Ein Leben ohne Rathaus? Kein Problem für Wolfgang Witkopp

Von: Otto Jonel
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Die Schränke sind schon ausgeräumt, aber einen leeren Schreibtisch will Wolfgang Witkopp seiner Nachfolgerin noch hinterlassen. Foto: Jonel

Linnich. Wolfgang Witkopp macht einen sehr entspannten Eindruck: „Ich fühle mich unheimlich gut.“ Bei einer Tasse Kaffee unterhält er sich in seinem Amtszimmer mit Carlo Aretz. Thema ist das Glasmalerei-Museum und dessen Zukunft.

Witkopp ist Vorsitzender der Stiftung des Museums, Aretz Geschäftsführer. Beide verbindet mehr als nur die Funktion in dem Gremium. „Ohne das Engagement von Herrn Witkopp hätten wir nicht überleben können“, beschreibt Aretz die Finanzierung als permanente Gratwanderung des Museums.

An diesem Tag, wenige Stunde vor dem Ende der langen Amtszeit als Bürgermeister Linnichs, ist die Gegenwart gleichzeitig ein Fenster in die Vergangenheit. Dem Glasmalerei-Museum misst Wolfgang Witkopp hohe Bedeutung bei. In seiner Positivliste liegt es ganz weit vorne. „Im Museum würde ich gerne weiterhin tätig bleiben“, sagt er. Es habe ihm viele glückliche Augenblicke beschert – nicht zuletzt auch bei Trauungen. Rund 120 Mal hat der Bürgermeister als Standesbeamter zwei Menschen den Weg in die Gemeinsamkeit eröffnet. Das sei für ihn immer etwas Besonderes gewesen.

In die Rubrik Positives reiht der scheidende Bürgermeister die vielen Begegnungen mit den Freunden aus der französischen Partnerstadt Lesquin ein, aber auch „gut gelaufene Ratssitzungen und Projekte, die wir erfolgreich abwickeln konnten“. Dankbar und glücklich sei er, mit einem „ganz tollen Team hier im Rathaus“ zusammengearbeitet zu haben, allen voran mit den beiden Beigeordneten Vieten und Corsten.

Kein Nachkarten, keine verbitterte Abrechnung. Im Gegenteil. Auf die Frage, ob er bereut habe, im Februar 1996 den Lehrerberuf an den Nagel gehängt zu haben, um der erste hauptamtliche Bürgermeister in NRW zu werden, kommt eine Antwort im Brustton der Überzeugung: „Ich würde es auf jeden Fall noch mal machen – vielleicht manches anders. Aber was ich an positiven Erlebnissen, an abwechslungsreichen Aufgaben und Kontakten hatte, ist in einem anderen Beruf so nicht möglich.“

Natürlich war nicht alles rosarot in diesen fast 20 Jahren. Die Rats- und Ausschussarbeit war mitunter dornenreich. Mehr als einmal sei es in Sitzungen „völlig unter die Gürtellinie gegangen“. Wenn es gegen ihn selbst ging, in der direkten Konfrontation, aber auch etwa über die sozialen Medien, habe ihn sein „dickes Fell“ geschützt.

Aufgebracht habe ihn, wenn Angriffe gegen den Beigeordneten oder die Mitarbeiter der Verwaltung geführt wurden. Da sei die Grenze überschritten worden. Das hinter sich zu lassen wird Wolfgang Witkopp nicht missen. Und er geht möglichen „Minenfeldern“ künftig aus dem Weg. „Ich habe immer gesagt: Wenn die 20 Jahre Bürgermeister vorbei sind, werde ich keinerlei Ämter und Gremien in der Politik anstreben. Das bin ich auch meiner Familie schuldig.“

Und damit öffnet sich das neue Kapitel „Zukunft Pensionär“. Wolfgang Witkopp will diesen neuen Lebensabschnitt gemächlich angehen. Bis zum Jahresende will er sich Zeit nehmen, um daheim in Tetz „einige Dinge aufzuarbeiten“, Bücher – Entspannendes wie lokale Krimis – zu lesen, Sport zu treiben und dem Radfahren zu frönen. Bei Letzterem ist er „konservativ“. Er fährt noch rein mit Muskelkraft auf einem Sieben- oder einem 24-Gang-Rad. E-Bike? Vielleicht in ein paar Jahren.

Das Dolce Vita soll aber nicht von Dauer sein. „Nach der Weihnachtspause werde ich mich um eine Beschäftigung bemühen.“ Er habe einige Angebote, im Bereich Moderation und Vortragswesen tätig zu werden. Daneben werde Zeit bleiben, „viel mehr mit der Familie zu unternehmen“. Langeweile werde definitiv nicht aufkommen, dafür habe seine Frau Monika schon eine To-do-Liste mit vielen Positionen aufgesetzt.

Wolfgang Witkopp vermittelt den Eindruck, dass ihm der Wechsel von einem Lebensabschnitt in einen völlig neuen problemlos von der Hand geht. Dass ihn die Linnicher nach 20 Jahren nicht mehr als Ersten Bürger haben wollten, werde keine große Narbe hinterlassen, sagt er. Seiner Nachfolgerin habe er eine glückliche Hand bei der Bewältigung der schweren Aufgaben gewünscht, die vor ihr lägen. An diesem Kapitel Stadtgeschichte wird er nicht mehr mit schreiben.

Ein Frage braucht noch Antwort. Ob er denn in den 20 Jahren Linnicher geworden sei? „Linnicher nicht, aber Rheinländer.“ Etwas mehr rheinische Wesensart, Gelassenheit und Kontaktfreudigkeit, habe er, der nüchterne Westfale, schon angenommen.

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