Ehemaliger Zwangsarbeiter besucht die Gedenkfeier

Von: jago
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Die Jülicher Gruppe von Pax Christi gedenkt der NS-Opfer: Am Mahnmahl erinnerten die Friedensaktivisten mit dem ehemaligen Zwangsarbeiter Czeslaw Parchatko (links) an die moralische Verpflichtung zum Frieden. Foto: Jagodzinska

Jülich. Wieviele Menschen genau bei dem Bombenangriff im September 1944 auf das damalige Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) im benachbarten Zwangsarbeiterlager ihr Leben verloren, ist nicht dokumentiert.

In Anbetracht der Tatsache, dass jeder einzelne Getötete einer zuviel ist, hatte die Jülicher Gruppe der Friedensinitiative Pax Christi im Oktober 1985 in direkter Nähe des schlimmen Geschehens ein Kreuz zum Gedenken und zur Mahnung errichtet. Nun traf sich die Gruppe zu einer Gedenkstunde, um „den Gedanken der Versöhnung wach zu halten”.

Gelebte Gewaltlosigkeit

Roswitha Clermont erinnerte mit einem Text der Theologin Dorothee Sölle daran, dass die „Erde zur Liebe geschaffen ist” und erneuerte den Hintergrund, dass dieses Kreuz an einem Ort, an dem man versucht hat, dem Menschen die Würde zu nehmen, als Auftrag zur gelebten Gewaltlosigkeit stehe.

Besonders bewegend gestaltete sich die Gedenkstunde durch die Teilnahme des polnischen Staatsbürgers Czeslaw Parchatko. Als junger Mann musste der unter unmenschlichen Bedingungen im RAW schuften und befand sich zum Zeitpunkt der Bombardierung im Lager.

Aus dessen niedergeschriebenen Erinnerungen las Pastor Josef Jansen einige erschütternde Passagen: „Wir wurden als Arbeitstiere gehalten und wurden von den Nazis mit nichts anderem als Unkrautbrei verpflegt. Die Flucht war fast unmöglich, weil die SS-Wachen selbst im Anblick von verstümmelten Leichen auf uns schossen”, erinnert sich Parchatko, dem es mit viel Glück gelang, dem Schrecken zu entkommen. „Ich wusste nicht, was ich zuerst tun sollte. Die Toten begraben? Gott um Hilfe bitten? Den Sterbenden helfen? Nur weinen....?” Diese Erinnerungen bleiben unvergessen.

In weiteren Beiträgen mahnten Pax-Christi-Mitglieder die gesellschaftliche Verantwortung an, indem sie unter anderem fiktive Fragen der im Wald begrabenen Opfer stellten, zum Beispiel: „Wie könnt ihr es ertragen, dass dieses Land nun wieder zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört?”

Plakette an Ehrenplatz

Für den Rat der Herzogstadt sprach der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Gunia der Gruppe den Dank aus, dass sie sich beständig für einen Frieden einsetze, der mehr sei als nur die „Abwesenheit von Krieg”. Eine Begebenheit am Rande erfreute den polnischen Gast, als der Anwohner Walter Gatzen ihm eine metallene Plakette übergab, die er bei einem Spaziergang im Wald gefunden hatte. Diese zeigt ein Ikonenmotiv und wird sehr wahrscheinlich einem der ehemaligen Zwangsarbeiter gehört haben. Bei Czeslaw Parchatko wird die Plakette einen Ehrenplatz erhalten, wenn er wieder in seine polnische Heimat zurück kommt.

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