Ein Trauergarten, der nicht düster sein wird

Von: Kr.
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Die aus Linnich stammende Künstlerin Annette Etzel arbeitet zurzeit an einer Skulptur für die Linnicher Förderschule. Foto: Kròl
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So wird die Skulptur aussehen, die das Gedenken an verstorbene Mitschüler lebendig halten soll.

Linnich. Tod und Sterben gehören zum Leben dazu, eine Erfahrung, die selbst Kinder machen müssen. Durch den Tod von Großeltern, Eltern oder gar Mitschülern wird dieses Thema auch in die Schulen getragen. Dies trifft besonders auf Förderschulen zu, aus denen häufiger Schüler und Schülerinnen zu Grabe getragen werden müssen.

Das trifft leider auch auf die LVR-Förderschule in Linnich mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung zu: Seit ihrer Eröffnung sind bereits drei Schüler verstorben. Die Einrichtung wird auch von Kindern und Jugendlichen besucht, die aufgrund ihrer Erkrankung eine verkürzte Lebenserwartung haben. Tod und Sterben ist daher ein Thema, mit dem Lehrer und Lehrerinnen immer wieder konfrontiert werden. So wurde dort in einer ruhigen Ecke der Schule eine kleine Gedenkstätte für die verstorbenen Schüler eingerichtet.

Es hat sich eine Trauergruppe gebildet, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Einige Lehrer haben eine Hospizausbildung absolviert, um entsprechend sensibel mit den Kindern arbeiten zu können, die wissen, dass sie sterben werden. Der Konrektor der Schule, Constantin Mertens, hat sich außerdem als Notfallseelsorger ausbilden lassen. Auch die Schulkameraden und das gesamte Kollegium wollen den verstorbenen Schulkameraden gedenken: Daher besteht schon einige Zeit die Idee, einen Trauergarten einzurichten.

Der Konrektor hat das nun zu seiner ganz persönlichen Angelegenheit erklärt und setzt momentan alle Hebel in Bewegung, dieses Projekt zu realisieren. Als begeisterter Sportler und Langstreckenläufer nahm er vor mehr als drei Jahren am Zürich-Marathon teil und besuchte bei dieser Gelegenheit, die in der Schweiz lebende und aus Linnich stammende Künstlerin Annette Etzel. Mit ihrem Bruder und der Künstlerin besuchte er eine ihrer Ausstellungen, die ausgerechnet an diesem Tag eröffnet wurde.

„Ehrlich gesagt: Zunächst wusste ich damit nichts anzufangen. Ihre Kunstwerke waren nett, aber für meinen Geschmack etwas zu bunt“, erinnerte er sich. Annette Etzel, deren Familie in Linnich und Umgebung bekannt ist, lebt seit 1985 in der Schweiz und arbeitete dort als selbstständige Goldschmiedin. Seit 2003 befasst sie sich auch mit der Kunst. Neben der Malerei schuf sie eine Reihe von Skulpturen, darunter auch einige großformatige Werke wie ihre Skulptur am See Raffplatz in Lachen. Seit 2009 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.

Ein Zusammenhang...

Als nun Konstantin Mertens aus der Schweiz zurückkehrte, erhielt er die traurige Nachricht, dass die Schule den ersten verstorbenen Schüler zu beklagen hatte. „Irgendwie stand das für mich in einem Zusammenhang. Der Besuch der Ausstellung und der Tod unseres Schülers. So setzte ich mit den Arbeiten von Annette Etzel mehr auseinander. In mir reifte die Idee, sie um Hilfe bei dem ehrgeizigen Gedenkstätten-Projekt zu bitten.“ Da die Künstlerin selbst eine körperbehinderte Tochter hat und ihre Verbindungen zur Heimatstadt sehr eng sind, sagte sie gleich zu. Gerne wollte sie etwas für Linnich tun.

Erste Entwürfe wurden gemacht. Zunächst betrachtete das Lehrerkollegium die Sache skeptisch. Einige fanden das Kunstwerk etwas zu bunt, um an verstorbene Schüler zu erinnern. Doch Gedenken muss nicht immer grau und düster sein. Letztlich war man sich doch bald einig. Fünf Augen wird die Skulptur erhalten, die aus einer Art Bauschaum gefertigt, witterungsbeständig ummantelt und in bunten, leuchtenden Farben lackiert wird, erhalten.

Die Augen blicken in alle Richtungen, auch zum Himmel. Die Figur ist asymmetrisch, einige Gliedmaßen fehlen. „Ich bin anders als andere, will sie den Kindern sagen“, erklärt Mertens. Darüber hinaus erhält sie Engelsflügel. In den Körper eingelassen sind kleine Metallhülsen, in denen die Schüler Briefe oder Zettel mit ihren Wünschen, Gedanken und Bitten stecken können. Da sie selbst von ihrer Kunst leben muss, kann Annette Etzel nicht kostenfrei arbeiten. Allerdings verzichtet sie auf die Hälfte ihres Honorars. Sie selbst bemüht sich, Spendengelder aufzutreiben. Anlässlich ihres 50. Geburtstags bat sie um Geldgeschenke für die Skulptur.

Konstatin Mertens ist vor Ort bemüht, die Finanzierung zu sichern, denn neben den Kosten für das Kunstwerk selbst muss die Gedenkecke finanziert werden. Dazu gehört auch eine Steinplatte als Fundament für die Skulptur.

„Für unsere Schüler ist eine solche Gedenkstätte wichtig. Zwei der verstorbenen Schüler waren aus unserer Entlassungsklasse. Die Mitschüler haben sie bis zum Ende ihrer Schulzeit begleitet. In den Klassen standen ihre Bilder, die auch bei der Entlassfeier, an der auch die Eltern teilnahmen, zugegen waren“, erklärt der Konrektor.

Wenn alles glatt geht und er auch noch die restlichen Gelder sammeln kann, hofft er, das Projekt bis Ende des Jahres realisieren zu können. Dabei hofft er auch auf Unterstützung von außen. Informationen erteilt die LVR-Förderschule Linnich.

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