Ein Zeitzeuge des Holocaust bleibt Optimist

Von: Volker Uerlings
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Gabriel Bach (Jerusalem) erhielt Montagabend aus den Händen von Gabriele Spelthahn den Preis für Zivilcourage 2014 der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz. Foto: Uerlings

Jülich. Das Bild sprach Bände: Am Holocaustgedenktag wusste der aus Jerusalem angereiste Zeitzeuge Gabriel Bach die Jugend aus dem Jülicher Land hinter sich, und die engagierten jungen Leute hatten ein Vorbild vor Augen.

Der stellvertretende Chefankläger im Eichmann-Prozess Anfang der 60er Jahre in Israel wurde in der Schlosskapelle von der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet, weil er sich unermüdlich auch mit 86 Jahren einsetzt, die Erinnerung an den im Nazi-Deutschland organisierten Völkermord wachzuhalten.

Es war mucksmäuschenstill in der voll besetzten Schlosskapelle, nachdem Gabriele Spelthahn als Vorsitzende der Gesellschaft den Preis überreicht hatte, und der Geehrte das Wort ergriff. Nicht nur für viele junge Menschen sollte sich der von Vorstand Walter Liedgens angekündigte „besondere Geschichtsunterricht“ bewahrheiten. Bachs Erinnerungen fesselten.

Er, der deutsche Jude, der selbst vor den Nazis geflüchtet war und nur mit viel Glück überlebte, stand 1961 dem Planer und Organisator der Deportation und Ermordung von Millionen Juden in Konzen-trationslagern gegenüber. Beim Studium der Akten und Zeugenaussagen habe er nicht glauben können, dass Eichmann in jeder Hinsicht unerbittlich gewesen ist und nicht eine jüdische Familie verschonen wollte. „Aus prinzipiellen Erwägungen“, schrieb Eichmann, der bei „Überlebenden“ befürchtete, dass die „Rasse“ wieder aufleben könnte. Bach: „Er hat sogar Hitler-Befehle hintergangen, damit das nicht passiert.“ Im Rahmen des Prozesses stieß der spätere israelische Generalstaatsanwalt und Richter am Supreme Court auf lancierte Postkarten, die KZ-Insassen schreiben mussten, um zeitweise ahnungslose Angehörige in die Lager „einzuladen“.

Gabriel Bachs Rede war nicht von Bitterkeit geprägt. Er habe schon oft in Deutschland und so am Montag in Jülich „wirkliche Herzlichkeit und Freundlichkeit erlebt“, abseits von Höflichkeit und Taktik. Das und seine Grundhaltung als „Optimist“ („Ich kann nicht anders“) bringe ihn zu dieser Einschätzung: „Ich habe das Gefühl, es besteht die Chance, dass Sachen, die damals passiert sind, nicht mehr vorkommen.“

Die Wichtigkeit, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, unterstrich Laudator Professor Herbert Limpens, ehemaliger Präsident des Verwaltungsgerichtes Aachen: Der Lauf der Zeit sei im Begriff, diesen Völkermord, dem in der Menschheitsgeschichte eine historische, ja einmalige Dimension attestiert werden muss, dem Vergessen zu überantworten“. Bürgermeister Heinrich Stommel freute sich, dass sich Gabriel Bach als „ganz besondere Persönlichkeit“ ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Weiterer Bericht in der Mittwochausgabe.

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