Einsatzkräfte im Jülicher Land: Damit alle gesund ins neue Jahr kommen

Von: Maria Pakura
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Hat die Stadt im Blick: Stefan Fahnert verbringt den Jahreswechsel auf der Leitstelle der Jülicher Feuerwehr. Foto: Pakura
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Die Ruhe vor dem Sturm: Notdienste in Linnich sind für Laura Sander (v.l.), Nadin Ababneh und Magdalena Bader oft arbeitsreich. Foto: Pakura
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Auch an Silvester: Dagmar Timmermanns koordiniert die Arbeit der Jülicher Notfallpraxis. Foto: Pakura

Jülicher Land. Eine ruhige Nacht: Was für die meisten Feiernden an Silvester nach gähnender Langeweile klingt, war für einige Menschen im Jülicher Land ein inniger Wunsch. Sie waren im Einsatz, damit alle anderen gesund und unbeschadet ins neue Jahr kamen – 24 Stunden am Stück.

Wie Dr. Magdalena Bader: Die 30-Jährige Chirurgin hatte von 10 Uhr bis 10 Uhr am nächsten Morgen im St.-Josef-Krankenhaus in Linnich Dienst, zum ersten Mal an Silvester. „Dass wir an Feiertagen arbeiten müssen, ist ganz normal“, zeigte sie sich entspannt, „für mich ist der Jahreswechsel nicht so stark emotional geladen wie etwa Weihnachten, deswegen bin ich froh, dass ich heute hier bin.“

Ihr bald einjähriger Sohn und ihr Mann rutschten derweil allein ins neue Jahr. Genau wie die Partner von Laura Sander, der diensthabenden Schwester, und Nadin Ababneh, die als Internistin ebenfalls in 24-Stunden-Bereitschaft vor Ort war. Die drei Frauen hofften, es sich Mitternacht ein bisschen nett machen zu können, mit selbst mitgebrachtem Buffet und alkoholfreiem Sekt. „Es kommt vor, ist aber selten, dass es an Feiertagen nicht hoch her geht“, sprach die 33-jährige Sander aus Erfahrung, „wahrscheinlicher ist, dass sich insbesondere später die Fälle mit stark alkoholisierten Personen häufen.“ Ist übermäßiger Alkoholgenuss das einzige Problem, fallen die Patienten in die Zuständigkeit der 27-jährigen Ababneh.

Problem Alkohol

Sie arbeitet gern hier, erzählte sie, ob Feiertag oder nicht, aber „wenn stark alkoholisierte Patienten aggressiv werden, bleibt uns nichts übrig, als uns erst einmal in Sicherheit zu bringen – Selbstschutz geht vor“. Und nein, das sei leider keine Ausnahme, sagte Sander: „Erst vor wenigen Tagen habe ich bei einem Nachtdienst die Polizei rufen müssen.“ Fahren die Beamten dann aber gerade einen Einsatz und können nicht herbeieilen, bleibt nur Erfindungsreichtum.

„Und das, was wir im Deeskalationstraining lernen“, fügte Bader hinzu. Sie ist zuständig, wenn zum Beispiel offene Wunden genäht werden müssen. „Dass wir uns speziell auf eine Nacht wie Silvester vorbereiten, kann man aber nicht sagen“, wies sie darauf hin, dass „man zwar nie weiß, was als Nächstes passiert und auf alles vorbereitet sein muss“, aber letztlich gelte das für jeden Dienst.

Das bestätigte Dr. Monika Hendrix, die mit ihrem Mann Jörg, beide Allgemeinmediziner, in der Notfallpraxis Jülich vor Ort war. „An Weihnachten oder Silvester hat aber niemand gern Dienst, denn das sind klassischerweise die Nächte, in denen sich Suizidgedanken häufen und es zu entsprechenden Anrufen kommt“, weiß sie aus Erfahrung. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, sind die Ärzte nach Mitternacht allein. „Deswegen ist wichtig, nach 23 Uhr immer vorher anzurufen, wenn ein Besuch hier notwendig wird“, erklärte Dagmar Timmermanns, die als leitende medizinische Fachangestellte den Abend über das Telefon bedient und die Einsätze koordiniert.

„Relativ häufig rufen nämlich auch ältere oder gehbehinderte Menschen an, die ärztliche Versorgung benötigen, so dass die Ärzte auch Hausbesuche machen. Es kann also vorkommen, dass die Notfallpraxis kurzzeitig nicht besetzt ist – und wenn ich nach Mitternacht nicht mehr hier bin, bedeutet das, dass Patienten, die unangemeldet kommen, unter Umständen vor verschlossenen Türen warten.“

Außergewöhnliches falle in einer Nacht wie dem Jahreswechsel nicht an, „das Übliche in der kalten Jahreszeit wie Magen-Darm-Infekte, Virusinfektionen, dergleichen, und eben tatsächlich viele Anrufe aufgrund von Selbstmordgedanken“, fasste die 36-Jährige zusammen. Sie hatte also gute Chancen, schon in den ersten Minuten des neuen Jahres ihren Mann und ihre beiden Töchter (vier und acht Jahre alt) in die Arme zu schließen.

Seine zwei Kinder und seine Frau sehen konnte Stefan Fahnert erst am Neujahrsvormittag. Zumindest persönlich. „Meine Große meldet sich später sicher noch per Facetime“, war er sicher, als das neue Jahr noch gut drei Stunden entfernt war. Zu diesem Zeitpunkt saß er in der Jülicher Feuerwache. Der Oberbrandmeister hatte 24-Stunden-Dienst – wie jede Woche zweimal, nur eben diesmal an Silvester.

„Nicht zum ersten Mal“, lächelte der 38-Jährige. Seit 15 Jahren ist er in diesem Beruf tätig. Bevor er zur Wache Jülich wechselte, arbeitete er in Köln. „Das war eine andere Nummer“, dachte er zurück an unzählige Einsätze, auch im Rettungsdienst. In einer Großstadt sei Silvester „ziemlich krass“, in Jülich hingegen standen die Chancen gut, dass er sich nicht allzu spät in dem Sieben-Bett-Schlafraum hinlegen können würde.

„Die Alarmierungen laufen ja zentral in der Leitstelle Stockheim ein, nicht hier. Natürlich ist an Silvester durch die Feuerwerkskörper die Wahrscheinlichkeit höher, dass es irgendwo brennt, aber ich fahre dann nicht raus. Ich bin hier, um den Dienstbetrieb der Freiwilligen Feuerwehr aufrechtzuerhalten, und bin quasi die Schnittstelle zwischen städtischen Diensten, insbesondere zum Ordnungsamt.“ Freilich, würde etwas Großes passieren und die Leitstelle würde die Koordination vor Ort an Jülich abgeben, wäre es mit der Ruhe vorbei. „Aber das wollen wir nicht hoffen“, sprach Fahnert allen aus dem Herzen, die in dieser Nacht im Dienst waren.

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