Ein Glücksfall für die Stadt: Zum Tode von Karl Theodor Atzpodien

Von: Inge Duwe und Wolfgang Gunia
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Der Neubau des Gymnasiums in h
Der Neubau des Gymnasiums in historischem Umfeld ist Karl Theodor Atzpodiens Werk. Foto: imago

Jülich. Am 1. April verstarb im hohen Alter von 98 Jahren Karl Theodor Atzpodien, Baudirektor und Leiter des Staatshochbauamtes Aachen. In Jülich wurde er bekannt als Architekt des Neubaus in der Zitadelle.

Die wechselvolle Geschichte des herzoglichen Schlosses endete im November 1944 mit der starken Zerstörung. In den ersten Nachkriegsjahren fanden in den Kasematten und Gebäuden der Festung Jülicher Bürger und Handwerksbetriebe Notunterkünfte. Danach versank die Zitadelle in einen langen Dornröschenschlaf mit fortschreitendem Verfall.

Für das Gymnasium und die Stadt war es ein Glücksfall, dass das Land Nordrhein-Westfalen den Gesamtbereich der Zitadelle von der Stadt kaufte, um dort einen Neubau für das Gymnasium zu errichten, das am Neußer Platz keine Erweiterungsmöglichkeiten hatte. Da das Gymnasium damals „ staatliches” Gymnasium war, wurden die Planungen und auch die Bauleitung Baudirektor Karl Theodor Atzpodien übertragen.

Seit Mitte der 1960er Jahre bis zur Einweihung der Schule im Jahre 1972 - im Oktober überreichte Atzpodien im Pädagogischen Zentrum dem Vertreter des Ministeriums den Schlüssel der Schule, der ihn an den damaligen Schulleiter Oberstudiendirektor Dr. Heinz Renn weiter gab, - und auch in den Folgejahren betreute Atzpodien die neue Schule und die Zitadelle.

Als Architekt stand er vor der schwierigen Aufgabe, ein historisches Bauwerk möglichst weitgehend zu erhalten und zugleich den Anforderungen an eine moderne Schule für 800 Schüler gerecht zu werden. Ihm gelang es, das ursprüngliches Quadrum der Schlossanlage durch den Bau des Pädagogischen Zentrums im Westen wieder herzustellen. So entstand der bei den Schülern so beliebte Innenhof.

Nord- und Südflügel des Schlosses mussten die Klassenräume aufnehmen. In den zweigeschossigen Ruinen des Baus war das nicht möglich, deswegen wurden an alter Stelle und in den gleichen Maßen die heutige Nord- und Südflügel dreigeschossig errichtet, jedoch in der gleichen Höhe wie der historische Bau. Dadurch erreichte Atzpodien, dass der Gesamteindruck des Gebäudes dem historischen Bau schonend angepasst wurde.

Im Ostflügel mit der Schlosskapelle und in den beiden Treppenhäusern konnte die alte Bausubstanz recht gut erhalten werden. Umgeben von den Wällen und Bastionen entstand im Inneren der Zitadelle mitten in der Stadt ein Ort der Ruhe, der für die Schule wunderbar geeignet war.

Dass mit dem Neubau die Baugeschichte der Schule nicht enden würde, konnte der Architekt nicht ahnen. Bergschäden machten und machen umfangreiche Sanierungs- und Stützungsmaßnahmen unter dem Südflügel, unter dem PZ und auch an den Wällen und Bastionen nötig. Ein ehemaliger Lehrer konnte deswegen treffend nach einer bekannten Melodie dichten: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt/
Steht sie auf Hydraulikschienen, Renaissance im Rübenland.”

Der von Karl Theodor Atzpodien konzipierte Bau hat sich in der Praxis seit nunmehr 40 Jahren bewährt. Dass die Schülerzahlen die damals zugrunde gelegten Zahlen weit überschritten und bald wieder Platznot herrschte, konnte er ebenfalls nicht ahnen.

So lebendig wie heute war die Zitadelle in ihrer langen Geschichte wohl nie. Nicht nur der Schulbetrieb, auch Konzerte, Theateraufführungen und Veranstaltungen aller Art im PZ, in der Kapelle und im Innenhof machen die Zitadelle zu einem beliebten Treffpunkt für die Jülich.

Wenn 2015 wieder ein großes Ehemaligentreffen mit Schulabgängern und Lehrern stattfindet, weht ein besonderer nostalgischer Hauch durch das neue alte Gemäuer. Die Herren Pasqualini und Atzpodien hätten ihre Freude daran.
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