Ein Wundermittel made in Jülich

Von: Guido Jansen
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Staatssekretär Thomas Rachel (rechts) lässt sich das Balipharm-Labor von Hendrik Otto (links) erklären. Den Förderbescheid überreichte Rachel an Dr. Andreas Herrmann (Mitte). Foto: Guido Jansen

Jülich. Vielleicht bedeutet Atrosab für Menschen einen bahnbrechenden Fortschritt, die an rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn oder multipler Sklerose leiden. Der Beipackzettel des Medikaments, der über die Risiken und Nebenwirkungen aufklärt, soll verträglich kurz sein. Das ist bei den derzeit auf dem Markt befindlichen Medikamenten nicht der Fall.

Das behaupten die Wissenschaftler der Firma Baliopharm, die seit etwa zweieinhalb Jahren an dem neuen Medikament arbeiten. In etwa fünf Jahren soll Atrosab auf den Markt kommen.

Das Team um Dr. Andreas Herrmann verspricht sich bahnbrechende Fortschritte. Diese Hoffnung teilt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dessen Staatssekretär Thomas Rachel war unlängst zu Gast bei Baliopharm, um dem Forscherteam einen Bewilligungsbescheid zu überreichen: Die Jülicher Forscher erhalten für ihre Arbeit einen Zuschuss von 1,3 Millionen Euro.

Medikament kann vielen helfen

Den Grund erklärte Rachel so: „300.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Crohn, 400.000 an Gelenkrheuma. Und weitere zwei Millionen haben Probleme mit Schuppenflechte. Das Medikament kann also vielen Menschen helfen.”

An die Fördermittel ist eine Erwartung des Ministeriums geknüpft. „Wir hoffen und erwarten, dass Sie mit dem Medikament den Schritt aus der Forschung in die Anwendung schaffen”, blickte Rachel, CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Düren, voraus. Die Erwartungen sind hoch, genau wie die Summe des Förderung. „Es ist selten, dass ich Förderbescheide in solcher Höhe überbringe”, betonte Rachel.

Was Atrosab besonders macht: Es erzielt bei den Krankheitsbildern bessere Heilungsergebnisse als die derzeit auf dem Markt befindlichen Präparate. Gleichzeitig blockiert es nicht, im Gegensatz zu derzeit verfügbaren Medikamenten, die Immunantwort des Körpers gegen Infektionen. „Es ist verträglicher”, brachte Dr. Andreas Herrmann den Vorteil auf einen Punkt. Diese Ergebnisse beruhen auf Tests, die die Baliopharm-Wissenschaftler bisher an Mäusen vorgenommen haben.

Jetzt folgen zwei so genannte klinische Testphasen. In der ersten wird das Medikament an gesunden Menschen auf seine Verträglichkeit getestet. Ist die Verträglichkeit so, wie die Jülicher Wissenschaftler hoffen, dann beginnt Phase zwei mit dem Test an Patienten. Bisher hat Baliopharm etwa sechs Millionen Euro in die Entwicklung gesteckt, die beiden Testphasen kosten weitere fünf Millionen Euro.

Ursprünglich wurde zu dem neuen Medikament an der Universität Stuttgart geforscht. Die Jülicher Forschen haben die Lizens erworben, Atrosab weiter zu entwickeln. Nach der zweiten klinischen Testphase kommt der entscheidende Moment für Baliopharm. Das Unternehmen will das Medikament auslizenzieren. Mit anderen Worten: Die kostspielige dritte Testphase ist zu teuer. Diese erfolgt an über 1000 Patienten und kostet zwischen 30 und 60 Millionen Euro. „Das kann sich eine kleine Firma, wie wir es sind, nicht leisten”, bekannte Herrmann.

Ziel der Jülicher Forscher ist es, das Produkt zu diesem Zeitpunkt an einen großen Pharmakonzern zu verkaufen. Die Chancen dazu stehen laut Andreas Herrmann gut. „Wir haben bereits Anfragen”, ist der Geschäftsführer optimistisch. Auch die mögliche Nachfrage sei groß. 22 Milliarden Euro seien 2010 in dem Medikamenten-Segment ausgegeben worden, in dem Atrosab einmal platziert werden soll.

Bestätigen die weiteren Tests die bisherigen Ergebnisse, dann könnte der in Jülich weiterentwickelte Wirkstoff ein finanzieller Volltreffer werden. 2016 oder 2017 könnte Atrosab laut Schätzung des Baliopharm-Teams auf den Markt kommen.
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