsbeere: Die Rückkehr eines wertvollen Baumes

Von: Guido Jansen
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Elsbeeren überall: Günter Rosenland steht auf der Elsbeerenallee auf der Sophienhöhe und hält eine Elsbeerendolde in der Hand. Foto: Guido Jansen
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Das Fruchtfleisch der Beeren wird abgetrennt, indem die Frucht zerquetscht wird. Die Kerne werden dann weiter behandelt. Foto: Guido Jansen
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Im Mammutwald sprießen junge Elsbeeren aus dem Boden. Foto: Guido Jansen

Kreis Düren. Sorbus Torminalis war so gut wie ausgestorben in unserer Region. Die Elsbeere, so heißt der Baum auf Deutsch, war zu nützlich und zu wertvoll, deswegen sind die Bestände im 19. Jahrhundert heruntergewirtschaftet worden. Das Holz arbeitet, wenn es trocknet, danach steht es sehr gut. Das sagt der Holz-Experte über die Elsbeere.

Heißt: Wenn sie nass ist, kann sie gut geformt werden, danach ist sie sehr stabil. Früher wurde es für den Bau von Radnaben genutzt, noch heute ist es als Material für Holzblasinstrumente sehr gefragt. „Deswegen gab es am Ende des 19. Jahrhunderts keine Elsbeeren mehr bei uns“, sagt Günter Rosenland, der RWE-Revierförster, dessen Lebenswerk das Aufforsten der Sophienhöhe ist. In Rheinland-Pfalz sei der Baum noch heimisch.

Vor fast 30 Jahren hat Rosenland einige wenige Elsbeeren gefunden. Sein Vorgänger Karl-Heinz Prichal hatte ein sogenanntes Quartier der damals seltenen Bäume anpflanzen lassen. Das war der Anfang des großen Comebacks des Baumes auf und um die Sophienhöhe herum.

Prägende Baumart

Heute ist die Elsbeere eine der prägenden Bäume auf dem Berg, der aus einem Tagebau entstanden ist. Es gibt sogar eine Elsbeerenallee auf der Sophienhöhe. Mittlerweile, nach mehreren 1000 gepflanzten Bäumen, ist die Population so stark, dass sie sich auf natürliche Weise fortpflanzt. „Wir haben hier sicher eines der größten, wenn nicht das größte Elsbeeren-Vorkommen in NRW“, sagt Rosenland. Und das nach einem Anfang fast bei Null.

Anfang Oktober war Erntezeit. Die Elsbeere gehört zu den Kernobstgewächsen, genau wie Äpfel und Birnen. Für den Menschen ist sie nicht schädlich, aber erstens nicht lecker, weil bitter, und zweitens nicht ergiebig. Sie ist kleiner als eine Blaubeere, außerdem fällt sie nicht vom Baum ab. Für die Vögel an der Sophienhöhe ist die Beere im Moment allerdings eine Delikatesse. Die Mitarbeiter einer Baumschule aus dem Koblenzer Raum haben einen Teil der Bäume in den vergangenen Tagen abgeerntet.

Rosenland will den Bestand weiter aufforsten. „Das hat zuerst keine wirtschaftlichen Gründe, es geht um den Erhalt der Art. Und für die Vögel ist die Beere wichtig“, erklärt der Förster. Dass das Holz sich gut vermarkten lasse, sei ein nachgeordneter Nebeneffekt, der ohnehin erst ein, zwei Förstergenerationen später eintritt.

Die Ernte musste sein, bevor die Früchte überreif sind und für Vögel interessant werden. In der Baumschule werden die Beeren auf dem Boden ausgebreitet, um dort drei Wochen nachzureifen. Dann wird das Fruchtfleisch abgetrennt, indem die Beeren in einen Jutesack gepackt und darin zerquetscht werden, die Kerne werden anschließend ausgewaschen. Bis Mitte Dezember trocken die Kerne, dann werden sie für drei Wochen in 18 bis 20 Grad warmen Sand gelagert, danach für acht Wochen in einem Kühlhaus bei einem Grad. Kaltstratifizierung heißt dieser Prozess. Danach sind die Kerne keimfähig und werden gesät. Wenn sie ausgetrieben haben, kehren sie als kleine Setzlinge zurück auf die Sophienhöhe.

Die überschüssigen Samen werden für ein bis zwei Jahre eingefroren, für den Fall, dass die Vögel nächstes Jahr schneller sind und dem Aufforstungsprogramm das Material wegfressen. Denn noch funktioniert das natürliche Fortpflanzen noch nicht so, dass es den Bestand alleine sichern kann. Bei der naturnäheren Methode spielen Vögel eine entscheidende Rolle. Sie fressen die überreifen Beeren und scheiden die Kerne aus. Daraus entsteht neues Leben. So wie im Mammutwald, oben auf der Sophienhöhe in der Nähe des Gipfelkreuzes. Da sprießen kleine Elsbeeren aus dem Boden.

„Das ist ein wirklich toller Baum“, schwärmt Günter Rosenland. Gerader Stamm, wertiges Holz, Nahrung für Vögel und ein guter Nachbar beispielsweise für Eichen. Die Elsbeere ist Günter Rosenland ans Herz gewachsen, genau wie seine Lebensaufgabe, die Sophienhöhe aufzuforsten. Wenn er im nächsten Jahr in Pension geht, dann hinterlässt er eine Keimzelle für die Rückkehr der Elsbeere, vielleicht sogar über die Sophienhöhe hinaus.

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