Jülich - Eichhorn-Entscheidung: Zwischen Unverständnis und Vertrauen

Eichhorn-Entscheidung: Zwischen Unverständnis und Vertrauen

Von: Volker Uerlings
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Vor zweieinhalb Jahren: Da sprachen Bürgerinitiative und Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn noch miteinander. Am Donnerstag sprachen die Kommunalpolitiker und votierten für die Erweiterung. Foto: Uerlings

Jülich. Das geplante Logistikzentrum des Wellpappenherstellers Carl Eichhorn KG in Kirchberg hat eine wichtige Hürde genommen. Das im Jülicher Ortsteil durchaus umstrittene Projekt mit einem 35 Meter hohen Hochregallager und einer Warentransportbrücke quer am Ortseingang wird von der Jülicher Politik mit großer Mehrheit unterstützt, wenn auch von manchem mit schwerem Herzen.

Im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen gab es am Donnerstag eine in dieser Deutlichkeit durchaus überraschende Mehrheit: CDU, SPD, FDP und UWG Jül votierten dafür, die planungsrechtlichen Grundlagen (Bebauungsplan/Änderung des Flächennutzungsplanes) zu schaffen. Nur die Grünen waren dagegen.

Das ist noch nicht das letzte Wort, denn auch der Haupt- und Finanzausschuss und letztlich der Stadtrat müssen zustimmen. Davon ist aber nach der Abstimmung am Donnerstagabend im Neuen Rathaus vor zahlreichen Zuschauern auszugehen.

Eichhorn-Beschäftigte im Unternehmens-Sweatshirt und Vertreter der Bürgerinitiative Zukunft Kirchberg verfolgten die gut 30-minütige Diskussion gespannt und durften auch selbst das Wort ergreifen. Thomas Filser von der BI machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, nachdem die Fraktionssprecher ihre Positionen dargelegt hatten und deren Zustimmung abzusehen war. „Man versteht das als normaler Bürger nicht mehr, warum ein solcher Block in unser Dorf gesetzt wird. Sie ziehen sich auf Gutachten zurück. Sie sollten sich unserer Sorgen annehmen. Das sehe ich aber nicht. Tun Sie doch mal was für uns. Wir haben Angst um unseren Ort“, sagte er in Richtung Politik.

Das Engagement der Bürgerschaft lobte der städtische Beigeordnete Martin Schulz ausdrücklich: „Das habe ich so noch nicht erlebt. Das verdient hohe Achtung.“ Die Gegner von bestimmten Teilen der Erweiterungspläne hatten sich in den Planverfahren mit zahlreichen Anregungen und Bedenken zu Wort gemeldet und externe Expertisen eingeholt. In den „Abwägungen“ wurden ihre Kritikpunkte durch Gutachter – von der Stadt bestellt, vom Unternehmen bezahlt – aber entweder nicht bestätigt oder als nicht entscheidende Hindernisse gewertet.

Für die Eichhorn KG und die Belegschaft sprach Stefan Fuck, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender: Nach drei Jahren „wird es Zeit, dass endlich eine Entscheidung getroffen wird“. Die Situation sei für die Kollegen bei Eichhorn aufgrund beengter Platzverhältnisse „unerträglich“. Zu den Detailplänen seines Arbeitgebers könne er nichts sagen, da sei er kein Fachmann. „Bei uns ist aber seit 22 Jahren vieles richtig gemacht worden. Und dieses Vertrauen haben wir.“

Eine letzte kleine Überraschung – auch für den Koalitionspartner CDU – lieferte die SPD-Fraktion, die unmittelbar vor der anstehenden Entscheidung einen neuen Antrag stellte: Das Hochregallager sollte auf 25 Meter Höhe begrenzt werden, die Außengestaltung von Brücke und Lager so attraktiv wie möglich auch im Rahmen eines Wettbewerbs geschehen. Er wurde von den Grünen unterstützt, aber scheiterte an CDU, FDP und Jül. Danach stimmten die Sozialdemokraten mit der Mehrheit.

Erich Gussen (CDU), Christian Klems (Jül), Martina Gruben (SPD), Wolfgang Steufmehl (FDP) und Jürgen Laufs (Grüne) legten die Positionen ihrer Fraktionen für oder gegen die Planung dar. Ausschussvorsitzender Heinz Frey (Jül) hatte zu Beginn der Sitzung eine Tatsache mit Blick auf Bürger und Unternehmen kritisiert: „Ich beklage, dass wir es nicht geschafft haben, eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

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