Ein köstliches „blechernes” Vergnügen

Von: hivi
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König Artus und seine Ritterschar treffen den Zauberer Merlin. Foto: Emde

Jülich. Die Aufführung des Stückes im Jülicher Kulturbahnhof wurde zu einem Theaterspaß, der alle Erwartungen übertraf. Selbst wer das inhaltlich fast identische Musical in Köln gesehen hat, war von dem Charme und Esprit dieser Aufführung überrascht.

Das Figurenspiel erzählt die Geschichte von König Artus, dem Begründer der Tafelrunde und seiner Ritterschar, die ausgezogen sind, um den heiligen Gral zu finden und nebenbei noch flink die Franzosen zu bekämpfen, die in sein Reich eingefallen sind.

Die Mitglieder des „marotte Figurentheaters Karlsruhe” waren glänzende Schauspieler, wenn sie selbst mit Gags, Gesang, Slapstick und als Puppenspieler fungierten. Dabei war jede Puppe für sich ein kleines Kunstwerk. Sie wurden aus verschiedenen, meist alten Küchenutensilien hergestellt.

Kinderbackformen, Trichter, Tassen, Siebe und Töpfe aus Blech dienten der künstlerischen Gestaltung und gaben jeder Puppe den individuellen Ausdruck, der ihrer Rolle entsprach. Die Puppenspieler in ihren braunen Mönchskutten mit Kapuze traten in den Hintergrund und überließen den blechernen Schauspielern das Feld. Diese verkörperten bestens die vertrottelten Ritter.

Das Stück wurde zur Persiflage auf die Rittersage und zu einem „blechernen” Vergnügen für das Publikum. Genial war auch das Bühnenbild gestaltet. Auch hier nur Blech. Aus alten Zinkwannen entstanden Burgen, aus Kisten und Kasten diverse Möbelstücke.

Feierlich inszeniert war der Auftritt Gottes. Eine farbig gestaltete Puppe in einer dezent bemalten Blechkiste verfügte nicht nur durch ihre Sprache über einen würdevollen Auftritt, sondern auch noch über „Schnürchenziehen” über eine Vorführung des Abbildes des Grals und dank einer Spieluhr mit Kinderlied über die „Gralsmusik”.

Lachmuskulatur strapaziert

Witzige Dialoge, Situationskomik, derbe Sprache, Ironie und Spielfreude der Schauspieler faszinierten die Zuschauer und strapazierten ohne Pause die Lachmuskeln. Dabei wurde auch der Bezug zu Jülich mehrfach geknüpft und humorvoll ausgenutzt.

Kleine Gesten sorgten für große Wirkung. Schon der Einzug des Ensembles mit Requiem-Gesängen und Selbstkasteiung mit leeren Plastikflaschen bedurfte keines verbalen Kommentars.

„Der Weg ist das Ziel” - nach dieser Vorgabe wurde gehandelt. Auf diesem Weg wurde mal so eben die Problematik der Hexenverbrennung, der Homosexualität in dieser Zeit und der politischen Situation im Allgemeinen thematisiert. Das Scheitern der ritterlichen Mission wurde deutlich in der Aussage „Der Weg ist das Ziel - welch ein Schwachsinn”.

Das Publikum war begeistert und zeigte das mit einem Riesenapplaus für die Ensemblemitglieder des „marotte Figurentheaters” und ihren blechernen Kollegen.
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