Ein Chor mit erfrischend anderem Programm

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Der Mut zum Risiko, den Dirigentin Ilona Baum und der Figuralchor immer wieder beweisen, kommt beim Publikum gut an. Die Schlosskapelle war beim jüngste Konzert ausverkauft. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Die scheidende Dirigentin des Figuralchores Ilona Baum zeigte während ihrer 13 Jahre Tätigkeit als Chorleiterin immer wieder Mut, auch einmal etwas andere, selten aufgeführte Chormusik ein zu studieren. Dies machte offensichtlich den aufgeschlossenen Sängerinnen und Sängern der Gemeinschaft, aber auch dem Jülicher Publikum viel Freude.

Das bewies auch diesmal wieder die ausverkaufte Schlosskapelle. Auf dem Programm stand die „Kantate in sieben Streichen“ nach der bebilderten Bubengeschichte von Wilhelm Busch. Vertont wurde sie von Siegfried Strohbach im Jahre 1998 als Auftragskomposition. Der älteren Generation sind die Verse noch sehr vertraut und gehört zu den Jugenderinnerungen.

Die beiden bösen Buben

So begann auch der einführende Text von Adelheid Wandrey und Dr. Thomas Kreßner mit den Worten „Jedermann in Jülich kannte…“. Fast jedermann kannte tatsächlich die Geschichte von Max und Moritz, den beiden bösen Buben, die ihren Mitmenschen schlimme Streiche spielten und dafür auch ein grausames Ende nahmen. Sie wurden in der Mühle zu Schrot gemahlen und von Gänsen verspeist. Die gerechte Strafe? Sicherlich nicht nach heutigen pädagogischen Gesichtspunkten. Aber auch Märchen sind grausam und haben doch auch heute noch ihren Stellenwert.

Die Musik verstärkte die Inhalte der Sprache und unterstrich mit Dramatik das Geschehen um die Witwe Bolte, ihre Hühnerschar und ihren Spitz, um Schneider Böck und sein unfreiwilliges Bad, um Lehrer Lämpel und seine Tabakspfeife, um Onkel Fritz und die Krabbelkäfer, um den Bäcker und Müller, wo die Streiche bitter enden. Veranschaulicht wurden die Streiche durch eine PowerPoint Präsentation, bei der die Originalzeichnungen gezeigt wurden.

Der Chor brachte die Kantate mit sichtlicher Begeisterung und Freude. Er war diesmal vielseitig gefordert. Gesanglich recht differenziert aufgebaut mit großen Anforderungen an Stimme und Musikalität, mit Sprechpassagen, die eine große Koordination forderte, und ständig wechselnden Rollen in den Stimmen waren Ensemble und Chorleiterin gleichermaßen gefordert.

Die glanzvolle Leistung resultierte sicherlich auch aus einer intensiven Probenarbeit. Unterstützt wurden die Sängerinnen und Sänger von der jungen Pianistin Adeline Hulin, die ihren Part mit großer Souveränität, solistischem Können und in feiner Abstimmung mit dem Chor spielte.

Herzlicher Applaus

Bereichert wurde das Programm auch durch Matthias Goebel, der mit seinen Improvisationen zu Themen der Kantate die musikalische Stimmung aufgriff und intensivierte. Die Aufführung brachte zum Schmunzeln und gefiel dem Publikum offensichtlich. Die musikalische Leistung der Ausführenden war bewundernswert, ebenso ihr darstellerisches Vermögen.

Der Spruch von Wilhelm Busch „Musik wird oft nicht schön empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden“ traf sicherlich an diesem Abend nicht zu. So war auch der Applaus sehr groß und herzlich. Die Zugabe „Zu Regensburg auf der Kirchturmspitz“ griff die fröhliche Stimmung auf, ebenso der spektakuläre Auszug mit dem Ausblick auf kulinarische italienische Spezialitäten.

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