Eine Radtour des Mutes gegen das Tabuthema Depression

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Radeln für den offenen Umgang: In Jülich gab es eine Etappen-Pause. Der Smiley vor dem Gesicht eines Teilnehmers repräsentiert Betroffene, die Angst vor Stigmatisierung haben. Auch wer lacht, könne unter einer Depression leiden. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Depressionen sind keine Seltenheit, im Gegenteil: Sie können jeden treffen. Dennoch ist die Erkrankung mit einem Tabu belegt. Damit sich das ändert, radeln Betroffene und Nicht-Betroffene in einer Mut-Tour durch Deutschland.

Sie wollen auf das Problem der Stigmatisierung aufmerksam machen, werben für Offenheit im Umgang mit der Erkrankung. Das Projekt findet von Mai bis August statt, teilt sich in acht Mini-Touren von jeweils vier Tagen auf. Die Streckenführung verläuft von Bremen ausgehend nach München, von der Lutherstadt Wittenberg nach Lübeck bis Westerland. Die Gesamtlänge ist 1800 Kilometer. Auf der Etappe von Münster nach Aachen legte die Gruppe einen Stopp in Jülich ein.

Nicht als Einzelkämpfer, sondern in Zweier-Teams auf drei Tandems kam die Gruppe am Schwanenteich an. Vier Tage verbringen die Sechs gemeinsam. Sie sind bunt zusammengewürfelt, stammen aus Berlin, Bremen, Köln, Hildesheim und dem Münsterland, fahren täglich 55 Kilometer. Geschlafen wird in Zelten.

Ideengeber und Initiator Sebastian Burger ist mit dabei. Auch er litt vor einigen Jahren unter depressiven Stimmungen, konnte sich aber mit Hilfe von selbst auferlegter Tagesstruktur und regelmäßiger Bewegung in der freien Natur helfen. Er setzte sich mit dem Thema auseinander, stellte fest, dass Betroffene oft ihren Arbeitgeber nicht über ihre Erkrankung informieren, da sie eine Stigmatisierung fürchten.

Das war der Auslöser für die Idee einer gemeinschaftlichen Radtour, einem sportlichen Anti-Stigmatisierungs-Projekt. Projektträgerin ist die Deutsche Depressions Liga, Veranstalter der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Landesverband Bremen. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt von der Techniker Krankenkasse und der Deutschen Rentenversicherung.

2012 startete die erste „Mood-Tour“, ging drei Monate lang quer durch ganz Deutschland. 2015 wurde das Projekt in „Mut-Tour“ umgetauft. Wer gegen ein Stigma kämpfe, brauche Mut.

Unter den Teilnehmern befinden sich Menschen mit Depressionserfahrung und ohne. Sie fürchten negative Folgen, falls sie sich outen. Um das zu ändern, machen sie sich stark: „Unser Ziel ist, in zehn bis fünfzehn Jahren soviel Offenheit erreicht zu haben, dass es genauso normal ist, zum Psychotherapeuten zu gehen wie zum Physiotherapeuten“, sagt Sebastian Burger. Die Aktion sei aber kein therapeutisches Unterfangen, sondern als präventive Maßnahme gedacht oder für Menschen, die über den Berg seien.

Teilnehmer werden noch für weitere Etappen gesucht. Kontakt: Sebastian Burger, kontakt@mut-tour.de; Telefon 0177/4903033.

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