Ein ausgezeichneter Autor als Geschenk

Von: ptj
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Rüdiger Bertram in Aktion, inmitten seines Publikums in der Sekundarschule. Foto: Jagodzinska

Jülich. Eigentlich hätte der mehrfach ausgezeichnete Kinderbuchautor Rüdiger Bertram bei seiner Lesung in der Sekundarschule Jülich „eine rote Schleife tragen müssen“. Denn wie Eva-Behrens-Hommel von der Buchhandlung Fischer zu Recht betonte, war er ein Geschenk der Buchhandlung an die „junge, engagierte, moderne Schule“.

Die Einrichtung hatte 200 Schüler in den letzten zwei Jahren zum „Welttag des Buches“ in die Buchhandlung geschickt, soviele wie keine andere Schule. Die Organisation der Lesung mit 135 Fünftklässlern hatte Nadja Haupt übernommen, Vorsitzende der Fachkonferenz Deutsch.

Bertram, der lange Zeit als Medienjournalist und Drehbuchautor seine Brötchen verdiente, begann vor zehn Jahren, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Seine Lesung begann der Routinier ungewöhnlich. Recht ungeschickt zeichnete er ein Strichmännchen auf ein Blatt und stellte dieses als Kai vor, Protagonist seines Buches „Coolman und ich“, Band 1 in einer Reihe von acht Büchern. So-gleich gab er freimütig zu: „Das Bild ist eine absolute Katastrophe“. Sinn und Zweck der Übung war es, die Arbeit seines „sehr, sehr guten Freundes“ Heribert Schulmeyer ins rechte Licht zu rücken, der als Illustrator und Comiczeichner seine Geschichten ansprechend bunt bebildert.

Vor dem Start seiner Lesung vertraute Bertram seinem jugendlichen Publikum ein „Geheimnis“ an: „Autoren trinken Wasser, um die Spannung zu steigern“. Tatsächlich konnten es die Zuhörer kaum erwarten, von Kais und ­Coolmans Abenteuern zu hören. Kai ist elf Jahre, besucht die fünfte Klasse und „wäre gerne ein normaler Junge“. Wer oder was ihn daran hindert, ist „Coolman“ in Kais Kopf, für alle anderen unsichtbar, der Kai stets ins Ohr flüstert und ihm coole Ratschläge gibt, die allerdings immer in einer großen Katastrophe enden. So entpuppt sich der Comicroman als wahre Ablachserie voller Schulwahnsinn und Alltagsidiotie.

Trotz männlicher Protagonisten ist das Buch wegen seiner interessanten Episoden und kleinen Romanzen auch für Mädchen geeignet. Bertram las ein Kapitel, betätigte dann eine Handklingel, um sein Publikum auf den folgenden Comic vorzubereiten, den er als Dialog zwischen Kai und dessen Albtraum Coolman verlas. Die entsprechenden Zeichnungen sahen die Schüler vorne auf einem Flipchart. Zunächst landen die Protagonisten in einem Müllcontainer voller ungespülter Joghurtbecher, der sich unfreiwillig schnell in Bewegung setzt. „Ich liebe es, wenn der Wind durch mein Haar streicht“, kommentiert Coolman das Erlebnis.

„Ich will hier raus“, schreit Kai auf. Nach einem Radbruch spuckt der Müllcontainer seinen gesamten Inhalt „in das grüne Wasser eines Tümpels“, nebst Kai und den ungespülten Joghurtbechern. Ein weiteres Beispiel für eine besonders witzige Episode ist Kais Theaterbesuch mit seiner Schwester „Anti(gone)“ im Stadttheater, wo ihre Schauspielereltern Romeo und Julia verkörpern. Obwohl Kai weiß, er „soll nicht auf Coolman hören“, macht er nach einem verpatzten Small-Talk mit dem Bürgermeister entschuldigend eine formvollendete Verbeugung. Dabei knallt sein Kopf auf die Stirn der Bürgermeistergattin, die zu Boden geht. Damit nicht genug, entkleiden sich Romea und Julia drehbuchgemäß vollständig auf der Bühne.

Wenn auch ungewollt, lenken sie damit ihren Sohn von seinem plötzlichen Harndrang ab und verhindern Schlimmeres. Eine Zeichnung von den entkleideten Eltern gab es allerdings nicht. Bei der anschließenden Frage-Antwort-Runde nahmen die Schüler kein Blatt vor den Mund. Unter anderem interessierten sie sich für Ber-trams Reichtum und seinen konkreten Verdienst pro Buch. Was seinen Reichtum betrifft, kann Bertram „glücklicherweise seit vier Jahren von seinen Büchern leben“. Sein Verdienst pro Buch schätzte er zum Erstaunen der Schüler auf nur 90 Cent, weil „ganz viele Leute daran verdienen“.

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