Jülich - Eine neue Ära „Kaiserhof”

Eine neue Ära „Kaiserhof”

Von: Otto Jonel
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Ein gut sortiertes Frühstück
Ein gut sortiertes Frühstücksbüffet ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor, wissen Daniela Loche-la Greca, Reinhard Steiner und Majid Kazemian (v.l.). Foto: O. Jonel

Jülich. Spätestens mit den Malerarbeiten an der Fassade, war klar: Irgendwas hat sich getan an, in und mit dem „Kaiserhof”, der Jülicher Gastronomie- und Hotelgröße am Schwanenteich. Hat es in der Tat: „Am 1. Mai war die Sache perfekt”, sagt Reinhard Steiner.

Seit dem Tag der Arbeit ist die Rurbau GmbH Jülich Besitzer des „Kaiserhof” - und der Rurbau-Geschäftsführer ist seither zweitberuflich Hotelmanager, manchmal zusätzlich Nachtportier.

Passt schon

„Das passt schon in unser Portfolio. Immobilie ist schließlich Immobilie”, reagiert Steiner auf die hochgezogene Augenbraue, dass der 2007 gegründete operative Arm der Wohnungsbaugenossenschaft Woge sich ein Hotel zulegt. Ein Hotel mit Gastronomie, das im Übrigen nicht verpachtet, sondern in Eigenregie der Rurbau betrieben werden soll. Hinter der Neuanschaffung stehen handfeste wirtschaftliche Interessen. Der „Kasierhof” soll Ertrag einbringen. Der wiederum soll der „Mutter” der Rurbau, der Woge, zugute kommen.

Später, versichert Steiner, wird er seine jetzige Rolle als Hotelgeschäftsführer aufgeben und sich wieder ganz der Rurbau widmen. Dann übernimmt eine eingearbeitete Fachkraft den Betrieb des „Kaiserhof”.

Dass die Woge und später die Rurbau ein begehrendes Auge auf den „Kaiserhof” geworfen hatte, ist keine junge Regung. „Kaufüberlegungen gingen uns schon seit sieben, acht Jahren durch den Kopf”, erzählt Rurbau-Chef Steiner. Beharrlich wies Reinhard Winters das Buhlen des unmittelbaren Nachbarn - Woge und Rurbau residieren nur eine Tür weiter im Gebäude der Sparkasse Düren - zurück. Vor Monaten dann erlahmte Winters Widerstand.

„Ich werde jetzt 63 und bin gesundheitlich etwas angeschlagen”, nennt er den Grund und belächelt die Süppchen aus der Gerüchteküche, die in Jülich bereits gelöffelt werden, „von wegen, ich hätte verkaufen müssen”. Reinhard Winters, der mit seiner Frau im Juni Silberhochzeit und gleichzeitig seinen Abschied als Hotelier feiert, wird sich Zeit lassen können auf der Suche nach einem behaglichen Altersruhesitz. Mit dem Verkauf des „Kaiserhof” hat er ein mehrjähriges Wohnrecht in der separaten Wohnung des Hotels erworben.

Der Vorbesitzer wird aus dieser Warte hautnah miterleben, was sich unter der Ägide des neuen ändert. Steiners Vorstellung sind in dieser Hinsicht sehr konkret: „Wie wollen alle Annehmlichkeiten eines gut geführten Hauses anbieten. Die Standards eines Vier-Sterne-Hotels eben.” Dazu muss zunächst einmal investiert werden. Etwa in den markanten Außenanstrich. Jülich-Gelb heißt die Farbe, die zusammengemischt wurde aus den berühmten Tönen Hohenzollern-Gelb und dem Weimaraner-Gelb des Goethehauses. Ebenfalls runderneuert wird die Terrasse, die bereits plattiert ist und in Kürze neue Markisen erhält.

Weit wichtiger ist, was im Innenbereich geschieht: Neue, Wände gestrichen bzw. tapeziert, neue Deko. Während des laufenden Hotelbetriebs werden nach und nach alle Zimmer des Hotels auf neusten Stand gebracht. Gerade erst hat Steiner die ersten 20 Boxspringbetten samt Matratzen bestellt. „Die hat auch das Adlon”, sagt er nicht ohne Stolz. Zwei Meter mal einsfünfzehn - da hat der Einzelschläfer reichlich Platz. Nur in dem kleinsten Zimmer, das ausdrücklich von einem Stammgast aus Frankreich gebucht wird, muss sich der Gast mit einem 90 Zentimeter schmalen Bett bescheiden. Mehr passt da nicht rein.

In den meisten Zimmern sind schon die alten Fernseher, Typ Kleinwagen, gegen Flachbildschirmgeräte ausgetauscht worden. Und WLAN auf allen Zimmern kostenlos - „das muss heute sein”, sagt Hotelmanager Steiner. Wie gerufen, verabschiedet sich ein Gast aus Aserbaidschan. Während er in Jülich nächtigte, habe sein Chef ein 5-Sterne-Hotel in Düsseldorf gebucht und kein Internet gehabt, erzählt der Gast fröhlich und verleiht Steiner „4 stars for the Kasiserhof”.

Was Steiner besonders freut: Mit Ausnahme des Bettenlieferanten werden alle Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Jülicher Betriebe vergeben. „Und die leisten wirklich tolle Arbeit”, lobt der Auftraggeber.

Damit sich ein Gast wohl fühlt, muss er gut essen können. Auch da wird die Handschrift des hobbykochenden Hotelmanagers erkennbar. „Alles frisch” hat er den beiden Köchen ins Rezeptbuch geschrieben. Tiefkühlkost gibt es nicht. Und die Karte weist nun auch mal Käsespätzle auf. „Hummer läuft hier nicht.” Jeder Hummer wird das heftig nickend bestätigen. Was auf jeden Fall läuft, ist ein gutes, reichhaltiges europäisches Frühstück. Der Gast sei König „oder bei uns Kaiser”, zitiert der Jung-Hotelier schon wie ein alter Hase.

Eines hat sich mit dem Besitzerwechsel nicht geändert: das Hotelpersonal. Alle zehn ehemaligen Winters-Bediensteten wurden übernommen. Darunter auch Majid Kazemian, der mit 18 Jahren „Kaiserhof” dienstältester Mitarbeiter ist. Wie sich herausstellte, ist die Hälfte der Mitarbeiterschaft Mitglied in der Woge. Da hat man eine soziale Verantwortung, meint Steiner. Ihm beschert die neue Hotelchef-Rolle auf Zeit ganze neue Erfahrungen - beispielsweise auch die: „Am 7. Mai habe ich zum ersten Mal in Jülich übernachtet!” Gleich im eigenen Hotel - alle Achtung.
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