Jülich - Ein Stück über Leben, Werk und Wirken Martin Luthers

Ein Stück über Leben, Werk und Wirken Martin Luthers

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Luther diskutiert mit dem Rabbi. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Mehrmals schon gastierte das N.N. Theater Neue Volksbühne Köln in Jülich. Im PZ der Zitadelle führten sie „Ich fürchte nichts“ auf, ein Stück über Leben, Werk und Wirken Martin Luthers. Im Rahmen des Luther-Jahres geschickt getimet, war die Aufführung ein Highlight für Menschen, die Ernsthaftigkeit bei der Begegnung mit dem großen Theologen mit einem guten Schuss Humor und satirischen Anklängen verbinden können.

Die Person Martin Luthers stand im Mittelpunkt des Geschehens, das gleichsam ein Zeit- und Sittenbild seiner Zeit zeichnete. Die Macht und die kommerzielle Ausrichtung der katholischen Kirche, der Amtsmissbrauch der Päpste, die Ausnutzung der menschlichen Ängste, die Abhängigkeit der Bauern von den Fürsten, das alles war das Bild der Zeit, in der Luther mahnte, warnte, und die Bibel und damit das Wort Gottes in seinem Ursprung den Menschen nahebrachte.

Seine Bibelübersetzung in die deutsche Sprache, die Abwendung von der Messe in Latein, die Verdammung des käuflichen Ablasses und die Auslegung der Worte Jesu in ihrer Intention der göttlichen Liebe zum Menschen, der Nächstenliebe und des Verzeihens wiesen den Christen neue Wege.

Aber auch der Mensch Luther mit seinen Stärken und Schwächen wurde gezeichnet. Die Gewalt seiner Sprache, sein aufbrausender Zorn, seine körperlichen Gebrechen wurden thematisiert.

Großen Raum nahmen Kennenlernen, Hochzeit und Eheleben mit seiner Frau Katharina ein, einer ehemaligen Nonne, die sich durch Luthers Lehren befreit und persönlich zu ihm hingezogen fühlte.

Das Zeit- und Sittenbild fand Niederschlag in einer Szenerie, die für das N.N. Theater typisch ist. Ein geniales Bühnenbild aus Säulen und Zylindern unterschiedlichster Größe, minimalistische Kostüme in gedeckten Tönen, Farbe nur als thematischer Akzent, natürliche Materialien wie Stoff, Pappe und Papier ließen schnelle Verwandlung zu. Die fünf Schauspieler wechselten in atemberaubenden Tempo die Rollen. Durch Verstellen der Requisiten wechselte die Szene zum Ort des jeweiligen Geschehens.

Aktuelles Zeitgeschehen wurde locker eingebaut. Als Wahlspruch des Papstes wurde „Vatikan First“ ausgerufen, die „Ehe für alle“ bejubelt. Bei den Bilderstürmen kamen Sprayer zum Einsatz, bei der bildnerischen Darstellung Luthers war durchaus von Bildbearbeitung die Rede.

Mit dem Stück des Autors George Isherwood in der Inszenierung von Gregor Höppner gelang dem Ensemble des N.N. Theaters eine Gratwanderung. Es mangelte nicht an Ernsthaftigkeit und Sensibilität. Aber Geschichte wurde auf äußerst humorvolle, oft drastisch Weise lebendig. Musikalisch untermalt und mit fetzigen Songs aufgepeppt wurde „Ich fürchte nichts“ zu einem großartigen Theatererlebnis und wurde in Jülich mit frenetischem Applaus bejubelt.

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