Opherten - Einsatz für hilfsbedürftige Tiere

Einsatz für hilfsbedürftige Tiere

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Die etwas andere Großfamilie in Opherten gefällt Tierschützern, ist aber so manch einem Landbewohner ein Dorn im Auge: Das Rudel im Hause Beck/Lexen ist wohl weit und breit einzigartig, zumal einige Wolfshunde dazu gehören. Foto: Jagodzinska
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: Die etwas andere Großfamilie in Opherten gefällt Tierschützern, ist aber so manch einem Landbewohner ein Dorn im Auge. Foto: Jagodzinska
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: Die etwas andere Großfamilie in Opherten gefällt Tierschützern, ist aber so manch einem Landbewohner ein Dorn im Auge. Foto: Jagodzinska
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Ein original „Isegrim“. Foto: imago
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Freu(n)de im Wohnzimmer: Anne Beck, Tom Lexen, acht Hunde und nicht zu vergessen: Kater Fritz.

Opherten. Anne Beck (41) und „Wolfsfreak“ Tom Lexen (48) aus Opherten brauchen keine Türklingel. Acht Hunde schlagen an, wenn Besuch Einlass begehrt. Ihr „Chef“ Speedy ist ein zehn Jahre alter, schwarz-weißer Dogo Argentino. Die Vierbeiner begrüßen die Gäste liebevoll und ein wenig neugierig. Hat sich die erste Aufregung gelegt, nehmen die Hunde gerne bei den Zweibeinern auf dem Sofa Platz und zeigen sich sogar schmusebereit, wenn die Chemie stimmt.

Neben Speedy nennen die Tier- und Naturschützer drei Wolfshunde ihr eigen: Die viereinhalbjährigen „Marxdorfer Wolfshunde“ und Vollblutgeschwister Shaggy und Maylo sowie die eindreivierteljährige tschechoslowakische Wolfshündin Dina, in der „ganz viel Wolf steckt“. Dazu gesellen sich vier schwer vermittelbare Pflegehunde als vorübergehende Gäste, darunter zwei „Mudis“, ungarische Hütehunde aus der „Hundehölle von Sopron“, einer unter ihnen ist blind.

„Meine Hunde waren meine besten Lehrer“, sagt Anne Beck. Neunter Vierbeiner im Hause ist Kater Fritz, der wie auch alle Hunde aus der Not gerettet wurde – die Samtpfote wurde halb erfroren im Winter auf der Straße aufgegriffen. „Rudelführer“ sind natürlich Anne und Tom, darüber herrscht Einigkeit in dem geräumigen Altbau in der Bergstraße.

Nicht zuletzt gehören die Kinder Niclas (17) und Stella (12) zu der großen Familie, die auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich scheint: Tom Lexen, der im Objektschutz des Jülicher Forschungszentrums seine Brötchen verdient, ist bärtig, kahlgeschoren und tätowiert. In Verbindung mit den Wolfshunden ist er ein beliebtes Ziel vorurteilsbedingter Aktionen. Dabei sind Schrauben in den Autoreifen und über Nacht „gewachsene“ Beulen und Kratzer in der Karosserie nur ein Beispiel diverser Aggressionen.

Als seine Anne einmal nach dem Verladen eines geretteten Hundes unfallbedingt ein blaues Auge zur Schau trug, stand der vermeintliche Verursacher in den Augen einiger Landbewohner natürlich gleich fest. Dabei sind beide kommunikativ und entgegenkommend. Tom Lexen ist das Gegenteil eines aggressiven Schlägers. „Unter Ausländern groß geworden“, fühlt er eine Affinität zu Wölfen und Indianern und deren spiritueller Religion. Gott bedeutet für ihn die „komplette Natur“.

Anne Beck ist seit 1990 im Tierschutz „Tierisch in Not“ aktiv und führt seit 1996 eine Hundeschule, zunächst in Hessen, heute in abgespeckter Form in Opherten. Zu ihrem Angebot zählen weiterhin Antijagdtraining, Leinenaggressions- und Rückruftraining.

Listenhund Speedy, der unter Arthrose und diversen Krebsgeschwüren leidet, ist offiziell als Therapiehund im Einsatz und hat als letzte große sportliche Wettkampfleistung den Deutschen Meistertitel im Flyball errungen. Die Sportart ist nach dem Windhunderennen der schnellste Sport für den besten Freund des Menschen. Maylo, ein vierbeiniger „Onkel zum Spielen für verhaltensauffällige Hunde“ ist im selben Sport Europa- und Deutscher Meister.

„Keiner hat sich die Mühe gemacht, uns kennenzulernen“, bedauert Anne Beck. „Wir können ohne Leine im Feld Gassi gehen. Kein Hund jagt, und keiner verlässt den Weg“, betont sie. Tauchen irgendwo Spaziergänger mit oder ohne Hunde auf, weicht sie ihnen möglichst aus. Besteht dazu keine Gelegenheit, bleibt sie stehen und weist ihre Hunde durch das witzige Kommando „Online“ an, sich anleinen zu lassen, was diese umgehend akzeptierten.

Regelrecht bedroht

„Wenn ich Sie auf diesem Weg noch einmal sehe, dann wird es das letzte Mal gewesen sein“, hatte sie ein Ophertener Landwirt regelrecht bedroht. Ein Jäger, der seinen Greifvogel auf freiem Feld trainierte, wo Anne Beck ihre Hunde spazieren führte, versprach ihr, sie „unter Beobachtung“ zu behalten. Ihren 780 Quadratmeter großen Garten dürfen die Hunde ebenfalls nicht mehr nutzen, weil die Nachbarn Schafe halten.

Dabei wäre die friedliche und geschulte Hundeschar sicher keine Gefahr für die Schafe, sagen sie. Anne Beck und Tom Lexen drängen sich niemandem auf und „wollen nirgendwo rein“, sondern lediglich in Ruhe und vorurteilsfrei ihr Leben leben. Hierzu gehören ganz selbstverständlich auch von großer Not bedrohte Vierbeiner. Sie haben sicher dasselbe respektvolle Entgegenkommen verdient, das sie anderen erweisen.

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