Jülich - Ein Kriegsflüchtling wird zur helfenden Hand

Ein Kriegsflüchtling wird zur helfenden Hand

Von: Mira Otto
Letzte Aktualisierung:
Abraham Hamad Omar
Abdraham Hamad Omar ist Flüchtling und helfende Hand im Jülicher „Café Gemeinsam“. Foto: Mira Otto

Jülich. Der Flüchtling Abdraham Hamad Omar lebt seit neun Monaten in Jülich. Nun arbeitet er seit über einem halben Jahr im „Café Gemeinsam“, um seinen Mitmenschen zu helfen, statt untätig zu sein.

„Ich war nach meinem Studium des Technical and Technological Engineering for Food ein Jahr als Dozent an einer Universität tätig, als ich, auch für mich überraschend, meine Heimat verlassen musste“, sagte Hamad Omar über sein früheres Leben. Denn plötzlich standen Anhänger des syrischen Staatspräsidenten Assad vor ihm und forderten ihn dazu auf, gegen den Islamischen Staat zu den Waffen zu greifen. Zu diesem Moment und seiner Entscheidung sagt er heute: „Ich möchte in Frieden leben und wollte diesen sinnlosen Kampf für keine der beiden Seiten bestreiten – um zu überleben.“

Nach einem letzten Gespräch mit Freuden und Familie habe er sich bei einem Schlepper die Überfahrt nach Europa erkauft. Transportmittel war ein mit 15 Passagieren völlig überfülltes Schlauchboot. Kurz vor der griechischen Küste fiel der Motor aus. Die Gruppe trieb ohne Steuerungsmöglichkeiten auf dem Meer.

„Direkt neben mir ist eine Frau vor Angst gestorben. Ich dachte, dass mein Leben vorbei ist“, sagt Hamad Omar heute. In völliger Verzweiflung habe jeder Überlebende mit dem Handy in die Nacht hineingeleuchtet, um gesehen zu werden. „Wir hatten Glück, dass jemand das Licht gesehen hat und uns mit seinem Schiff an die Küste gezogen hat.“

Nach der Rettung und einem kurzen Aufenthalt in der Türkei folgte eine weitere zweiwöchige Reise nach Deutschland. Dort sei er schließlich von der Polizei registriert und Jülich zugeteilt worden. „Damit hatte ich einen Raum, in dem ich schlafen konnte und sicher war. Aber ich war allein, ohne meine Familie oder eine Beschäftigung“, sagte er und führte fort: „Also bin ich jeden Tag zum Sozialamt gegangen und habe gefragt, ob man etwas für mich zu tun habe. Das Geld und die Art der Tätigkeit waren mir egal. Ich wollte der Langeweile entkommen und anderen Menschen helfen.“

Jetzt arbeitet Hamad Omar seit sieben Monaten als Hilfskraft im „Café Gemeinsam“ in der Stiftsherrenstraße. Währenddessen wartet er auf die Bestätigung seines Asylantrages.

Angst ohne Grund

Dazu sagte der Leiter des Cafés Dieter Bürger: „Wir bieten unseren Gästen Frühstück sowie eine warme Mahlzeit und die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu duschen. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem unsere Ehrenamtler nicht kommen konnten und Abdraham Hamad Omar den täglichen Betrieb alleine bewältigen musste – auch die Essenszubereitung.“

„Am Anfang war es hart, mich hier einzuleben. Ich versuche, die Sprache zu lernen und zu arbeiten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute auf der Straße ohne jeden Grund Angst vor mir haben“, so Hamad Omar. Am meisten wünsche er sich den Frieden für seine Heimat, denn dann müsse er nicht in Sorge um seine Familie Leben und könne in sein Heimatland zurückkehren.

Sein Appell an die deutsche Bevölkerung: „Lebt nicht aneinander vorbei, sondern geht aufeinander zu. Ich bin ein Mensch, genauso wie ihr.“

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