Eine Nacht wie ein Alptraum: Als das SEK die Tür aufsprengte

Von: Guido Jansen
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Jülich. Eigentlich hätte S. (Name der Redaktion bekannt) kein Problem damit, mit seinem Namen in der Zeitung zu stehen. „Wir sind unschuldig, wir haben nichts gemacht“, sagt der 36-jährige Familienvater aus Jülich. Außerdem wüssten alle im Wohnblock, was passiert ist.

Alle seien von dem Knall wachgeworden, mit dem ein Spezialeinsatzkommando der Polizei am Samstagmorgen gegen 2 Uhr seine Wohnungstür aufgesprengt hat. Alle haben mitbekommen, dass die ganze Straße voll war mit Einsatzfahrzeugen der Polizei und dass er und seine Frau abgeführt worden sind. „Wir wissen immer noch nicht, warum“, sagt S. am Mittwochvormittag.

Jost Schützeberg, Staatsanwaltschaftssprecher, nannte als Grund für den SEK-Einsatz den konkreten Verdacht, dass in der Wohnung Sprengstoff zu finden sei. Darauf hätte es einen Hinweis einer dritten Person gegeben, sowie weitere Anzeichen. Die Polizei habe den Einsatz als möglicherweise gefährlich eingestuft und deswegen die SEK-Kräfte angefordert. „Bei der Hausdurchsuchung wurde nichts gefunden“, sagte Schützeberg. Die Ermittlungen laufen weiter, unter anderem wurden Computer und Dokumente beschlagnahmt. Neue Erkenntnisse gebe es bisher nicht.

Die Nacht endete damit, dass S. und seine Frau wieder nach Hause durften. Geblieben ist eine Angst, die S. nicht beschreiben kann. Die Familie – S. und seine Frau haben drei kleine Kinder – schläft jetzt meistens tagsüber, alle zusammen in einem Zimmer. S. hat Angst vor anderen, vor dem, was Menschen jetzt sagen oder denken könnten. Und deswegen will er nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen.

Die Nachbarin, die eine Etage tiefer lebt, eine ältere Frau, hat was gesagt, als S. in den Keller geht, um die Überreste der gesprengten Wohnungstüre zu zeigen. „Ich hoffe, dass sie wenigstens ein ruhiges Weihnachtsfest haben.“ S. bedankt sich und sagt: „Wir wissen einfach nicht, wie es weiter geht.“ Die Nachbarschaft sei nett, berichtet der Mann, der vor 13 Jahren des Studiums halber nach Jülich gekommen ist und hier seine Familie gegründet hat. „Aber in der eigenen Wohnung haben wir alle Angst“, sagt er. Der Schutzraum wurde aus seiner Sicht zerstört, als das SEK die Tür sprengte.

„Meine Frau ist aufgeschreckt, hat nur gerufen: Oh Gott, was ist hier los?“, beschreibt S. Von vermummten Männern seien sie angeschrien worden: „Polizei. Nehmen Sie die Hände hoch.“ S. habe nur eine Unterhose getragen, seine Frau ein Nachthemd. Getrennt seien sie abgeführt worden, getrennt wurden sie nach Aachen gebracht, wo sie in getrennten Zellen eingesperrt wurden. Eine halbe Stunde später wurde S. fotografiert, seine Fingerabdrücke genommen, und man erklärte ihm, dass es Hinweise gebe, dass seine Frau eine Bombe bastelt.

Am Morgen durften die Eltern nach Hause, sie bekamen Gelegenheit, ihre nach dem Einsatz völlig verwüstete Wohnung aufzuräumen, bevor das Jugendamt die Kinder zurückbrachte. Die Kinder verstehen nicht, was passiert ist. „Wir haben ihnen erzählt, dass die Feuerwehr gekommen ist, um uns zu retten“, sagt S.. Das Ehepaar wartet jetzt auf das Ende der Ermittlungen, darauf, dass man ihnen mitteilt, wie sie Schadensersatz einfordern können, und auf eine öffentliche Entschuldigung.

Staatsanwaltschaftssprecher Schützeberg sagte, dass die Entscheidung, ob das Verfahren eingestellt wird oder weiter läuft, noch ausstehe.

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