Eichhorn-Ruine soll aus Kirchberg verschwinden

Von: Volker Uerlings
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Nicht immer einer Meinung, aber im Gespräch: Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn (r.) und die Mitglieder aus dem Jülicher Planungsausschuss und der BI Zukunft Kirchberg. Foto: Uerlings
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„Schluchtartiger Charakter“: Die Ruine der alten Papierfabrik in Kirchberg soll abgerissen werden, wenn die Erweiterungspläne des Unternehmens Zustimmung finden.
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Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn.

Kirchberg. Es war eine kluge unternehmerische Entscheidung, zum Ortstermin der Jülicher Kommunalpolitik in Kirchberg ein Zelt legen zu lassen. Die Wellpappenwerke Carl Eichhorn KG wollten ihre Erweiterungspläne, die im Ort umstritten sind, vorstellen und begründen.

Auf Wunsch des Planungsausschusses war auch die Öffentlichkeit dabei: in Form der Bürgerinitiative Zukunft Kirchberg, der Medien und etlicher Eichhorn-Beschäftigter. Das Interesse war groß und das Zelt bei Nieselregen mit rund 150 Menschen voll. Inhaltlich gibt es diese Ergebnisse: Die Notwendigkeit einer Betriebserweiterung wurde von Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn deutlich gemacht. Die Hauptkritikpunkte der Bürger aber sind nach wie vor aktuell, obwohl das Unternehmen ein Zugeständnis am Dienstag schon gemacht hat.

Hellmuth Eichhorn, Vertreter der fünften Familiengeneration an der Betriebsspitze: „Wir haben sämtliche Genehmigungen für den Abriss der alten Papierfabrik vorliegen. Wir könnten morgen starten, und wir werden morgen starten, wenn unsere Erweiterungspläne Zustimmung finden.“

Mühlenteich verlegen

Die Industrieruine zieht sich über mehrere hundert Meter unmittelbar entlang der Wymarstraße und sorgt für einen „schluchtartigen Charakter“, so Eichhorn. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden soll der Mühlenteich in Richtung Straße verlegt werden und später auf der ehemaligen Ruinenfläche ein weiteres Produktionsgebäude entstehen. Eichhorn betonte diese „Botschaft“ von Unternehmen und Familie mehrmals, denn die von Jülich aus gesehen rechte Seite spielt für die Wellpappenwerke nur die zweite Geige. Die geplanten Erweiterungsbauten fänden nur auf der anderen Straßenseite Platz.

Die Branche befinde sich in einem harten Verdrängungswettbewerb. Seit 2008 zeige sich zudem ein klarer Trend, der so nicht abzusehen gewesen sei: Die Kunden der Eichhorn KG wollen die Verpackungsmaterialien selbst nicht mehr lagern, sondern „just in time“ beliefert werden. Schon heute sei die kurzfristige Belieferung auf Abruf bei 35 Prozent der Kundschaft erforderlich. Eichhorn: „Wer nicht mitmacht, verliert.“ In jüngster Zeit seien sechs Wellpappenhersteller in die Insolvenz gegangen.

Das Unternehmen aus Kirchberg hat in den letzten Jahren Marktanteile hinzu gewonnen. In Summe jedenfalls plant die Betriebsleitung am Standort Kirchberg eine Produktionssteigerung von etwa 90 Millionen Quadratmetern Wellpappe (2013) auf 125 Millionen in fünf und über 150 Millionen Quadratmeter in zehn Jahren. Damit einhergehend würden 30 000 Palettenstellplätze benötigt. Die sollen in einem 40 Meter hohen Hochregallager untergebracht werden. Es ist der großen Mehrheit im Dorf ein Dorn im Auge.

Das Unternehmen präsentierte schon eine gegenüber dem Frühjahr veränderte Planung: Demnach soll dieses Lager etwa 100 Meter von der Straße entfernt entstehen und nicht sofort ins Auge stechen. Weitere Gebäude für die Produktion und Halbfertigware sollen so angeordnet werden, dass ein „treppenartiger“ Eindruck entsteht und das höchste Gebäude optisch an Wucht verliert. Die Bürger blieben bei ihrer Ablehnung: „Das passt nicht hierhin“ – oder: „Der Dorfcharakter geht verloren“.

Eichhorn informierte, dass das Unternehmen über die nächsten Jahre 50 Millionen Euro am Standort in die Erweiterung investieren und 60 weitere Arbeitsplätze schaffen wolle. Vorschläge aus dem Fachausschuss und von der Bürgerinitiative, das Hochregallager zum Beispiel tiefer in die Erde zu setzen, seien nicht umsetzbar, so Hellmuth Eichhorn. Dann müsste eine Wanne gebaut werden, die vor dem in einigen Jahren wieder ansteigenden Grundwasserspiegel schützt. Mit dem selben Argument begegnete der Firmenchef der Idee, statt einer Industriebrücke über die Wymarstraße einen Tunnel anzulegen. Diese dann viel teureren Baumaßnahmen „sprengen das Budget“.

Der Betriebsrat der Eichhorn KG meldete sich ebenfalls zu Wort und unterstützt die Erweiterungspläne. Die Einwände der Bürger könne man verstehen, die Arbeitsplätze dürften aber nicht außer acht gelassen werden. Ein „mahnendes Beispiel“ sei die alte Papierfabrik.

Der Jülicher Beigeordnete Martin Schulz erklärte Bürgern und Firmenvertretern, dass das eigentliche rechtliche Verfahren noch gar nicht begonnen habe und ein „harter, langer, aufwendiger Weg vor uns liegt“. In diesem Verfahren müssten viele Fragen grundsätzlich geklärt werden: zum Lkw-Verkehr, zum nahen Naturschutzgebiet, zur möglichen Lärmbelästigung. Außerdem könnten sich alle Kritiker zwei Mal mit ihren Bedenken einbringen.

Insofern liegen die Karten nun auf dem Tisch. Alle Seiten sind im Dialog und haben Interesse, einen Kompromiss zu finden.

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