Ein Kapitel Familiengeschichte des Synagogenerbauers Isaak

Von: ptj
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Die Besuchergruppe aus der israelischen Stadt Ramla besichtigte die ehemaligen Synagoge Rödingen. Mittig im weinroten Hemd ist Claudio Rusansky zu sehen, Nachfahre des Rödinger Synagogenerbauers Isaak Ullmann. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Ein fröhliches „Shalom“ hallte durch das ehemalige Wohnhaus des jüdischen Synagogenerbauers Isaak Ullmann in Rödingen, heute das einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäudeensemble dieser Art im westlichen Rheinland.

Eingekehrt war eine Besuchergruppe der Städtepartnerschaft Moers – Ramla (Israel) auf ihrem Weg nach Aachen. Das Besonders daran: Unter den Gästen weilte Claudio Rusansky, Ur-Ur-Urenkel von Abraham Ullmann, älterer Bruder des Synagogenerbauers Isaak Ullmann.

Der heute 46-jährige Claudio ist noch in Argentinien geboren, seine Familie wanderte auf Wunsch der Eltern im Januar 1973 nach Israel aus. Er reiste in Begleitung seiner Frau Iris und zum ersten Mal in der seiner beiden Kinder Arava (15) und Rem (13). Letzterer hat gerade seine „Bar Mitzwa“ gefeiert und somit die religiöse Mündigkeit erreicht.

Rusansky, der nun zum zweiten Mal nach Rödingen kam, fühlte sich auf Nachfrage „very amused“ (sehr amüsiert). Bevor LVR-Judaistin Monika Grübel ihn im Zuge ihrer Recherchen im Familienbuch Euregio vor ein paar Jahren ausfindig gemacht hatte, wussten er und seine Familie nämlich überhaupt nichts über die Familiengeschichte mit Bezug auf die kleine Landsynagoge im fernen Deutschland.

Vor zweieinhalb Jahren hatten er und seine Frau Iris das Grab von Suesmann Ullmann auf dem jüdischen Friedhof in Düren besucht und die Stolpersteine auf der Kölnstraße in Düren besichtigt, die im Gedenken an jüdische Opfer des Nationalsozialismus beabsichtigt dort im Weg liegen.

Zu den Opfern zählen Alphons Ullmann (1874 in Düren geboren) und seine Frau Julie Ullmann, (geb. Cohnen aus Grevenbroich), beide ermordet in Sobibor, und seine Schwestern, die Zwillinge Edith und Inge Ullmann, beide in Auschwitz ermordet.

Suesmann Ullmann (1826 in Rödingen geboren und 1907 in Düren gestorben) ist eines der zehn oder elf Kinder von Isaak Ullmanns Bruder Abrahahm (1786 bis 1868), der Viehhändler und Kaufmann in Rödingen war. Alphons, Sohn von Suesmann, hatte wiederum einen Sohn, nämlich Claudios Großvater Werner Friedrich Ullmann (1915 bis 1984), der nach Argentinien auswanderte.

„The last Ullmann was born in Uruguay in June“ (der letzte Ullmann wurde im Juni in Uruguay geboren), erzählte Claudio und zeigte lächelnd ein Handy-Foto, bevor er mit großem Interesse die Führung durch Synagoge und Wohnhaus seines Vorfahren folgte.

Treffen in Amsterdam

Über den Besuch in Rödingen und die Kontaktherstellung durch Monika Grübel kommt im Übrigen ein Treffen von Claudio Rusansky mit Ellen Eliel-Wallach, Urenkelin des Synagogenstifters, in Amsterdam zustande. Ellen Eliel-Wallach überlebte Auschwitz und hatte dort die Zwillinge Edith und Inge Ullmann vor ihrer Vergasung getroffen. Beim jährlichen „Yom Hashoa“, dem Tag des Gedenkens an die Shoa, gedenkt sie besonders diesen Opfern des Holocaust.

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