Eierkauf: Im Augenblick lieber regional

Von: kin/hfs.
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Auf Tuchfühlung mit seinen freilaufenden Legehennen: Der Jülicher Eierproduzent Philipp Wynen, der die notwendige Hygiene des Federkleids mit einer Art biologischem Kalkwasser sicherstellt. Foto: hfs.

Kreis Düren. Eier aus dem Supermarkt sind für Tabea Zimmermann im Augenblick tabu. Die 34-Jährige steht mit Töchterchen Zoé auf dem Dürener Wochenmarkt und packt gerade zehn braune Eier in ihren Einkaufskorb. „Ich möchte ich kein Fipronil in meinem Essen haben. Punkt“ , sagt Zimmermann.

„Auch wenn es erst bei hoher Konzentration wirklich gefährlich wird“, sagt die Mutter.  Verkäufer Philipp Wynen aus Jülich hat mit seinen Eiern auf dem Wochenmarkt in der Herzogstadt neue Kunden aus ähnlichen Motiven.

Fipronil ist ein Insektizid, das zur Desinfektion in Hühnerställen eingesetzt worden ist – verbotenerweise. Auch wenn den Tieren das Mittel nicht verfüttert, sondern im Stall versprüht wurde, haben es die Hennen im Körper aufgenommen. Über die Haut, beim Einatmen, auch beim Picken.

„Die Kunden sind verunsichert“, sagt Gerhard Moonen, der in Langerwehe einen kleinen Betrieb mit 1500 Hühnern hat. „Und der Andrang ist im Augenblick sehr groß. Auffallend ist auch: Bevor die Leute unsere Eier kaufen, möchten sie genau wissen, wie wir arbeiten.“

Ähnliches erlebt auch Wilhelm Püllen, der im Nörvenicher Ortsteil Eschweiler über Feld einen Betrieb mit 26000 Hühnern betreibt – deutlich größer als der von Gerhard Moonen also, aber immer noch viel kleiner als die Massenbetriebe mit bis 100.000 Hennen. „Wir müssen im Augenblick sehr viel erklären. Die Kunden wollen eine ehrliche Auskunft, und die sollen sie auch bekommen.“

Natürlich sind auch Milben, gegen die das Insektizid in den Hühnerställen vor allen Dingen eingesetzt worden ist, in den Betrieben von Gerhard Moonen und Wilhelm Püllen ein Thema. „Es gibt keinen Hühnerstall ohne Milben“, sagt Moonen. „Und als es im April und Mai so heiß war, haben die Milben sich unglaublich stark vermehrt.“ Sowohl Moonen als Püllen setzen bei der Bekämpfung der unangenehmen Spinnentiere auf Gesteinsmehl. Püllen: „In unseren Ställen stehen große Bottiche mit feinem Gesteinsmehl, das die Hennen zum Staubbaden nutzen.“ Durch das Mehl, dass sich im Gefieder der Hühner verteilt, trocknen die Milben aus. Püllen: „Staubbaden gehört zum natürlichen Verhalten der Hühner. Die machen das gerne.“

Bei Desinfektionsmitteln für seine Ställe setzt Püllen auf solche, die mit dem Prüfsiegel der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft versehen ist. „Ich habe lange mit dem Veterinäramt gesprochen“, sagt der Landwirt. „Und Fipronil hat kein solches Siegel.“ Die Ställe in Eschweiler über Feld werden im Schnitt alle 18 Monate desinfiziert. „Die Hühner kommen mit 18 Wochen zu uns“, erklärt Püllen. „Dann sind sie legebereit. Nach etwa zehn Monaten bekommen die Tiere eine vierwöchige Legepause und erneuern ihr Fell. Danach legen sie noch sechs weitere Monate, bevor sie geschlachtet werden.“

Nach dem Schlachten wird der Stall gereinigt und desinfiziert. Erst danach können neue Junghennen einziehen. Für die Hühner, sagt Püllen weiter, sei das weniger anstrengend, als wenn sie 13 Monaten durchgehende Eier legen müssten. „Das ist für die Hühner schon belastend. Bekommen sie einen Monat Pause ist das für die Tiere besser, und die Qualität der Eier ist nach der Pause auch wieder höher.“

Ein Aspekt ist sowohl Wilhelm Püllen als auch Gerhard Moonen sehr wichtig: der Preis. „Ich verkaufe zehn Eier für 2,20 Euro“, sagt Moonen. „Beim Discounter gibt es die gleiche Menge für die Hälfte.“ „Die Frage ist doch“, ergänzt Wilhelm Püllen, „wo der Preisunterschied herkommt.“ Klar, dass der Experte auch gleich eine Antwort parat hat. „Um unseren Hühnern die Möglichkeit zum Staubbaden zu geben, brauchen wir jede Woche etwa eine Tonne Gesteinsmehl, das von Hand verteilt werden muss. Das kostet viel Zeit und auch jede Menge Arbeitskraft.“

Der Fipronil-Eierskandal betrifft auch Philipp Wynen aus Jülich, aber im positiven Sinne, hebt der Geschäftsmann selbst hervor. „Seit dem ersten Fernsehbericht über die mit Fipronil belasteten Hühnereier habe ich bis zu 30 Prozent mehr Kundschaft in meinem Hofladen.“ Der Jülicher betreibt den Eierhandel im Geschäft auf der Kölnstraße, zusätzlich ist er auf dem Wochenmarkt vertreten. Manchmal sei er schon morgens gegen 10 Uhr ausverkauft.

„Aber meine 1040 Hennen, die ich in Freilandhaltung laufen habe, die legen ja jetzt nicht mehr Eier.“ Die Folge: Viele Kunden müssten ohne Einkauf weggeschickt werden. „Aber sie informieren sich trotzdem bei mir, ob ich auch ein solches Spritzmittel einsetze.“ Was Wynen natürlich verneint, denn durch die Haltung der Tiere auf der Wiese erübrige sich die jetzt bekannt gewordene Vorgehensweise, bei der letztlich der Kontakt von Tieren mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel zustande kam.

Philipp Wynen glaubt unterdessen nicht an eine nachhaltige Neuorientierung der Kunden. „Ist der Skandal vorbei, werden die Leute sicher wieder zu den Discountern gehen. Ich bin mir aber sicher, dass auch der eine oder andere bei mir Eier kaufen wird.“ Dem trägt Wynen Rechnung. Er wird den Bestand an Legehennen aufstocken.

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