Jülich - Ein Blick in die Jülicher Problemzonen

Ein Blick in die Jülicher Problemzonen

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Ein Fleck Natur, der aus Manfred Neulens Sicht intakt ist: die Rur an der Tetzer Brücke im Barmener Driesch. Nachdem das Pfingstunwetter 2014 die meisten Pappeln geknickt hat, entwickelt sich die Fläche mit ein bisschen Starthilfe in eine gesunde Richtung. Foto: Jansen
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Kurz und knapp: Für einen solchen Kahlschlag hat Manfred Neulen kein Verständnis.
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So sollte es sein: Ein ausgewachsener Feldrain stellt den Artenschutz sicher.
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So sieht es oft genug aus: Die Ackerflächen haben die Feldraine geschluckt.

Jülich. Manfred Neulen (67) ist Landschaftswart. Und gewinnen kann er eigentlich nie. Das wird deutlich, wenn man mit dem Mann im Auto durch die Gegend fährt. Er hält seine Augen im Jülicher Norden zugunsten der Natur offen. Selbst wenn er jemanden bei einer großen Umweltschweinerei erwischte – mehr als die Polizei rufen könnte und dürfte er nicht.

Oftmals seien die Stadt und der Kreis die Ansprechpartner. „Aber auf einige Themen, die ich immer wieder vorgebracht habe, reagiert man dort gar nicht“, sagt Neulen. Zum Beispiel auf das Verschwinden der Feldraine, die normalerweise zwischen Äckern und Wiesen auf der einen und den Feld- und Nutzwegen auf der anderen Seite wachsen sollten. Feldraine sind kleine Biotope, in denen Pflanzen wie Disteln noch ein bisschen Platz finden, die beispielsweise Insekten eine Heimat und Vögeln damit Nahrung bieten sollen, wenn es auf den Ackerflächen kaum noch etwas zu holen gibt. Landwirte erhalten sogar Fördergeld, wenn sie Feldraine schonen und pflegen.

Das Verschwinden der Feldraine

„Da“, sagt er und zeigt mit dem Finger in eine Richtung. „Da“, und „schon wieder“. „Da“ sollte eigentlich ein Feldrain sein. Einen oder eineinhalb Meter sollen die grünen Inseln breit sein. Bei vielen ist noch mal die Hälfte stehengeblieben. Und mit natürlich gewachsen hat das Grün oft ungefähr so viel gemeinsam wie ein Kunstfaserteppich mit einem Naturschutzgebiet. So einiges ist faul mit der Natur auf Jülicher Stadtgebiet, nicht nur, weil keine Feldraine da sind wo Feldraine sein sollten. Sondern auch, weil Stadt und Kreis nicht reagieren, wenn Neulen meldet, dass Feldraine umgepflügt wurden und Grenzsteine verschwunden sind. „Ich kann die Bauern auch verstehen“, sagt er dann. Weniger Feldrain bedeutet mehr Fläche und weniger Gefahr, dass sich nicht gewollte Pflanzen auf ihren Flächen vermehren. „Ich verstehe auch gut, dass die Landwirte heute zu kämpfen haben und sicher nicht die Zeit haben, durch ihre Felder zu laufen, um Unkraut aufzumachen. Das muss schneller gehen. Deswegen werden die Felder gespritzt.“ Dieser Preis- und Zeitdruck sei nicht die Schuld der Landwirte. Und viele Landwirte hätten mittlerweile ein Gespür für die Umwelt entwickelt. Trotzdem.

Als Landschaftswart hat man Pflichten, aber keine Sonderrechte. Polizei spielen beispielsweise geht nicht, sondern nur Polizei rufen. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Das empfindet Manfred Neulen selbst so. Sonst wäre der Stress wohl programmiert. Denn wenn man mit Manfred Neulen durch den grünen Teil Jülichs fährt, vergeht keine Minute, ohne das sein Suchsystem für Problemzonen in der Natur anschlägt.

„Die Fläche ist tot“

Jülich hat viele solche Zonen. Einige davon finden sich am Wegesrand. Nicht nur die Feldraine. Auch an den Straßenrändern läuft aus seiner Sicht viel falsch. „Wegen der Verkehrssicherheit muss das Grün bis zu einem halben Meter hinter die Leitpfosten zurückgeschnitten werden. Aber ...“, sagt er und deutet in der Vorbeifahrt auf den Straßenrand in der Nähe von Merzenhausen. „Alles ratzekahl weg. Die Fläche hier ist tot.“ Das kurz geschnittene Gras wächst noch, in einer Trocken- und Hitzeperiode würde es verdorren. Bis zur Wiese hin, die einen Wall hinauf mehr als zwei Meter oberhalb der Straße liegt, sei alles kurz gemäht, obwohl aus Neulens Sicht Platz gewesen wäre für zwei oder mehr Meter Biotop. „Aber da geht alles nur nach Freischneideplan. Egal, ob das für die Natur schlecht ist“, kritisiert der Landschaftswart, der eine Art Zeitgeist ausgemacht hat. „Das ist der eingebürgerte Wahnsinn. Jede Woche muss der Rasen gemäht werden. Und die Vorgärten werden mit Beton oder Schotter zugemacht.“ Viel daran ändern könne ein Landschaftswart nicht, bis auf die Menschen daran zu erinnern, dass die Natur ursprünglich andere Pläne hatte.

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