„Einmal Bali und zurück“: Ein Landstreicher als unechter Kapitän

Von: ptj
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Der „unechte“ Kapitän (Rolf Speen) lässt die Hosen runter: Er will das Handtuch werfen, sehr zum Entsetzen seines Ersten Offiziers Hans Hansen (Maik Boltes l.). Foto: Jagodzinska
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In der „Kolumbus-Bar“ geht es drunter und drüber: „Zäpfchen“ alias Dr. Inga Zapf (Hannah Jansen) kümmert sich um einen Fall von Alkoholvergiftung. Rechts im Bild ist Landstreicher Sigi (Rolf Speen) zu sehen, der später in die Kapitänsuniform schlüpft. Foto: Jagodzinska

Jülich. Dreimal ausverkauftes Haus und ein begeistertes Publikum ist ein großer Erfolg für die „Gesellschaft Frohsinn Stetternich“, die mit der viel beklatschten Komödie „Einmal Bali und zurück“ von Bernd Spehling gleich zwei Premieren feierte.

Schweren Herzens hat die Gesellschaft ihre geliebte Bürgerhalle in Stetternich verlassen, um nunmehr im Saal des KuBa zu spielen und veränderte in einem Zug ihr Konzept. Theater und Gesangselemente sind nicht mehr eigenständige Einheiten, sondern in einem Projekt zusammengeführt.

Zum wiederholten Mal harmonierten das ausdrucksstarke Damenquartett „Tonalita“ mit dem neunköpfigen und vierstimmigen Stetternicher Männerchor. Regie führte Angelika Ponten-Drzewiecki, die musikalische Leitung am Klavier hatte Inge Duwe inne. „Wir haben alles mitgebracht, was wir haben, um heute mit Ihnen auf große Reise zu gehen“, begrüßte Vereinsvorsitzender Wolfgang Schulz die erwartungsfrohen Gäste. Klangvoll interpretierten die Chorstimmen „Fly with me“ aus der Filmmusik „Wie im Himmel“, das Nebelhorn ertönte und die „MS Luxor“ legte ab in Richtung Bali.

Kurz vor seiner überfälligen Frühpensionierung steht der kaum mehr zurechnungsfähige Kapitän Claus Claaßen (Rudi Muschalek) an der Spitze der Crew. Während er sich aber mit der verheirateten Passagierin Sabine Hübner (Petra Vallentin) in einem Rettungsboot auf dem Meer der Liebe und dem Verzehr von Sekt und Erdbeeren hingibt, wird an Bord händeringend ein neuer Kapitän gesucht. In schmucker Kapitänsuniform soll dieser zur Beruhigung der Passagiere die offiziellen Termine wahrnehmen – wenn auch nur zum Schein.

Für geeignet befinden der Erste Offizier Hans Hansen (Maik Boltes) und Barkeeper Roger (Sascha Massmann) den vermeintlichen Landstreicher „Sigi“ mit seiner stattlichen Statur. Die Doppelrolle als ungebildeter Landstreicher und „echter“ Kapitän war mit Rolf Speen ideal besetzt. Er begeisterte das Publikum zunehmend mit derben kölschen Aussprüchen, unpassendem Benehmen, handgesponnenem Seemannsgarn und gelungenen instrumentalen Einlagen.

Während sich die alleinreisenden Kreuzfahrerinnen Trude (Klara Durst), Brigitte (Sandrine Cowling) und Alwine (Adriane Kayser) von ihm als Landstreicher peinlich berührt fühlen, reißen sie sich hingegen um seine Zuwendung in seiner Rolle als Kapitän. Toll inszeniert waren etwas nachgestellte Filmszenen aus „Titanic“ zum gleichnamigen Musikstück. Für eine zunehmende Verkettung der Umstände sorgen nicht zuletzt der betrogene Ehemann Gernot Hübner (Meinhard Bock) und Bordärztin „Zäpfchen“ alias Dr. Inga Zapf (Hannah Jansen), deren Arzt-Patienten-Beziehung sich im Sektrausch wandelt.

Barkeeper Roger fasst die chaotische Situation im „schwimmenden Irrenhaus“ kurz vor deren verblüffender Auflösung so zusammen: „Der echte Kapitän wird für irre gehalten. Der unechte Kapitän ist ein dahergelaufener Landstreicher und wird vom Ehemann verfolgt. Und man hat nicht das Gefühl, dass das Schiff irgendwann einmal von irgendwem irgendwohin gelenkt wurde...“ Eine Zuhörerin brachte die Begeisterung auf den Punkt: „Sie spielen mit soviel Herzblut. Sogar die Kinder haben Spaß“.

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