Jülich - Einfühlsam: Lutz Görner verbindet Lesung mit Musik

Einfühlsam: Lutz Görner verbindet Lesung mit Musik

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Lutz Görner und Nadia Singer begeisterten das Publikum in der Schlosskapelle. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. In seiner unnachahmlichen eleganten Weise verband Lutz Görner auch diesmal in der Jülicher Schlosskapelle Lesung mit Musik. Mit fast missionarischem Engagement legte er den Zuhörern die Musik eines Komponisten ans Herz, dessen Werke – oft verkannt – leider selten zu Gehör kommen.

Meyerbeer wurde als Kind reicher jüdischer Eltern als Jakob Liebmann Meyer Beer am 5. September 1791 geboren und genoss in seiner Kindheit und Jugend große Förderung seiner Talente. Schon früh glänzte er als Pianist und Komponist. Bekannt wurde er als Giacomo Meyerbeer vor allem mit den Opern aus seiner Pariser Zeit, die im französischen Stil entstanden.

„Robert le Diable“ (1831) und „Les Huguenots“ (1836) wurden Welterfolge und spielten hohe Summen ein. 1842 ging Meyerbeer als Generalmusikdirektor nach Berlin, wo seine weiteren großen, prunkvollen Opern mit historischem Hintergrund entstanden: „Ein Feldlager in Schlesien“, „L´Africaine“ und „Prophète“.

Die biografischen Elemente seines Vortrages schmückte Görner mit amüsanten Episoden und persönlichen Details aus dem Leben des Komponisten aus, so dass auch dieser Part durchaus unterhaltsam war. Die Zitate aus den Briefen Heinrich Heines verstärkten diesen Effekt. Sie bargen wichtige Informationen über die gesellschaftliche Konstellation der Zeit, waren durchaus auch gesellschafts- und regimekritisch.

In seiner Verehrung für Meyerbeer stellt Heine oft groteske Vergleiche mit anderen Komponisten an, die er dann fast persifliert. Diese Zitate vermittelte Lutz Görner mit großer Schauspielkunst und ließ den Briefschreiber fast persönlich erscheinen. Er traf den liebevollen Ton des Briefschreibers und vermittelte lebendig dessen Gefühle und Intentionen.

Offenbarung

Die musikalische Seite Meyerbeers jedoch stand im Mittelpunkt der Zitate. Lutz Görner gelang es vortrefflich, die lyrisch romantischen Kompositionen, in denen deutsche, französische und italienische Stilelemente verarbeitet sind, dem Publikum nahezubringen. Er wollte wie Heine schreibt, „das Wesen der Musik ist Offenbarung“ auch die Schönheit der Musik Meyerbeers dem Publikum offenbaren.

In Vollendung gelang dies durch die hervorragenden Beiträge der Ausnahmepianistin Nadia Singer. Dank der Kompositionen von Franz Liszt, der viele „Réminiscences“, Erinnerungen an Früheres, schrieb, wurden seine Kompositionen an diesem Abend für das Publikum zum Hörerlebnis. Sie entwickelte orchestrale Klangfülle, machte die Stimmungen und Inhalte der Opern wie in der Programmmusik hörbar. Ihr gelangen sowohl die lyrisch zarten Passagen wie auch die furios klangvollen in Perfektion.

Die Fantasie aus den Hugenotten in ihrer Klangfülle und „Chaeur pastoral, Appel aux armes“ waren ebenso wie das Schlittschuhläuferballett, ein Virtuosen Stück voller Staccato-Passagen, Glissandi und Oktaven, blendende Beispiele der Kompositionskunst Meyerbeers.

Extreme technische Anforderungen stellten auch die Cavatine und der Nonnenwalzer aus „Robert der Teufel“. Die Kontrapunktierung der Arie des Bertram mit dem Tanz der Nonnen, die aus ihren Gräbern aufstehen, führt zu einem virtuosen Höhepunkt von wilder Schönheit. Nadia Singer war die ideale Interpretin dieser gewaltigen Kompositionen, die höchste technische und musikalische Perfektion verlangen.

Durch die Worte Heines, vorgetragen von Lutz Görner mit der Ausdruckskraft seiner markanten Stimme und verstärkt durch seine Schauspielkunst, die Transkriptionen von Franz Liszt und die Virtuosität der Pianistin Nadia Singer hatte das Publikum das Vergnügen, mit einem Komponisten Bekanntschaft zu machen, dessen Werke zu Unrecht so selten gespielt werden.

Begeisterter Applaus, gepaart mit Bravorufen dankten Lutz Görner und Nadia Singer für einen interessanten Abend mit Briefauszügen von Heinrich Heine und der Musik von Giacomo Meyerbeer.

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