Jülich - Ein Spender für Judith würde die Aktion krönen

Ein Spender für Judith würde die Aktion krönen

Von: ptj/jago
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Schon vor dem Start hatten sich lange Schlangen vor dem Jülicher Schulzentrum gebildet, wo auch etliche Freiwillige halfen. Foto: Jagodzinska
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Jülich. „Wir vermissen sie alle. Mir geht das Herz auf, dass sich so viele engagieren.“ Das sagte Judith Hillinger, Klassenlehrerin der an Leukämie erkrankten sechsjährigen Judith, Schülerin der Stufe E2 der Katholischen Grundschule (KGS) Jülich.

Tatsächlich war die Hilfsbereitschaft enorm. 2553 Typisierungswillige warteten in langen Schlangen vor dem Schulzentrum an der Linnicher Straße, dessen Türen das Organisationsteam deshalb bereits eine Viertelstunde eher als angekündigt öffnete. 100 Helfer waren konstant in der Turnhalle im Einsatz, an 30 Tischen wurden Spender betreut. Helfer signalisierten durch hochgehaltene rote Karten freie Plätze an den Tischen.

Initiatoren der Großaktion sind Alwin Bulla, Facharzt für (Viszeral)Chirurgie und Notfallmedizin am St. Elisabeth-Krankenhaus und KGS-Rektorin Diana Prömpers. Alle verfügbaren Medien und etliche Plakat-Aktionen dienten im Vorfeld zur Teilnehmerwerbung. „Judith braucht Sie – jeden Einzelnen – um zu überleben“, so hatte Bulla seinen Aufruf über soziale Netzwerke formuliert.

Die Chance zu helfen

So wurde beispielsweise Stefan Kröll (35) aus Elsdorf über einen Facebook-Aufruf auf die Aktion aufmerksam. „Ich wollte mich schon mehrmals typisieren lassen und hatte auch ein Röhrchen fertig, aber es dann irgendwie verlegt. Als ich den Aufruf gelesen habe, dachte ich mir, jetzt ist die beste Gelegenheit, die Typisierung nachzuholen und eventuell jemandem zu helfen“, sagt er.

Auch bereits registrierte Stammzellenspender hatte Bulla um ihren Besuch, ihre Geldspende oder einen Obolus für das breit gefächerte Rahmenprogramm gebeten. Aktionen wie Segwayfahren, Kinderbespaßung und ein Kindersachenflohmarkt wurden von weiteren Helfern betreut.

Genetischer Zwilling wird gesucht

Bei der zweiten Diagnose „Blutkrebs“ in Judiths noch jungem Leben reichte die Behandlung durch eine Chemotherapie nicht mehr aus, zur notwendigen Stammzelltransplantation muss ein „genetischer Zwilling“ gefunden werden.

Der erste Schritt in eine mögliche Lebensrettung dauerte fünf bis zehn Minuten. Zwischen dem Ausfüllen der Einverständniserklärung und der Endkontrolle fühlten die Typisierungswilligen lediglich einen Piks in der Armvene vor der Entnahme von fünf Millilitern Blut.

Abschließend beantwortete der Spender die Frage, ob er freiwillig die Kosten von 40 Euro für die aufwendige Laboruntersuchung zur Bestimmung der Gewebemerkmale übernimmt.

Blut statt Speichel entnommen

Warum wird Blut entnommen und nicht Speichel mit einem Wattestäbchen wie bei der Typisierung für die Knochenmarkspenderdatei? „Weil es schneller geht, wir alle Nadel-Phobiker ausgeschlossen haben und es nicht zu Verwechslungen der Stäbchen kommen kann“, begründet DKMS-Mitarbeiterin Nicola Wenderoth aus Köln als Aktionsbetreuerin das Prozedere bei öffentlichen Aktionen. Etliche Geld- und Sachspenden gingen ein, darunter Fußballtrikots zum Versteigern und Großgeldspenden. Einen stattlichen Betrag spendete auch die Mutter eines jungen Mannes aus Linnich, für den 2015 eine solche Typisierungsaktion ins Leben gerufen worden war. Etliche Teilnehmer zahlten ihre Registrierung selbst, darunter auch Schirmherr Axel Fuchs. „Das ist hier sensationell organisiert. Ich bin total begeistert“, freute sich Fuchs über das „positive Verkehrschaos“ und fügte nachdenklich hinzu: „Da merkt man mal, womit wir uns täglich beschäftigen und was wirklich wichtig ist.“

40.000 Euro allein in Scheinen

„Total überwältigt von dieser Resonanz“ zeigte sich auch Rektorin Diana Prömpers. „Ich bin total stolz, Teil dieser Gruppe zu sein, und stolz, so eine tolle Schule mit so vielen engagierten Menschen zu leiten. Es war viel Arbeit im Vorfeld, aber jede Sekunde hat sich gelohnt.“ Das ist wörtlich zu nehmen, denn beim abschließenden Kassensturz zählte Prömpers rund 40.000 Euro – allein in Geldscheinen. Das Zählen des Münzgeldes dauerte da noch an.

Auch Judiths Vater Olaf Mantel war vor Ort. „Irgendwas muss ich ja tun“, sagte er. Gerne wäre Judith selbst gekommen, „musste aber in die Uniklinik“. Sie hat Fieber, ihre Blutwerte sind schlecht. „Aber sie hat mich gebeten, ganz viele Fotos zu machen. Judith gibt uns Kraft. Sie ist eine absolute Kämpferin“, beschloss der Vater tapfer seine Ausführungen.

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