Ein Jülicher Erbe, dessen Wert kaum erkannt wird

Von: Volker Uerlings
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Wesentliche Merkmale der Idealstadtanlage Jülichs sind hier zu erkennen: Dreigeschossige Häuser mit Satteldächern in Blockbauweise. Mittendrin der Marktplatz, der in Größe und Form italienischen Vorbildern der Renaissance entspricht. Diesen Jülicher Grundriss schuf ja auch ein Italiener: Alessandro Pasqualini. Foto: Jansen

Jülich. Die Zitadelle, der Hexenturm, die Schlosskapelle und der Brückenkopf haben eine Gemeinsamkeit. Sie sind eigentlich von jedem gleich als historisches Erbe zu erkennen. Ausgerechnet für das größte Jülicher Denkmal gilt das nicht: die Innenstadt mit einem ganz besonderen Erscheinungsbild und einem Grundriss, der fast 500 Jahre alt ist.

Die besonderen Merkmale sind Häuserblöcke in einer bestimmten Höhe – alle mit Satteldach –, der bewusste Verzicht auf Treppenaufgänge und Erker. Sie sind in großer Einheitlichkeit mit sehr wenigen Ausnahmen zu finden und kennzeichnen die in der Renaissance am Reißbrett geplante Festungsstadt. So etwas – inklusive Marktplatz nach italienischem Vorbild – gibt es weit und breit nicht mehr.

Wirklich gut sichtbar wird dieses Stadtbild im Jülicher Herzen von oben. Das von der Fläche her große Erbe ist in einer modernen Stadt, die sich ständig entwickelt, immer wieder bedroht: von Bauprojekten, die aus der Art schlagen, wenn es keine eindeutigen Regeln gibt. So sehen das zumindest die Hüter der historischen Werte. Einer dieser Hüter ist seit gut 30 Jahren der Förderverein Festung Zitadelle.

Er feierte mit prominenten Gästen am Freitagabend den runden Geburtstag. Zum Fest hatte sich der Verein Experten „als Geschenk eingeladen“, wie es Vorsitzender Dr. Rüdiger Urban vor der Veranstaltung bei einem Gespräch ausdrückte. Professor Peter Morsbach ist einer davon und hat mit seinem Verein der Altstadtfreunde Regensburg auch über Jahrzehnte dafür gekämpft, dass die auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch fast vollständig erhaltene Regensburger Altstadt ihr Gesicht nicht verliert.

Das geschah mit großem Erfolg, denn inzwischen zählt die nordbayerische Altstadt in der Oberpfalz zum Unesco-Weltkulturerbe. Morsbach war zum ersten Mal in Jülich und gleichermaßen erstaunt wie angetan von „dieser Festungsstadt“, die in den 1950er Jahren „feinfühlig wiederaufgebaut wurde“ mit ihrer „wirklich einzigartigen Zitadelle“.

Er hörte von den Sorgen des Jülicher Vereins. „Höhere Häuser rücken immer näher an die Zitadelle heran“, sagte Rüdiger Urban über ein geplantes fünfgeschossiges Seniorenpflegezentrum (Grundstück alte Schirmerschule/Stadthalle). Professor Morsbachs Meinung ließ keine Sekunde auf sich warten: „Das Umfeld der Zitadelle müsste eigentlich sakrosankt sein.“ Unantastbar. Damit war kein genereller Bauverzicht gemeint, aber wenigstens ein Verbot für Gebäude, die Schlossflügel und Festung als wohl wichtigstes Denkmal der Stadt überragen könnten. Ein anderes Beispiel ist das „kleine Kreishaus“, das durch einen Anbau neben dem Alten Rathaus in der Düsseldorfer/Kapuziner Straße entstehen soll.

Die erste Planung sah ein viertes Geschoss als Staffelgeschoss vor, obschon die Umgebung sehr einheitlich dreigeschossig ist. Die neue Planung sei in Kürze einsehbar, dann zeige sich auch, wie es in diesem Fall die öffentliche Hand – der Kreis Düren – mit der Wahrung des Denkmalschutzes halte, sagte Rüdiger Urban.

Der Förderverein möchte mit Politik und Verwaltung einen Denkmalpflegeplan aufstellen, in dem klar geregelt wird, was schützenswert ist in Jülich und wie es geschützt werden soll. „Wir sind im Gespräch“, sagte der Vorsitzende, dem noch lieber wäre, wenn hier ein Stadtentwicklungskonzept aufgestellt würde, in dem sich alle Gruppen in der Stadt – auch Mieter und Vermieter – wiederfinden und in dem der Denkmalpflegeplan ein Puzzleteil ist. Urban und der Vorstand sind überzeugt, dass diese Regeln und gezielte Projekte die Attraktivität erhöhen.

Professor Morsbach wusste am Freitag zu berichten, dass in Regensburg ein striktes Regelwerk bis hin zur geregelter Werbung an Geschäften akzeptiert werde. Eine Lockerung des Autoverbotes sei gefloppt.

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