Ein Wermutstropfen im Freudenkelch der „Maiblömche“

Von: hfs.
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Galanter Abgang für Achnes Kasulke: Nach einem famosen Auftritt wurde die „Putzfrau“ von den Gardeoffizieren Helmut Heyden (r.) und Heinz Effer von der Bühne geleitet. Foto: hfs.

Lich-Steinstraß. Tränen der Freude, aber auch Tränen der Trauer. Freud und Leid lagen noch nie so eng beieinander wie nun bei der großen Kostümsitzung der KG „Maiblömche“ Lich-Steinstraß. Wenn sich 1500 Narren zuerst zu einer Schweigeminute erheben, dann in einen über fünfstündigen Sitzungsmarathon starten, zeigt sich, dass der sprichwörtliche rheinische Frohsinn verschiedene Facetten haben kann.

„Niemals geht man so ganz“, sang die im Jahre 1991 verstorbene Kölner Volksschauspielerin Trude Herr. Mit dem gleichen Lied erinnerte KG-Literat Jürgen Vent, gemeinsam mit dem Orchester Markus Quodt aus Köln, an den wenige Stunden zuvor verstorbenen Ordensmeister und Rosenmontagszugleiter Martin Schütz, der auch als Jungfrau, Bauer und Prinz viele Jahre dem „Maiblömche“-Karneval den Stempel aufdrückte, und „dem wir viel zu verdanken haben“, wie Vent meinte. Wie viele „Maiblömche“ verdrückte er die eine oder andere Träne, als man des Verstorbenen gedachte.

„Es ist toll, auf der größten Bühne im größten Zelt im Kreise Jülich zu stehen, Teil eines großartigen Programms zu sein, dies war schon immer mein Traum.“ Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs war in seinem Element, als er mit Sitzungspräsident Mike Schmitz eine Lücke im Programm fühlte, nicht nur sein musikalisches Talent unter Beweis stellte, sondern auch die altbekannten Kölsche Fastelovendslieder zum Besten gab. „Dat Hexeturmlied mosste noch übe“, ermahnte Schmitz, zu einem Zeitpunkt, als der Einmarsch des 120 Personen starken Traditionskorps „Bürgergarde Blau-Gold“ Köln längst vergessen war.

Mit dem war der Elferrat einmarschiert, der kaum Platz genommen hatte, als „Cat Ballou“, die kölsche Rockband, einheizte. Ihr großer Hit „Et jitt kei Wood“, mit dem sie im Jahre 2012 so richtig bekannt wurden, ließ keinen Narr auf dem Platz sitzen. Eine halbe Stunde „volle Power“ – den vier Musikern merkte man an, dass sie den Auftritt vor großem Publikum sichtlich genossen. „Jungs, ihr ward Spitze“, gab der Präsident den Kölner mit auf dem Weg, samt Rakete, eine von drei, die am Abend in den rot-weißen Zelthimmel geschossen wurde.

Dass eine davon auch „Achnes Kasulke“, der letzten deutschen Putzfrau vor der Autobahn, gelten würde, davon war nicht auszugehen. Doch die Dülkenerin Annette Esser lief zur Hochform auf, stellte nicht, wie so oft, Ehemann Erwin in den Mittelpunkt, sondern griff aktuelle Tagespolitik auf. „Der DFB muss auf Herz und Niersbach geprüft werden, der falsche Zwanziger aussortiert werden. Dass Sommermärchen war eine Lüge, da muss eine Frau an die Spitze, wie die Flintenuschi“, parodierte Achnes auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, „denn die hat sich ja auf vielen Gebieten schon versucht“. Dass Lied vom Gardeoffizier nahmen die „Maiblömche“-Gardeoffeziere Helmut Heyden und Heinz Effer zum Anlass, die Ulknudel unter dem frenetischen Applaus der Jecken aus dem Zelt zu geleiten.

Geistreich und witzig

Wer den „Tuppes vom Land“ erlebt, der weiß, was Jörg Runge zu leisten im Stande ist. Flexible und spontane Reimreden, geistreich, witzig sowie kölsche, humorvolle Unterhaltung auf hohem Niveau sind seine Stärken, nicht von ungefähr gehört er zu den ganz Großen im Kölner Fastelär. Wer Willi Naumann und Ernst Schneider erlebt, der weiß anschließend, was im Rentnerleben so alles abgeht.

„Es läuft gut“, machen sich die beiden Mut, wenn sie im „hohen“ Alter noch auf Brautschau gehen. Widersinnige Rhetorik, die bei den Narren für Schnappatmung sorgt. Um über „Bloom un Blömcher“ noch Worte zu verlieren, würde den beiden Vollblutkarnevalisten nicht gerecht, stehen sie doch schon über fünf Jahrzehnte auf der Bühne. „Ihr seid einfach etwas fürs Herz“, dankte der KG-Präsident herzlichst.

Wenn „Heimweh nach Köln“ oder die „Nächte am Rhing“ zu hören sind, steht die „Micky Brühl Band“ auf der Bühne, und die Jecken auf den Stühlen. Die sechs Vollblutmusiker wissen, wie sie ein jeckendolles Publikum in Fahrt halten können. Die letzte Rakete wurde gezündet, die aber ohne Weiteres auch der Musikgruppe „Swinging Funfares“, der 60-köpfigen Tanzformation „Sandhasen Oberlar“ oder aber den Tanzgruppen und Mariechen der KG hätte gelten können.

Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus, der einer zündenden Sitzung das I-Tüpfelchen aufsetzte. Wäre da nicht noch das „Maiblömche“-Dreigestirn gewesen, das frenetisch begrüßt wurde. Und Prinz Manuel (Steinberg), Jungfrau Alexandra (Eschweiler), Bauer David (Pahsen) sowie Prinzenführer Thomas Erkens „gingen“ mit, schmetterten nach ihrer Inthronisation mit und zeigten, dass sie, zusammen mit Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, KG-Sitzungspräsident Schmitz sowie Ehrenvorsitzender Reiner Winters auch musikalisch kölsch behaftet sind.

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