Ein Mahnmal alleine reicht nicht mehr aus

Von: Guido Jansen
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Erinnerung alleine reicht heute nicht: Darin waren sich Redner und Preisträger der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz am Sonntag einig. Foto: Guido Jansen

Jülich. Altbürgermeister Dr. Peter Nieveler erinnerte an den Dezember 2001. Damals konnte die noch junge Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz, deren Gründungsvorsitzender er war, das Mahnmal für die ermordeten Juden auf dem Propst-Bechte-Platz an die Bevölkerung übergeben.

Etwas mehr als 15 Jahre später ist Nieveler einer von vier Preisträgern, die die Gesellschaft dafür auszeichnet, dass sie sich für mehr Toleranz und gegen das Vergessen einsetzen. Und Nieveler begann seine Rückschau auf die Entstehungsgeschichte des Mahnmals mit dem Wort „leider“.

„Leider ist die Toleranz landesweit nicht gewachsen. Leider ist es schlimmer geworden mit Wut, Hass und Intoleranz. Leider werden auch in Zukunft Fremdenfeindlichkeit, Angst vor Verlusten, Wut auf Flüchtlinge und die Angst vor Überfremdung eine Rolle spielen. Das alles werden wir mit einem Mahnmal nicht aus der Welt schaffen.“ Nievelers Appell brachte die Meinung auf den Punkt, die auf der Gedenkveranstaltung der Jülicher Gesellschaft in der Schlosskapelle mehrfach formuliert wurde: Das Gedenken aufrechterhalten alleine reicht heute nicht mehr aus, das Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist gefragt.

Neben Nieveler ehrte die Gesellschaft unter Vorsitz von Gabriela Spelthahn dessen Nachfolger als Bürgermeister, Heinrich Stommel sowie den Kuratoriumsvorsitzenden Heinz-August Schüssler und den Förderer Anno August Jagdfeld für ihre Verdienste um den Bau des Mahnmals. Jagdfeld sei damals laut Nieveler unaufgefordert hingegangen und habe die Hälfte der noch benötigten 110.000 Mark gespendet. Und als die Mittel auf der Zielgeraden knapp geworden seien, habe Schüssler dem Vorhaben unter die Arme gegriffen und es zur Vollendung gebracht.

Schirmherr des Mahnmals ist von Anfang an der ehemalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement. In seiner Rede am Internationalen Holocaust-Gedenktag stellte er fest, dass die Fassungslosigkeit ob der Gräueltaten der Nazis in den Konzentrationslagern nicht von der Verantwortung entbinde, die dieses Erbe auch heute noch darstelle.

„Wir leben in einer Zeit des wiedererstarkenden nationalistischen Denkens. Diese Hetze, die wir jetzt erleben, haben wir jahrzehntelang nicht gekannt. Heute kommt es darauf an, dass wir nicht nur nicht vergessen, sondern dass wir handeln.“

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