Ehemalige Missionsschwester liest aus ihrer Biographie

Von: ptj
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Afrika bedeutet der ehemaligen Schwester Majella Lenzen (li.) bis heute viel. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Tief bewegt und beeindruckt” vom Lebensweg der ehemaligen Ordensschwester Majella Lenzen hatte Sibilla Wolter, Vorsitzende des Frauennetzwerks Jülich, diese zu Lesung und Dialog in den Kulturbahnhof eingeladen, wo sich 120 Leute einfanden.

„Das möge Gott verhüten” heißt die Biografie, die seit knapp vier Monaten auf dem Markt ist. Bis Mai ist die ehemalige Schwester Maria Lauda schon fast ausgebucht, so begehrt sind ihre Lesungen.

40 Jahre lang war sie „Missionsschwester vom kostbaren Blut”, 33 Jahre davon in Afrika. „Am 8. Dezember hätte ich mein goldenes Professjubiläum gefeiert”, sagt die 1938 in Aachen geborene, sympathische Frau.

1959 begann in der 8000 Kilometer entfernten Kolonialwelt ihr abenteuerliches Missionarsleben. „Angst ließ ich nicht zu. Jetzt konnte ich meinen Gottesbezug unter Beweis stellen”, begann sie die Lesung.

Medizinische, kulturelle und politische Details würzen die Stationen ihres Lebens, von ihrer Ausbildung in Nairobi über die Arbeit in einem Entbindungsheim in Tansania zum Aufbau des dortigen „Turiani Hospital”, das sie 18 Jahre lang leitete.

Obwohl sie eigentlich Ärztin werden wollte, pflegte sie mit ihren Mitschwestern oft ohne Arzt oder Elektrizität Tag und Nacht an Gonorrhö oder Malaria Erkrankte, versorgte Wunden oder behandelte Wurmverseuchungen. Bemerkungen wie: „Ich stand in der Prüfung, kann ich gehorchen oder nicht?” deuteten bereits zu Beginn ihrer Schwesterntätigkeit auf das unschöne Ende hin.

1982 nahm Maria Lauda das Angebot an, die Ordensprovinz in Simbabwe zu leiten, wurde aber nach fünf Jahren abgesetzt, weil sie sich für ein erneuertes Ordensleben einsetzte. „Ich habe in der Zeit so viel angestoßen, dass es auch heute noch Früchte trägt”, betonte die einstige Nonne. Mit ihr wurden zehn ihr nahe stehende Schwestern entlassen und die Bibliothek zerstört.

In dieser brisanten Lage wählte sie die „Exklaustration” und verbrachte ein Jahr bei ihrer Mutter. Neue Prüfungen begannen mit ihrer Koordination der katholischen Aids-Arbeit in der Diözese Moshi am Kilimandscharo.

Die Aids-Arbeit war jedoch „keine ehrbare Missionsarbeit. Das Stigma, das den Betroffenen anhing, hing mit Sexualität und Sünde zusammen”. Majella Lenzen klärte auf über „survival prostitution” (Prostitution zum Überleben) und die Notwendigkeit, Kondome zu benutzen. „Wir dürfen nie mit dem Finger auf die Menschen zeigen”, warnte sie.

Sie geriet mit der katholischen Kirche in Konflikt, die „demonstrativ einen ganzen Berg von Kondomen verbrennt” und „nicht die Fähigkeit hat, über Ansteckung mit Aids zu reden”. Von ihren Aufgaben entbunden und an den Rand gedrängt, erfolgte 1995 „ihr eigener Aidstod”: Sie bat den Papst, sie von ihren Gelübden zu entbinden.

Heute noch „versteht sie den Papst nicht” und ist der Meinung, „Glaube und Institution gehören nicht zusammen”. Das Publikum reagierte mit donnerndem Applaus und vielen Fragen.

Im Mittelpunkt des anschließenden Dialogs stand die miserable finanzielle Versorgung ausgetretener Nonnen und Möglichkeiten der Abhilfe sowie die Aidshilfe in Moshi. „Ich glaube an das Ordensleben, ich glaube, dass es möglich ist”, ist noch heute Majella Lenzens Überzeugung.
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